Letzter SPD-Bundestagsabgeordnete aus Nordniedersachsen

Ziel: Verlorenes Terrain zurückgewinnen

Landkreis Osterholz. Lars Klingbeil aus dem Wahlkreis Rotenburg I/Soltau-Fallingbostel ist seit dem Herbst der letzte Bundestagsabgeordnete aus Nordniedersachsen. Nun will er als Pate für den Landkreis Osterholz verlorenes Terrain zurückerobern.
11.03.2010, 00:55
Lesedauer: 3 Min
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Von Lutz Peter Kaubisch
Ziel: Verlorenes Terrain zurückgewinnen

Der Pate: Der SPD-Bundestagsabgeordnete Lars Klingbeil.

CHRISTIAN VALEK

Landkreis Osterholz. Die Bundestagswahl 2009 erschütterte die Sozialdemokraten in den Grundfesten. Die Schockwellen erfassten auch den Landkreis, wo Kandidat Joachim Stünker, Urgestein der Genossen, gerade grandios gescheitert war. Jetzt ist ein anderer Genosse angetreten, das sozialdemokratische Engagement im Kreis voranzubringen - als Pate.

Der Mann heißt Lars Klingbeil, ist 32, und kommt aus Munster in der Lüneburger Heide. Er ist Bundestagsabgeordneter für den Wahlkreis Rotenburg I/Soltau-Fallingbostel, Fachmann für Außen- und Sicherheitspolitik Was will so jemand in Osterholz-Scharmbeck beziehungsweise im Landkreis - und was heißt eigentlich Patenschaft? 'Es heißt, dass ich das hier mit betreue', sagt Klingbeil. 'Ich bin der einzige Abgeordnete in Nordniedersachsen, der Hinterbliebene in einem Riesenberitt, den bis vergangenes Jahr Joachim Stünker und Annette Faße aus dem Kreis Cuxhaven mit ausgefüllt haben.' Er stehe jetzt sozusagen in der Mitverantwortung und wolle sich mit um den Landkreis kümmern.

Wie er sich das vorstellt, erläuterte Klingbeil am Mittwoch beim Gespräch in der Redaktion, unterstützt von Hartmut Hesse und Andreas Motscha, den stellvertretenden Ortsvereinsvorsitzenden der Partei, sowie Jendrik Schröder, Mitglied im Kreisvorstand. Klingbeil kam gerade von einem Besuch der Waldschule Schwanewede, wo er sich Fragen zur Person, zum Thema Afghanistan und zur Bildung gestellt hatte. Am Abend stand eine Gesprächsrunde zur Ortsumgehung Walsrode auf dem Programm. Klingbeil, der Verkehrsexperte?

'Ich bin bei jedem Bundestagsabgeordneten vorsichtig, der sich als Experte bezeichnet. Aber das gehört dazu', sagt der Sozialdemokrat. Er kennt auch die Probleme mit der Ortsumgehung Ritterhude und 'will den den CDU-Kollegen Mattfeldt unterstützen', sie zu lösen. Es sei das Bohren dicker Bretter, sagt Klingbeil bezüglich des Ziels, die Ortsumgehung in den vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans zu rücken. 'Alle müssen Druck machen in dieser Sache.'

Auch hinsichtlich der verkehrlichen Probleme auf der Schiene ist Klingbeil im Thema. Es geht um den Lärm der wachsenden Zahl von Güterzügen, die zwischen Bremen und Bremerhaven unterwegs sind. Die Landesgruppe Bremen-Niedersachsen der SPD werde 'noch massiver darauf drängen, dass der Lärmschutz ausgebaut wird'. Die Hafenhinterlandanbindung und Entwicklung der Güterverkehre sei eine Sache; die andere sei, dass die Beschwerden zunähmen. Jendrik Schröder: 'Vor allem die Menschen in Ritterhude sind sowohl tagsüber als auch nachts durch den Bahnverkehr belastet. Die finden keinen Schlaf mehr.'

Anbindung des ländilichen Raums

Es geht Klingbeil um die Anbindung des ländlichen Raums, die 'öffentliche Daseinsvorsorge' - da müsse die Bahn ran, sagt er und bezieht das auch auf die aktuelle Debatte um die Modernisierung des Bahnhofs in Osterholz-Scharmbeck. Helmut Hesse: 'Wir fühlen uns verschaukelt. Wir sind seit 2001 in starkem Maße engagiert, und seit 2001 lautet die Antwort: Im Herbst. In welchem?. Klingbeil: 'Ich kümmere mich.'

Der SPD-Mann ist angetreten, politisches Terrain zurückzuerobern - auch im Hinblick auf eine andere, unzureichende Verkehrsanbindung: den Datenverkehr. Weite Teile des Landkreises seien vom Internet abgehängt. 'Da hätte im Rahmen des Konjunkturpaketes mehr passieren müssen. Der Zugang zum Internet sei ein Grundrecht geworden; man werde sonst vom öffentlichen Leben abgekoppelt. 'Wir arbeiten seit einem Jahr mit 17 Experten und Sachverständigen aus allen Bereichen am Thema.' Er werde als Sprecher der SPD dafür Sorge tragen, dass auch der Landkreis Osterholz im Fokus sei.

Stichwort Überschuldung: Der Landkreis Osterholz ist faktisch pleite. Das Konnexitätsprinzip, nach dem der für die Musik bezahle, der sie bestelle, sei in Niederschsen beschlossen, führte Klingbeil aus. Es sei die Aufgabe des Bundes, für die Gleichheit der Lebensverhältnisse zu sorgen. Dafür setze er sich ein. Es könne nicht angehen, dass in den Kommunen nur noch um die Frage diskutiert werde: "Wo kürzen wir was weg?" statt darüber zu diskutieren: "Wie können wir was gestalten?" Klingbeil Für mich ist Kommunalpolitik die Urquelle von Demokratie und Engagement.'

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