Kinderarzt Dr. Hans-Werner Callsen geht in den Ruhestand / Nachfolger wird Dr. Soumya Phillip Datta 31 Jahre lang kleine Hände geschüttelt

Stuhr-Brinkum. Wenn Dr. Hans-Werner Callsen seinen Besuchern die Hände schüttelte, dann hatte er es oft mit sehr kleinen Händen zu tun. Kein Wunder, ist er doch Kinderarzt. Oder besser gesagt: Er war es. 31 Jahre lang hatte Callsen seine Praxis an der Bahnhofstraße in Brinkum. Nun geht er in den Ruhestand. Doch die Besucher mit den kleinen Händen können weiterhin in die Praxis kommen, denn die Nachfolge von Callsen tritt zum 1. September Dr. Soumya Phillip Datta an - und der schüttelt auch gerne kleine Hände.
31.08.2011, 05:00
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
31 Jahre lang kleine Hände geschüttelt
Von Markus Tönnishoff

Stuhr-Brinkum. Wenn Dr. Hans-Werner Callsen seinen Besuchern die Hände schüttelte, dann hatte er es oft mit sehr kleinen Händen zu tun. Kein Wunder, ist er doch Kinderarzt. Oder besser gesagt: Er war es. 31 Jahre lang hatte Callsen seine Praxis an der Bahnhofstraße in Brinkum. Nun geht er in den Ruhestand. Doch die Besucher mit den kleinen Händen können weiterhin in die Praxis kommen, denn die Nachfolge von Callsen tritt zum 1. September Dr. Soumya Phillip Datta an - und der schüttelt auch gerne kleine Hände.

Mit Kindern ist das so eine Sache, denn oft können sie sich nicht so gut ausdrücken wie Erwachsene - oder sie wollen einfach nicht reden. Da ist Einfühlungsvermögen gefragt. "Ich muss fühlen, wie schlecht oder gut es dem Kind geht", beschreibt Callsen sein Vorgehen in solchen Fällen. Warum ist ein kleiner Patient so ruhig? Warum lächelt er nicht? Wichtig sei es, solche Signale zu deuten. Und dann gibt es natürlich noch die Kinder, die auf komplette Abwehr schalten. "Das ist dann schwer, und es ist eine unterschwellige Anstrengung für den Arzt", sagt der Mediziner. Wichtig sei es auf jeden Fall, keine Gewalt anzuwenden - denn dann würde das Kind auch in Zukunft ein Abwehrverhalten zeigen.

Allergien haben zugenommen

In den 31 Jahren, in denen sich Callsen um seine kleinen Patienten kümmerte, hat sich einiges verändert - zum Beispiel die Krankheiten. "Weil es Impfungen gibt, gibt es heutzutage deutlich weniger Kinderkrankheiten. Masern, Mumps und Röteln sieht man kaum noch." Doch dafür kommen die Kleinen oft mit anderen Beschwerden in die Praxis: Allergien und Asthma seien häufiger geworden. "Allergien gegen Hausstaubmilben, Pollen und Tierhaare sind öfter zu finden als früher." Auch kämen heutzutage häufiger Kinder in die Praxis, die Schwierigkeiten hätten, sich zu konzentrieren. Überdies seien auch übergewichtige junge Patienten in heutigen Zeiten öfter zu Gast in der Praxis als früher. "Oft sind es falsche Ernährung und zu wenig Bewegung", stellt Callsen fest. "Das ist schwierig zu beeinflussen."

Zum Thema Übergewicht bei Kindern richtet er eine Spitze gegen die Werbung. "Werbung für Süßigkeiten, die oft auch gezielt Kinder anspricht, ist genau so schlimm wie Werbung für Bier." Rund ein Drittel der Tätigkeit eines Kinderarztes würde auf Präventionsarbeit entfallen - Vorsorgeuntersuchungen, aber auch Impfungen. "Alleine im ersten Lebensjahr stehen sieben Impfungen an", erklärt er. Und bei so einer Impfung kann es auch schon mal lebhafter zu Sache gehen: Einmal beschäftigte sich Callsen damit, einem kleinen Patienten eine Impfung zu verpassen, doch da hatte er die Rechnung ohne den größeren Bruder des Kleinen gemacht. "Er wollte den Kleinen beschützen und ging auf mich los", erinnert sich Callsen und lacht. Von Verletzungen blieb er aber verschont.

Nun will Callsen seinen Ruhestand genießen. Die Vogelbeobachtung- und fotografie sollen einen größeren Raum im Leben von ihm und seiner Frau einnehmen. "In Vogelschutzgebieten kann man viel Zeit verbringen." Vermissen wird er die vielen Kontakte zu Kindern und Eltern. "Notfalls werde ich in der Praxis einspringen." Dort wird nun zukünftig Datta das Steuer in der Hand halten. Der 34-jährige gebürtige Bremer war in den vergangenen drei Monaten als Oberarzt in einer Kinderklinik im ostfriesischen Leer tätig. Von 2008 bis Ende 2010 kümmerte er sich in der Bremer Prof.-Hess-Kinderklinik um kleine Patienten. Unterstützt wird Datta von Kathrin Heilenkötter. Die 44-Jährige ist schon seit Juni 2009 in der Praxis beschäftigt und kehrt nun zum 1. September aus der Elternzeit zurück. Im kommenden Jahr planen die beiden einen Umzug der Praxis. "Wir werden aber auf jeden Fall in Brinkum bleiben", versprechen sie.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+