Gemeinde Stuhr stellt Fathma Atenhahn und Hussein Moubarak für Flüchtlingsarbeit ein 2015 ehrenamtlich, 2016 hauptamtlich

Stuhr. Ehrenamtlich sind sie bereits zwei Gesichter der Flüchtlingsarbeit, jetzt sind sie es auch hauptamtlich. Die Gemeinde Stuhr hat Fathma Atenhahn und Hussein Moubarak für die Flüchtlingsarbeit eingestellt.
07.01.2016, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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2015 ehrenamtlich, 2016 hauptamtlich
Von Christoph Starke

Ehrenamtlich sind sie bereits zwei Gesichter der Flüchtlingsarbeit, jetzt sind sie es auch hauptamtlich. Die Gemeinde Stuhr hat Fathma Atenhahn und Hussein Moubarak für die Flüchtlingsarbeit eingestellt. Sie arbeiten im Sozialen Service.

Stuhrs Bürgermeister Niels Thomsen gerät ein bisschen ins Grübeln, wenn er die Stelle von Fathma Atenhahn charakterisieren soll. „Es gibt eigentlich keine passende Beschreibung“, räumt der Rathauschef ein. Vernetzung oder Koordination der Flüchtlingsarbeit treffe es seiner Meinung nach am besten.

Mit dem Begriff Koordination kann sich die 49-Jährige anfreunden. Schnittstelle wolle sie sein zwischen Asylbewerbern, Ehrenamtlichen und Bürgern. Die Flüchtlingsarbeit der Gemeinde bezeichnet sie als ein „Uhrwerk, in dem jeder seinen Platz finden muss“. Synergien sollen genutzt, Ressourcen gebündelt, Strukturen geschaffen werden.

Aus den eigenen Reihen

„Es geht um Flüchtlinge“, hält Fathma Atenhahn fest. Aber nicht nur. Sie will neue Wege des Miteinanders auskundschaften, aufzeigen, wo Menschen in Stuhr zusammenkommen – und hat dabei nicht nur die bevölkerungsstarken Ortsteile im Blick: „Stuhr besteht nicht nur aus Brinkum.“ Dort hat sie übrigens vorher gearbeitet, auch schon im Dienste der Gemeinde, nämlich als heilpädagogische Fachkraft in der Kindertagesstätte Marsstraße. So handelt es sich im Grunde nicht um eine Neueinstellung, sondern eher um eine Versetzung. Die Mutter zweier Kinder lebt selbst aber nicht in Stuhr, sondern in Weyhe, genauer: in Melchiorshausen.

Als Ehrenamtliche hat sie sich in der Flüchtlingsarbeit bereits einen Namen gemacht. Sie hat diverse Workshops ins Leben gerufen, aus einem ist im vergangenen Jahr der Interkulturelle Chor hervorgegangen.

Als kleines Kind floh Hussein Moubarak aus dem Libanon. In Stuhr lebt er nun seit 27 Jahren. Seine neue Berufsbezeichnung im Rathaus lautet Sprachmittler. „Ich spreche Arabisch, darüber hinaus aufgrund meines Aufenthalts in Brasilien auch Portugiesisch und Spanisch sowie Englisch“, erzählt der 31-Jährige und fügt ironisch hinzu: „Und ein wenig Deutsch.“

Er soll die Rathausmitarbeiter unterstützen, wenn die es mit arabisch-sprachigen Neuankömmlingen zu tun haben. Auch zwischen Ehrenamtlichen, Verwaltung und Flüchtlingen soll er eine Mittlerrolle übernehmen. „Er hat einen guten Zugang zu jungen Menschen“, erinnert sich Thomsen an das vergangene Jahr. „Er hat uns bereits an vielen Stellen geholfen.“ Denn auch Hussein Moubarak war bereits ehrenamtlich aktiv. „Ich bin Mitbegründer des Flüchtlingsnetz Stuhr“, erzählt er.

Bevor sich Moubarak in seiner Heimatgemeinde engagierte, war er in Bremen in Sachen Flüchtlingsarbeit ehrenamtlich tätig. Ursprünglich komme er aber aus dem kaufmännischen Bereich, wie der 31-Jährige erzählt.

Beide neuen Kräfte im Stuhrer Rathaus sehen ihre künftige Aufgabe als Fortführung ihrer bisherigen ehrenamtlichen Arbeit. Das sei auch ein ausschlaggebender Grund gewesen, warum die Gemeinde die beiden auserkoren habe, wie Niels Thomsen wissen lässt. Fathma Atenhahn ist in Vollzeit beschäftigt und aufgrund ihrer vorherigen Tätigkeit unbefristet angestellt. Offiziell tritt sie ihre neue Stelle am 15. Januar an. Hussein Moubarak zählt seit Anfang Januar zum Sozialen Service. Er arbeitet Teilzeit, seine Stelle ist auf zwei Jahre befristet.

Die beiden Stellen seien geschaffen worden, um die Herausforderung Flüchtlingsarbeit anzunehmen, erzählt Thomsen und wandelt den mittlerweile berühmten Satz von Bundeskanzlerin Angela Merkel ab: „Wie schaffen wir das kommunal?“ Nachdem es der Verwaltung bisher hauptsächlich darum gegangen sei, die Flüchtlinge unterzubringen, gehe es nun um den nächsten Schritt: die Integration.

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