Hagener Delegation zu Gast in Polen / Gemeindepartnerschaft mit Pluznica besteht seit zehn Jahren Zu Besuch bei Freunden

Seit zehn Jahren besteht die Partnerschaft zwischen der Samtgemeinde Hagen und der polnischen Gemeinde Pluznica – Grund genug, um ein Fazit zu ziehen und gemeinsam zu feiern. Ein Besuch der Hagener in Polen machte es möglich.
21.07.2012, 05:00
Lesedauer: 7 Min
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Von Andrea Grotheer

Seit zehn Jahren besteht die Partnerschaft zwischen der Samtgemeinde Hagen und der polnischen Gemeinde Pluznica – Grund genug, um ein Fazit zu ziehen und gemeinsam zu feiern. Ein Besuch der Hagener in Polen machte es möglich.

Pluznica. Anneliese Nagels war vor zehn Jahren dabei, als die Partnerschaft zwischen der Samtgemeinde Hagen und der polnischen Gemeinde Pluznica aus der Taufe gehoben wurde. "Ausgangspunkt war eine Umweltaktion des Landes Niedersachsen", erinnert sich die frühere stellvertretende Samtgemeindebürgermeisterin. Sie gehört zu den Gründungsmitgliedern der Partnerschaft, die noch unter Samtgemeindebürgermeister Arno Skorniakow entstand. Gemeinsam mit einer Delegation von 29 Personen machte sie sich jetzt mit Samtgemeindebürgermeisterin Susanne Puvogel auf den Weg, um das zehnjährige Bestehen zu feiern.

Mit dabei waren politische Vertreter aus der Samtgemeinde Hagen ebenso wie Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehren, des Heimatvereins Uthlede, des Hagener Gewerbevereins und Jugendliche aus Hagen und Bramstedt.

Mit einer Konferenz begannen die Feierlichkeiten. Nach Umarmungen beim Wiedersehen gab es ein Resümee der zehnjährigen Partnerschaft, die jetzige Lage wurde beleuchtet und ein Blick auf künftige Initiativen geworfen. Susanne Puvogel stellte die Samtgemeinde Hagen detailliert vor und Marcin Skonieczka, Bürgermeister der Gemeinde Pluznica, meinte: "Das könnte für uns ein Zukunftsbild darstellen." Er stellte viele Ähnlichkeiten fest, wies aber auch auf Rückstände hin, die sich in der Historie des Landes begründen.

Die Gemeinde Pluznica hat rund 5000 Einwohner und besteht aus 20 Dörfern auf einer Fläche von rund 12 000 Hektar. Vier Binnenseen und viele Grünanlagen sind in dem nicht sehr dicht besiedelten, ländlichen Gebiet zu finden. Der Gemeinderat besteht aus 15 Mitgliedern, im Gemeindeamt gibt es etwa 40 Angestellte, der Bürgermeister wird für vier Jahre gewählt. Landwirtschaft und Unternehmertum sind in der Region ansässig: 318 Firmen finden sich in der Gemeinde, darunter drei größere Unternehmen - ein kunststoffverarbeitender Betrieb, ein Produzent von Möbeleinlagen und ein Hersteller von Sauerkraut, Gurken und Rohsalaten. Es gibt eine Grundschule und ein Gymnasium, die Möglichkeiten zur Kinderbetreuung werden zurzeit ausgebaut. Beachtlich ist das ehrenamtliche Engagement der Bürger, die im Seniorenverein, bei den Landfrauen, in Familienhilfegruppen oder in der Gesellschaft für die Entwicklung der Gemeinde Pluznica aktiv mitarbeiten. Es gibt Jugendaustauschprojekte mit Kanada, Litauen, Weißrussland und Georgien und auch die Freiwillige Feuerwehr spielt eine große Rolle im gesellschaftlichen Leben.

Eine emotionale Rede

Horst Riedel aus Wittstedt, der erstmals 1981 das damals noch kommunistische Land besuchte und dessen Familienwurzeln im heutigen Polen liegen, hielt eine emotionale Rede und lobte die Offenheit, Freundlichkeit und Gastfreundschaft der polnischen Gastgeber. "Ich hatte mir schon damals gewünscht, dass Polen frei wird", sagte er und meinte, ohne die deutsche Einheit hätte es keine Freiheit in Polen gegeben.

