Grasberger Kinder- und Jugendbuchautorin Sonja Bullen lädt erstmals zu „Meditation und Schreiben“ ein

Worte als Lebenselixier

Sie schreibt erfolgreiche Kinder-und Jugendbücher. Sonja Bullen hat neue Pläne. Die Grasbergerin hat die „Poesietherapie“ für sich entdeckt.
17.02.2015, 00:00
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Worte als Lebenselixier
Von Undine Zeidler

Sie schreibt erfolgreiche Kinder-und Jugendbücher. Sonja Bullen hat neue Pläne. Die Grasbergerin hat die „Poesietherapie“ für sich entdeckt.

. Sie gleicht einer Höhle, wie man sie in Kindertagen liebte, diese Lücke zwischen dem Kleiderschrank und der Treppe unters Dach. Gerade groß genug für Computer, Schreibtischlampe und Bürostuhl. Hier verbringt Sonja Bullen täglich einige Stunden. Sie schreibt. Wenn sie dabei die Sonne vermisst, schleppt sie ihren Laptop die schräge Treppe hinauf unters Dachfenster. Hat sie genug Licht getankt, kehrt sie zurück in ihr „Büro im Kleiderschrank“. Hier entstehen unter dem Poster mit der Skyline von New York ihre Kinder- und Jugendbücher. Vier hat die Autorin schon veröffentlicht. Das ist nicht alles, was die 38-Jährige mit Worten vollbringt. Entspannend können sie auch wirken und an die Quellen der eigenen Kraft führen, so Sonja Bullen. Den Weg dahin will sie in ihrem Seminar „Meditation und Schreiben“ weisen.

Bücher sind ihre Freunde

„Sprache ist schon immer mein Ding gewesen“, erzählt Sonja Bullen über den eigenen Lebensweg. Sie lächelt verschmitzt dabei. In Bücher war sie schon als Kind vernarrt und behandelte sie sehr eigen. Kaum einer durfte sie anfassen. Die dazugehörige Geste beherrscht sie heute noch. Wie zum Schutz legt sie ihre Hände auf dem Wohnzimmertisch um die unsichtbaren Gefährten von damals. „Bücher sind Freunde.“ Was für ein Riesenschritt war es da, als sie endlich zur Schule kam und selber lesen konnte. Später spielte Bullen Theater, arbeitete als Jugendliche beim Hörfunk und schaffte natürlich weiter Bücher an. Überall im Haus stehen sie heute verteilt. Neben dem Klavier die Kinderbücher, beim Sofa die Familienbücher und oben unterm Dach die Reisebücher. „Lesen ist eines der Hauptdinge im Haus“, erzählt Bullen fröhlich.

Ihren Weg zur Autorin beschreibt sie als „schleichenden Prozess“. Der Sprache blieb sie als Logopädin treu und schrieb gleichzeitig schon an ihren ersten Romanen. Sie studierte und belegte in Deutsch und Englisch Kurse für kreatives Schreiben und sonstiges Handwerkszeug, das eine Autorin braucht. Sie wurde in ihren Texten professioneller, belegte noch einen Exposékursus und wurde mutiger. Nach vielen Absagen fand sie endlich die eine Agentin, von der Sonja Bullen sagt: „Seit ich sie kenne, habe ich immer wieder Projekte.“ Bullen schreibt inzwischen für Jugend-Verlage wie Oettinger und Ravensburger, mit Themen meist für Mädchen ab zehn Jahren. Bullen kichert, dabei ist sie doch Mutter von Jungen. Aber sie war ja auch mal jung, und ein Minijob als Jugendbetreuerin in einer Mädchengruppe sorgt außerdem für ausreichenden „Kontakt zur Zielgruppe“. Nun könnte das schon für ein tagesfüllendes Pensum genügen: jeden Tag die Selbstdisziplin aufbringen und den inneren Schreibschalter anknipsen, wenn die Söhne in der Betreuung sind. Plus Hündin Amy, die sich freut, wenn sie Frauchen für sich hat.

Aber vor etwas mehr als einem Jahr meldete sich ein neues Wort in Sonja Bullen: „Poesietherapie“. Dabei wird mit Worten und Texten gearbeitet, „um bestimmte Themen zu reflektieren und um in sich Aspekte zu beleuchten, die nach oben drängen“. Für sich selbst nutze sie diese Technik schon lange, erzählt sie. Im vergangenen Jahr wollte Sonja Bullen es aber genauer wissen und fuhr an acht Wochenenden nach Berlin zu einer Ausbildung für Schreib- und Poesietherapie. Nun hat sie ihren ersten Kursus dazu konzipiert.

„Meditation und Schreiben“ heißt er, und Sonja Bullen erklärt: „Entspannung und Schreiben, das gehört für mich zusammen.“ Kreative Selbsterfahrung besteht für sie aus „Lauschen, Atmen, Schreiben“ mit dem Ziel „dem In-sich-Hineinhören wieder mehr Raum zu geben“. Bullen lernte diese Art der Entspannung während ihrer Ausbildung schätzen.

Für einen Moment in der Stille sitzen, dann einem in meditativer Weise vorgetragenen Gedicht lauschen und erleben, was geschieht. „Es gab daraus kleine Schreibimpulse“, zu Worten, Fragmenten oder ureigenen Texten, über die Bullen sich manchmal selbst wunderte: „Wo war das?“ Dieses Erlebnis will sie jetzt weiter geben und lädt ab dem 21. März jeweils für einen Sonnabendvormittag dazu ein. „Wohlige Wortquellen“ sollen ihre Kursusteilnehmer „anzapfen“ können „und Kontakt zur Lebenslust aufnehmen“.

Nach weiteren Plänen gefragt, lächelt Sonja Bullen selbst an einem grauen Februarmorgen die Sonne herbei. „Ich lerne sehr gerne“, sagt sie und erzählt, dass sie bald mit einer Heilpraktiker-Ausbildung beginnen will. Dazu kommen die Leipziger Buchmesse, auf der sie Mitte März aus ihrem neuesten Buch lesen will, und die nächste Buchpremiere. Im April erscheint „Miss Apfelblüte“.

„Meditation und Schreiben“ sonnabends am 21. März, 18. April, 30. Mai und 20. Juni jeweils von 10 bis 11.30 Uhr in der Feldenkrais- und Schlafschule im Richard-Oelze-Ring 1 in Worpswede – weitere Informationen: www.kreativesonne.de.

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