Marc Dannemann aus Sudweyhe hat ein Faible für Oldtimer - und teilt es sogar Alte Liebe rostet nie

Weyhe-Sudweyhe. Das hier ist eine echte Liebesgeschichte. Eine doppelte sogar. Denn das Herz von Marc Dannemann aus Sudweyhe schlägt - klar, für seine Ehefrau Maren. Aber auch für klassische Automobile. Und ohne das eine hätte es das andere vielleicht gar nicht gegeben. Doch das ist reine Spekulation. Fakt ist: Heute leitet der 41-Jährige einen Autoverleih. Dort kann man sich einen alten Jaguar für seine Hochzeit leihen. Oder an einer (geführten) Oldtimer-Rallye in einem Triumph teilnehmen. Doch bis dahin war es ein langes Stück Weg.
26.07.2011, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von NILS HARTUNG

Weyhe-Sudweyhe. Das hier ist eine echte Liebesgeschichte. Eine doppelte sogar. Denn das Herz von Marc Dannemann aus Sudweyhe schlägt - klar, für seine Ehefrau Maren. Aber auch für klassische Automobile. Und ohne das eine hätte es das andere vielleicht gar nicht gegeben. Doch das ist reine Spekulation. Fakt ist: Heute leitet der 41-Jährige einen Autoverleih. Dort kann man sich einen alten Jaguar für seine Hochzeit leihen. Oder an einer (geführten) Oldtimer-Rallye in einem Triumph teilnehmen. Doch bis dahin war es ein langes Stück Weg.

Es war tief in den 1980er-Jahren. Helmut Kohl ging in das vierte Jahr als Kanzler, die Neue Deutsche Welle war gerade vorbei und im Fernsehen gab es seit Kurzem auch private Sender. Und in Sudweyhe gab es Zuwachs in der Nachbarschaft. Eine Familie aus Arsten war neu in die Gemeinde Weyhe gezogen - genau in die Straße, in der auch die Familie Dannemann wohnte. Der Nachbar fuhr allerdings keinen schnöden Ford Scorpio oder VW Passat, sondern ein ganz ungewöhnliches Auto. Einen Triumph Spitfire. "Eines Tages fragte er mich, ob ich mit zum Jugoslawen nach Bremen fahren möchte, um Essen zu holen", erinnert sich Dannemann. Die Fahrt dauerte vielleicht 20 Minuten - und um den damals 16-jährigen Marc war es geschehen. "So einen Wagen musste ich auch haben", erzählt er. Für 4000 Deutsche Mark erstand er sein Modell, nachdem er seinen Führerschein bestanden hatte.

Und: Er blieb treu. Im Jahr 1993 kaufte er sein erstes Restaurierungsobjekt, wie er es nennt. Einen Triumph Modell TR 3 A von 1958. Der Zustand des Wagens war katastrophal. Und das ist noch beschönigt. "Aber es waren alle Teile dabei. Und die alten englischen Autos sind eigentlich so konstruiert, dass man die Karosserie einfach auf das Chassis aufbauen kann", sagt er. Klingt ein bisschen nach Fachchinesisch - und das ist es auch. Denn Dannemann schraubt nicht nur in seiner Freizeit ein bisschen an Autos herum, er hat das gelernt. Feinblechner, um genau zu sein; anschließend folgte ein Studium von Karosserie- und Fahrzeugbautechnik in Hamburg.

Der Triumph war nach zwei Jahren fertig. Zwei Jahre, in denen Dannemann eins gelernt hat. "Eine Restaurierung dauert immer doppelt so lange und ist doppelt so teuer wie geplant." Aber es hatte sich gelohnt. Zum ersten Date mit Maren holte Marc sie mit seinem Triumph ab. "Wir wollten an die Küste fahren, er hatte vorher nie etwas angedeutet", erinnert sich Maren Dannemann schmunzelnd. Sie kam aus dem Haus, suchte Marc und sein Auto - und entdeckte den Triumph. Ein Volltreffer. "Aber nicht nur deswegen", versichert sie.

"Wo gibt es klassische Autos?"

Die Idee mit dem Verleih kam den beiden dann gemeinsam. Und zwar, als sie sich selbst auf die Suche nach einem Gefährt für ihre Hochzeit machten. "Da waren wir auf einigen Messen und haben auch viele Kundengespräche mitgehört", erzählt Marc Dannemann. Eine der am häufigsten Fragen, die gestellt wurden, war: "Wo gibt es denn klassische Autos zu mieten?" Maren und Marc, dessen Fuhrpark sich mittlerweile um einen Jaguar MK VII M (1955) erweitert hatte, zählten eins und eins zusammen und legten los. Zuerst musste neben der Hochzeitslimousine eine sogenannte Fachkundeprüfung her, 17 Abende hockte der Sudweyher in einem Bremer Taxi-Unternehmen, um sich fortzubilden. Nach bestandener Prüfung inklusive Sehtest und Gesundheitscheck waren die Dannemanns zu Beginn des Jahres 2009 startklar. Fehlten nur noch die Kunden.

Die erste berufliche Fahrt mit dem Hochzeitsauto folgte dann kurze Zeit später. "Das war in Bassum an der Freudenburg. Ich war sehr aufgeregt", gesteht Marc Dannemann. Dabei war die Tour gar nicht lang, etwa drei bis vier Kilometer. Der Anfang war gemacht. Bis heute hat Marc Dannemann etwa 80 Paare zur Trauung gefahren. "Bis zum Ende der Saison werden es wohl 90 sein", vermutet er. 80 Euro kostet der Spaß pro Stunde, dazu 120 Euro sogenannte Einsatzpauschale. "Denn der Wagen muss schließlich auch blitzen, wir müssen zum Floristen und so weiter", erklärt Maren Dannemann. Für das Geld bekommt man dann ein Gefühl "wie bei Oma auf dem Sofa". So beschreibt sie den Eindruck auf den Ledersitzen der Jaguar-Rückbank. Dazu ist der Komfort natürlich groß, die Beinfreiheit traumhaft. Sehr wichtig bei Hochzeiten, "gerade bei Damen mit Reifröcken", weiß Marc Dannemann. Und: "Die Leute gucken." Das ist vielen wichtig am schönsten Tag des Lebens.

Mit den Hochzeiten ist es aber nicht getan, die Dannemanns haben ausgeweitet. Heute verfügen sie über insgesamt sechs Oldtimer. Damit bietet Marc Dannemann geführte Touren an. Die Fahrer wechseln sich ab, damit jeder Teilnehmer auch jedes Auto kennenlernt. Voraussetzung: Ein Mindestalter von 25 Jahren sowie sechs Jahre im Besitz eines Führerscheins. Und das Beste: Die Teilnehmer dürfen selbst ans Steuer. "Nach einer Einweisung, die etwa 15 Minuten dauert", betont Dannemann. Die Touren gehen zum Beispiel nach Rothenburg, Verden oder durch die Wildeshauser Geest.

Den heutigen Auto-Modellen kann er nicht viel abgewinnen. "Die sehen doch alle gleich aus", findet der 41-Jährige. Privat fährt er einen VW Golf, reines Mittel zum Zweck. Doch wenn er hinter das Lenkrad seines knallroten Jaguar E-Type rutscht, dann wird aus Mittel zum Zweck wieder echte Liebe. Der Motor röhrt, das Radio aus den 1960er-Jahren dudelt im alten Mono-Klang - und Marc Dannemann ist immer noch fasziniert. Wie damals, als 16-Jähriger im Spitfire des Nachbarn.

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