Seine Hoffnung, dass die gemeinsamen Aktivitäten nicht nachlassen würden, äußerte Organisator Mariusz Bartosik. Susanne Puvogel sieht positive Impulse in beiden Gemeinden und setzt ihren Schwerpunkt der Partnerschaft bei der Jugend. Sie könne sich vorstellen, die Partnerschaft mehr losgelöst von den Bürgermeistern und nicht immer auf der hochoffiziellen Schiene zu leben, unterstrich sie. Und Pluznicas Bürgermeister Marcin Skoniezka, der seit eineinhalb Jahren im Amt ist, wünschte sich, dass das Niveau der Partnerschaft gehalten werde und auch auf dem Gebiet der Wirtschaftskontakte "fruchtbar" sein könnte.

In Hagen wird bereits der Gegenbesuch im September geplant.

Ökologisches Projekt verbindet junge Leute

Polnischer Jugendgemeinderat stellt seine ersten Arbeiten vor / Hagener steigen mit in die Planung ein

Pluznica·Hagen. Die Jugendarbeit ist ein wichtiger Stützpfeiler der deutsch-polnischen Partnerschaft. Seit 2011 gibt es in Pluznica einen Jugendgemeinderat, der aktiv in die Gemeindearbeit mit einbezogen wird. "Du hast eine Stimme, du hast eine Wahl" – so lautet das Motto der Jugendlichen, deren Vorsitz Carolina Rola übernommen hat. Betreut wird die Gruppe von Jolanda Osinska, Lehrerin und ehrenamtliche Jugendpflegerin.

Als erstes Projekt hat der Jugendgemeinderat sich die Verbesserung der Infrastruktur am Strand von Ostrowo, gelegen an einem Binnensee in der Region, vorgenommen. Bei einer Meinungsumfrage wurden Bürgerstimmen eingefangen und die Wünsche der Allgemeinheit in einer Grafik zusammengefasst, die die Vorsitzende bei einer Informationsveranstaltung im Rathaus von Pluznica der Hagener Delegation vorstellte. Geplant sind am Ufer des Sees unter anderem ein Zeltplatz, Bänke und Toiletten sowie ein Fest für die Einwohner. "Wenn alles fertig ist, spenden wir ein Volleyballnetz und einen Ball", versprach Samtgemeindebürgermeisterin Susanne Puvogel.

Gemeinsam will man nun ein ökologisches Jugend-Projekt ins Leben rufen, dass sich mit der Renaturierung von kleinen Binnengewässern beschäftigen soll. "Die Idee ist, dass die Jugendlichen sich gegenseitig besuchen und bei der Arbeit unterstützen", erklärt Petra Wulff-Haun von der Hagener Jugendpflege, die die Delegation zum ersten Mal begleitete, das grenzübergreifende Projekt.

Bis zum Gegenbesuch der Polen in Deutschland im September wollen beide Gemeinden Konzepte erarbeiten. In Hagen soll die Aue in der Nähe des ehemaligen Hallenbades von der Aktion profitieren, die Arbeiten am Strand von Ostrowo könnten ebenfalls mit in das Projekt integriert werden. Zu dem während des Besuches geschmiedeten Plans gehört auch die Entwicklung einer Internetseite, über die die jungen Projektteilnehmer kommunizieren können. "Wir müssen uns noch überlegen, welche Naturschutzorganisationen wir mit ins Boot holen und die Finanzierung sichern", so Petra Wulff-Haun. Begleitet wurde die Hagener Delegation von Marina (16) und Kristina Kühn (14) aus Hagen und Ujvare (14) und Illiriana Rexhaj (16) aus Bramstedt, die mit vielen neuen Eindrücken zurückkehrten. "Ich habe das Land und seine Kultur besser kennengelernt, viel Gastfreundlichkeit erlebt und gelernt, dass Englisch als Fremdsprache hilfreich sein kann", resümierte die 14-Jährige Kristina am Ende der Reise.

