DLRG in Lilienthal Zwischen Sandsäcken und Suppentöpfen

Hochwasser oder Kreislaufkollaps - bei der Lilienthaler DLRG-Ortsgruppe sind sie auf beides vorbereitet. Katastrophenschutz und Sanitätsdienst gehören seit rund 15 Jahren zum Angebot.
11.08.2017, 17:23
Lesedauer: 3 Min
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Von Ulrike Schumacher

Lilienthal. Hochwasser! Kaum ein Jahr, in dem nicht davon die Rede ist, dass Flüsse über die Ufer getreten sind. Voll gelaufene Keller sind dabei häufig nur das kleinere Übel. Schlimmer trifft es die, die sich auch in ihren Wohnräumen vor Wasser- und Schlammmassen nicht retten können. Oder denen schließlich nur die Flucht aufs Dach bleibt.

Helfen! Das ist das Leitmotiv, wenn die Männer und Frauen des Katastrophenschutzes der Lilienthaler DLRG (Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft) in solchen Situationen gerufen werden. Mit dem Elbe-Hochwasser im Jahr 2002 fing es an, erzählt Sören Lachmund. Der Technische Leiter des Einsatzes beim Katastrophenschutz und im Sanitätsdienst war damals zwar noch nicht dabei, hat aber in den sieben Jahren, die er inzwischen bei der Lilienthaler Ortsgruppe der DLRG aktiv ist, auch schon eine Menge Erfahrung gesammelt. Im Wasser und bei Hochwasser.

Als bei der Elbe-Flut im Sommer 2002 jede helfende Hand gebraucht wurde, hieß es auch bei den Lilienthaler Lebensrettern „Wir wollen was tun.“ Damals seien die Lilienthaler dem Wasserrettungszug Cuxhaven-Osterholz angeschlossen worden, und dann ging's gemeinsam zum Sandsäcke packen. Das war der Beginn für den Aufbau einer eigenen Katastrophenschutzgruppe. Ihr Einsatzfeld ist groß.

Die Katastrophenschützer bergen auch Treibgut, evakuieren Personen oder bauen Notunterkünfte. Wie im Jahr 2015, als die Lilienthaler angefordert wurden, um in Lüneburg Zelte für Flüchtlinge aufzustellen. „Wir haben sie mit Feldbetten ausgestattet, und wir haben auch Turnhallen für die Unterbringung eingerichtet“, erzählt Sören Lachmund. „Wir können bundesweit eingesetzt werden.“

Wenn sie gerufen werden, was etwa einmal im Jahr geschehe, müssen sie „alles stehen und liegen lassen“. Für die DLRG-Mitglieder aus dem Katastrophenschutz hat ein Einsatz Vorrang vor beruflichen Pflichten. Im niedersächsischen Katastrophenschutzgesetz sei geregelt, dass ihre Arbeitgeber sie freistellen müssen, erläutert der Technische Leiter. Manchmal ist so ein Einsatz auch für die Helfer nicht ungefährlich. Sören Lachmund blickt vier Jahre zurück: 2013, wieder ein Elbe-Hochwasser. Die Stadt Bleckede hatte um Hilfe gerufen. „Das Schadensgebiet war für uns wie ein kleiner Hexenkessel.“ Die DLRG-ler hatten ihren Einsatz zwischen zwei Deichen. „Einer war bereits gebrochen, der zweite war zunächst noch stabil“, erinnert er sich. „Aber in der Nacht stellte sich heraus, dass er brechen wird.“ In Windeseile mussten sie alles zusammenpacken und das Gelände verlassen. „Alles einrödeln“, sagt Lachmund, was den Druck angesichts der drohenden Gefahr anschaulich beschreibt.

Unterstützung in Notlagen bietet der DLRG-Katastrophenschutz aber auch auf andere Weise. „Seit 2015 sind wir mit unserer Küche im Einsatz und versorgen die Einsatzkräfte“, berichtet Sören Lachmund und schiebt ein Motto hinterher: „Ohne Mampf kein Kampf.“ Unabhängig von Strom oder Gas kann die DLRG mit ihrer mobilen Küche bis zu 80 Leute mit Essen und Heißgetränken verköstigen.

Die Katastrophenschutzgruppe würde gern weitere Aktive aufnehmen. Wer Interesse habe, sollte mindestens 16 Jahre alt und psychisch und körperlich belastbar sein, nennt der Technische Leiter die Voraussetzungen. Es werden Schulungen angeboten, später auch Weiterbildungen. Interessierte können sich per E-Mail an soeren.lachmund@lilienthal.dlrg.de melden oder einfach am ersten Sonntag im Monat ab 11 Uhr in den Vereinsräumen in der Hauptstraße 67 (Eingang Zinckestraße) vorbeischauen.

Viele der Lilienthaler Katastrophenschützer engagieren sich außerdem im Sanitätsdienst der DLRG. Insgesamt sind es 18 Aktive in beiden Gruppen, darunter fünf Frauen. In der Katastrophenschutzgruppe sind 13 Leute aktiv, im Sanitätsdienst 17. Beide Gruppen entstanden kurz hintereinander. Die Sanitäter, die ebenfalls von Sören Lachmund geleitet werden, begleiten größere Veranstaltungen oder Sportereignisse und sind während der Theatersaison auf der Lilienthaler Freilichtbühne im Dienst. Dann leisten sie, wenn nötig, Erste Hilfe, versorgen Wunden, legen Verbände an oder schienen Brüche. Auch hier bereiten Lehrgänge auf den Einsatz im Sanitätsdienst vor, erklärt Sören Lachmund. Und regelmäßige Ernstfallübungen gehörten ebenfalls zum Training.

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