Integrierte Gesamtschule Lilienthal/Grasberg kombiniert Frühlingsfest mit Projektpräsentation

Zeitreise in die Steinzeit

„Steinzeitmenschen waren absolut geniale Menschen.“ Loup Ringot, Archäologe Grasberg.
14.03.2016, 00:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Sabine von der Decken
Zeitreise in die Steinzeit

Steinzeitliche Mahlmaschine: Der neunjährige Finnian testete während des Frühlingsfests die Angebote der IGS.

SABINE V. DER DECKEN, Sabine von der Decken

„Es gab eine Zeit vor dem Gameboy.“ So lautete die Erkenntnis, die Jean-Loup Ringot, Geologe und Archäologe, dem fünften Jahrgang der Integrierten Gesamtschule Lilienthal (IGS) in Grasberg während der aktuellen Projektwoche vermittelte. Auch wenn erst noch zu klären wäre, ob die jungen Leute von heute in der Mehrzahl überhaupt noch vor einem Gameboy sitzen oder vor einer anderen Art von Computer, so war die Botschaft des Wissenschaftlers deutlich. Früher mussten die Menschen ohne Computer auskommen und sich beschäftigen. Während des traditionellen Frühlingsfests der IGS Lilienthal/Grasberg präsentierten die Schüler der Jahrgänge Clara und Otto die Ergebnisse ihrer einwöchigen Studien. Unter Anleitung von Ringot lebte der Jahrgang Clara etwa eine Woche „Steinzeit“.

Jeden Tag beschäftigten sich die Schüler des fünften Jahrgangs mit einem anderen für die Steinzeitmenschen das Leben lebenswert machenden Bereich. „Steinzeitmenschen waren absolut geniale Menschen“, so Ringots Botschaft. Der sich selbst als Archäogaukler bezeichnende Geologe brachte den Schülern der IGS diese Genialität auf eindrucksvolle Weise in Form von Erlebnisarchäologie nahe. Jagd, Kochen und Wohnen, Musik, Schmuckgestaltung und Höhlenmalerei waren die Bereiche, in die die Schüler während der fünf Tage tief eintauchten. In dieser Zeit kamen sie nicht nur komplett ohne Mathe, Deutsch und Englisch aus, sondern auch ohne Plastik und Metall. Denn es war Unterricht in anderer Form, definierte Tanja Markowsky, Lehrerin des fünften Jahrgangs, die Projektwoche. Auch Jahrgangsleiter Nicholas Hussain bestätigte die Freude am Lernen und die guten Lernergebnisse, die diese Woche mit sich brachte.

Bedeutete Projektwoche bislang an der IGS eine intensive Erarbeitung eines Themas während des Theorieunterrichts, so stand nun zum ersten Mal eine ganze Woche ganz und ausschließlich im Zeichen der Projekte. Für den fünften Jahrgang hieß das Thema „Steinzeit“, Jahrgang sechs befasste sich mit allen Aspekten, die mit der Thematik „Jungen und Mädchen“ verknüpft sind.

Schulleiterin Karina Kögel-Renken bezeichnete das Konzept der Projektwoche als das pädagogische Prinzip, bei dem Kinder zu Hochform auflaufen. Das bewahrheitete sich auch bei Ezra und Line, die mit großem Enthusiasmus von ihren Erfahrungen beim Bau des steinzeitlichen Tipis, Feuer machen, Mahlen von Mehl, Zubereitung steinzeitlicher Gerichte mit steinzeitlichen Garmethoden und Lebensmitteln und der Jagd berichteten. Bei der Rekonstruktion des steinzeitlichen Totenkults hatte Paul als bei einem Unfall mit einem Bison ums Leben gekommener Jäger seinen großen Auftritt. Ihn wie auch Brik begeisterten die unterschiedlichen Aspekte des steinzeitlichen Lebens sehr. Einzig auf die Gestaltung von Schmuck hätten sie ihrer Meinung nach verzichten können. Von ihrem Projekt mehr als begeistert waren auch Kimberly und Line. Sie entschieden sich bewusst nicht für das Projektangebot „Mode“, sondern wollten mal etwas ganz anderes erleben. Das fanden sie im Projekt „Mädels an die Schraubenschlüssel“, bei dem sie in der Autowerkstatt so richtig Hand anlegen durften. Einen kompletten Mercedes halfen sie zu zerlegen und während der Frühstückspause erhielten sie dann auch noch Tipps zur Ersten Hilfe am Arbeitsplatz.

„Wir konnten zeigen, dass Mädchen auch so etwas können“, sagte stolz die zwölfjährige Line aus dem Jahrgang Otto. Sie könne sich nach dieser Erfahrung durchaus einen Beruf in diesem Bereich vorstellen. Im Projekt „Mode“ konnte Insa Bloß ihren Neigungen und Interessen nachgehen und ihre Stärken unter Beweis stellen. Die handarbeitsbegeisterte Schülerin des sechsten Jahrgangs nähte sich während der Projektwoche einen Beutel aus Baumwollstoff für ihre Hefter.

Jeans werden zukünftig einem kritischen Blick ausgesetzt sein, denn das Projekt klärte sie über gesundheitsgefährdende Mittel bei der Herstellung des blauen Baumwollstoffs und dessen ökologische Bedenklichkeit auf. „Bis eine Jeans auf dem Ladentisch liegt, hat sie bereits 40 000 Kilometer zurückgelegt“, so die Erkenntnis. In das Projekt „Hundertwasserhäuser“ brachten sich sowohl Schüler des Jahrgangs Otto als auch Schüler der Schule am Klosterplatz ein.

„Beim Frühlingsfest haben wir nicht nur Spaßaktivitäten gezeigt, sondern das, was in der Schule entsteht“, machte die Schulleiterin deutlich. Und so, sagte Karina Kögel-Renken, nahmen auch die Eltern die fachbezogenen Projekte als inhaltliche Arbeit wahr. Es sei mehr als nur Abwechslung vom Schulalltag gewesen.

Die für dieses Frühlingsfest eigentlich angekündigten Schulführungen werden nun am Schnuppertag, dem 9. April, nachgeholt, kündigte Schulleiterin Kögel-Renken an.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+