Ein Land im Aufbruch

Samtgemeinde-Delegation in Polen

Hagen·Pluznica. Vor mehr als 30 Jahren besuchten Gisela und Horst Riedel aus Wittstedt erstmals Polen und waren seitdem häufig zu Gast in unserem Nachbarland, so dass für sie wirklich Aufregendes und Neues dort eher selten zu finden ist. "Wir vertiefen hier alte Eindrücke", sagt Horst Riedel, der die Landessprache fließend spricht. Durch die Einführung des Kapitalismus sei ein gewisser Egoismus entstanden, sagt er; auch die Langsamkeit sei dem Land mittlerweile abhandengekommen. Früher habe es beispielsweise viele Menschen ohne Fernseher gegeben, man habe nicht so hektisch, sondern eher verzögert gelebt, so der Wittstedter.

Sven Finke von der Freiwilligen Feuerwehr Lehnstedt war zum ersten Mal in Polen, kannte aber bereits die Feuerwehrkameraden von einem Gegenbesuch in Deutschland. "Ein sehr großer Eindruck ist der kulinarische", lobt er die deftige polnische Küche. Er habe ein ganz anderes Weltbild von Polen gehabt, sagt er. "Ich habe viel erfahren und gehört und konnte mir selber ein Bild machen", fasst er seine durchweg positiven Reiseeindrücke zusammen.

Matthias Brümmer (SPD) ist Mitglied im Hagener Gemeinderat und war bereits im vergangenen Jahr Mitglied der Delegation. "Diese zweite Reise ist für mich eine Bestätigung eines im letzten Jahr positiv veränderten Weltbildes über das Land Polen", sagt er und stellt die absolute Gastfreundlichkeit und Herzlichkeit der Gastgeber in den Vordergrund. Das Land sei total im Aufbruch und in den Bereichen Umgang mit Vereinen und Investorensuche in der freien Wirtschaft können man auch hierzulande noch eine Menge von den Polen lernen. "Mir wäre es lieb, wenn für die Auszubildenden der Samtgemeinde Hagen in irgendeiner Form der ,Pflichtaustausch’ Bestandteil der Ausbildung wäre", schlägt er vor und bedauert, dass die Beteiligung der örtlichen Politik der Samtgemeinde Hagen an der vergangenen Reise nicht größer war.

Direkter Kontakt ändert den Blick

Stiftung fördert Partnerschaft

Hagen. Unterstützt und gefördert wurde das Projekt "10 Jahre Zusammenarbeit der Gemeinde Pluznica und der Samtgemeinde Hagen" durch die 1991 gegründete Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit mit Sitz in Warschau. Franziska Litwinski studiert Interkulturelle Kommunikation in Chemnitz und absolviert zurzeit ein viermonatiges Praktikum bei der Einrichtung. Sie begleitete die Gruppe in Polen und half mit ihren polnischen Sprachkenntnissen.

Es sei wichtig, dass sich die Menschen außerhalb des politischen Geschehens kennenlernten, meinte sie und sah sich am Ende des Besuches in ihrer Einschätzung bestätigt: "Der direkte Kontakt der Menschen verändert den Blick", sagte die 26-Jährige und war dankbar für die Begegnung und Gespräche in Pluznica.

Die Stiftung finanziert Projekte, die gemeinsam von polnischen und deutschen Partnern realisiert werden.

Informationen über die Stiftung gibt es im Internet unter www.fwpn.org

Ausflug ins Mittelalter

Thorn·Golub-Dobrzyn (ang). Der Besuch von Thorn, laut Reiseführer eine der schönsten Städte Polens und seit 1997 UNESCO-Weltkulturerbe, stand ebenfalls auf dem umfangreichen Programm der Hagener Delegation. Ursprünglich 1233 von Ordensrittern gegründet, sind in Thorn (polnisch Thorun) über 250 gotische Häuser zu sehen, die auf die wirtschaftliche Blütezeit im Mittellalter zurückgehen. Die Hafen- und Hansestand an der Weichsel profitierte von ihrer vorteilhaften Lage am Fluss und entwickelte sich zu einem der wichtigsten damaligen Handelszentren. Der wohl berühmteste Sohn der Stadt ist der Astronom Nikolaus Kopernikus, der 1473 in Thorn geboren wurde und 18 Jahre dort lebte. Sein Geburtshaus ist heute ein Museum. Nicht weit entfernt von Thorn liegt das Städtchen Golub-Dobrzyn. Hier besuchte die Gruppe die Ordensburg, das im 13. Jahrhundert von Kreuzrittern erbaute Wahrzeichen der Stadt, und erlebte ein Ritterturnier.

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