Erlebnis bewegt Jürgen Klatte zum Eintritt in die Freiwillige Feuerwehr / Mit 58 Jahren ist er jetzt aktives Mitglied in Melchiorshausen Als sein Haus brennt, springt der Funke über

„Wie umsichtig vorgegangen wurde, hat mich beeindruckt.“ Jürgen Klatte Weyhe-Melchiorshausen.
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Als sein Haus brennt, springt der Funke über
Von Sebastian Kelm

Jenen Freitagnachmittag vor genau zwölf Jahren, den 19. Dezember 2003, wird Jürgen Klatte nie vergessen. „Meine Frau rief mich bei der Arbeit an und meinte, ich soll sofort nach Hause kommen, es brennt“, erinnert er sich. Er habe das dann auch getan, glaubte aber, bei ihm in Lahausen würde wahrscheinlich irgendwas ein bisschen kokeln. Aber er sah sich getäuscht: „Als ich vorfuhr, hätte ich am liebsten Gas gegeben und so getan, als wäre das nicht mein Haus. Es qualmte schon aus allen Ritzen.“

Mittlerweile kann Jürgen Klatte sogar lachen, wenn er von diesem Erlebnis erzählt. Das veranlasste ihn letztlich auch dazu, sich der Feuerwehr anzuschließen: Mit 58 Jahren wurde er kürzlich in den aktiven Dienst befördert. Er wollte sich auch bei Einsätzen einbringen, der Gesellschaft etwas zurückgeben – und lernen, wie man richtig löscht. Denn durch das schnelle Eingreifen der Brandbekämpfer konnten die Schäden am Gebäude damals einigermaßen in Grenzen gehalten werden. „Wie umsichtig vorgegangen wurde, hat mich beeindruckt“, sagt er. Als richtig habe sich erwiesen, so stellte es ihm jedenfalls später in einem Gespräch der frühere Gemeindebrandmeister Günther Knief dar, ein sogenanntes Hohlstrahlrohr zu verwenden. Inzwischen kennt er auch die unter Blauröcken verbreitete Maxime dazu: „Mit wenig Wasser viel erreichen.“

Klattes Faszination für die Arbeit der Feuerwehr war endgültig geweckt. „Interessiert habe ich mich dafür schon immer. Als ich bei der Bundeswehr in Ahlhorn war, gab es auch erste Berührungspunkte“, erzählt er. Und dann seine Neugier: „Ich habe Freunde bei der Feuerwehr öfter gefragt, wo es gerade brennt. Die meinten aber, wenn ich das genau wissen will, soll ich eintreten.“

Aber warum hat er so lange damit gewartet? Jürgen Klatte erklärt sein Zögern so: Als er in Barrien-Bülten aufwuchs, habe es dort niemanden gegeben, „der mich mitgerissen hat“. Er nahm also nicht den klassischen Feuerwehr-Werdegang über die Kinder- und Jugendgruppen und muss nun festhalten: „Irgendwann hatte ich den Einstieg einfach verpasst.“ Dazu habe auch seine Familiäre Situation als sechsfacher Vater beigetragen. Um sich ehrenamtlich zu melden, fehlte einfach die Zeit. Als er davon endlich mehr hatte, zierte er sich weiter. „Ich dachte mir: Wenn du da als alter Knochen aufkreuzt, lachen die sich doch tot.“ Die Eindrücke vom Brand im einstigen Zuhause noch im Kopf, gab er sich aber irgendwann einen Ruck. „Und als ich zur Feuerwehr ging, hat keiner blöde Witze gemacht. Alle waren froh, mich dabei zu haben.“

Bei der sogenannten Truppmannausbildung hob sich der Endfünfziger aber natürlich deutlich ab von den Jungspunden, die mit ihm die Grundlagen der Brandbekämpfung erlernten. „Da war ich schon der Dorfälteste“, gibt er schmunzelnd zu Protokoll. Beim Digitalfunklehrgang habe es aber immerhin einige Teilnehmer aus seinem Jahrgang gegeben.

Auch dank Quereinsteigern wie Jürgen Klatte, vor allem aber durch den eigenen Nachwuchs, gelingt es der Freiwilligen Feuerwehr Weyhe, ihre Mitgliederzahlen nicht nur zu halten, sondern sogar auszubauen. Der älteste der jüngsten Neuzugänge weiß aber, dass es andernorts schlechter aussieht. „Ich mache mir da so meine Gedanken“, sagt er. Seine Idee: Die Wehren könnten – zum Beispiel als Gegenleistung für eine gewisse Verpflichtung für Einsätze – mit Lastwagen-Führerscheinen locken. So könne man es attraktiver machen, sich ihnen anzuschließen. Die Wehren würden sogar doppelt profitieren, meint er: „Ich besitze noch die alte Klasse drei, damit darf ich einen 7,5-Tonner fahren. Den braucht man auch für viele Feuerwehrfahrzeuge, aber den hat von den Jüngeren kaum noch einer. Bald könnte es schwierig werden, Fahrer zu finden.“

Ihm bleibt als potenzieller Mann am Steuer auch nicht mehr lang. Schließlich wird Klatte in fünf Jahren 63 – die Marke, die gleichbedeutend ist mit der Alterskameradschaft. Das findet der Späteinsteiger sehr bedauerlich: „Da sind einige noch richtig fit, können locker noch helfen, wenn auch vielleicht nicht mehr direkt am Brandherd.“ Er hätte nichts dagegen, noch ein bisschen „Verlängerung“ zu bekommen. „Arbeiten sollen wir doch jetzt alle bis mindestens 67 oder 70, dann wird das doch auch gehen“, beklagt er.

Apropos Arbeit: Als Kleinspediteur muss Klatte meist früh morgens aus dem Bett. Nachts mit auszurücken, ist für ihn dennoch kein Problem: „Die Leute wissen, dass ich nach Möglichkeit vor Mitternacht weg muss. Aber zur Not mache ich halt durch.“

Eindruck hinterlassen hat bei Jürgen Klatte auch der Großbrand auf dem Recyclinghof in Brinkum Ende Mai dieses Jahres. Aber selbstverständlich nicht solchen wie das Feuer bei ihm daheim – heute auf den Tag vor zwölf Jahren.

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