In Erichshof gibt es die erste und einzige Kita mit integrativer Krippengruppe der Gemeinde Weyhe Angebot dankbar angenommen

Vorbehalte und Ressentiments gegenüber Menschen, die anders sind, sucht man in der „Katzengruppe“ der Kita Hombachstraße vergebens. Dort akzeptieren sich alle Kinder, so wie sie sind. Dabei sind sie zum Teil sehr unterschiedlich – in der ersten integrativen Krippengruppe werden Kinder mit und ohne Behinderung betreut.
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Angebot dankbar angenommen
Von Annika Lütje

Vorbehalte und Ressentiments gegenüber Menschen, die anders sind, sucht man in der „Katzengruppe“ der Kita Hombachstraße vergebens. Dort akzeptieren sich alle Kinder, so wie sie sind. Dabei sind sie zum Teil sehr unterschiedlich – in der ersten integrativen Krippengruppe werden Kinder mit und ohne Behinderung betreut.

Wenn das eigene Kind kurz davor steht, die Krippe zu besuchen, sind wahrscheinlich alle Eltern etwas aufgeregt und unsicher. Aber die Eltern von Jonas waren wohl noch etwas aufgeregter als die anderen, als sie ihren Knirps zum ersten Mal in die Krippe brachten. Denn Jonas besucht nicht irgendeine Krippe, sondern die in der Kindertagesstätte Hombachstraße in Erichshof. Seit September dieses Jahres ist sie die erste und einzige Kita mit einer integrativen Krippengruppe, in der Kinder mit und ohne Behinderung gemeinsam betreut werden.

Wenn man die „Katzengruppe“ besucht, zeigt sich, dass die Sorgen und Ängste der Eltern hinfällig waren – und zwar die aller Eltern. Von den neun Kindern in der Gruppe haben zwei Behinderungen. Bei Jonas sind der Kopf und eine Ohrmuschel deformiert, sodass er hörgeschädigt ist und einen Helm tragen muss, der die Form des Kopfes reguliert. Und ein Mädchen in der Gruppe hat frühkindliche Epilepsie.

„Da haben sich die Eltern schon gesorgt, ob die anderen Kinder Rücksicht nehmen und ob ihrer Tochter das Kita-Leben nicht zu viel werden könnte“, erzählt die Leiterin Friederike Hoehne-Stelzenmüller. „Aber das Gegenteil ist der Fall – sie zeigt, dass sie den Trubel um sich herum und den Kontakt mit den anderen Kindern sehr mag und sich wohlfühlt. Das beste Zeichen dafür ist, dass sie manchmal einfach inmitten des ganzen Treibens einschläft“, so die Kita-Leiterin weiter.

Weder das noch Jonas Helm stören die anderen Kinder. „Bei Kindern ist es ja so, dass die anderen so okay sind, wie sie eben sind“, sagt Hoehne-Stelzenmüller. Deshalb ist es auch kein Problem, das die „Katzengruppe“ gemeinsam mit der Regelkrippengruppe – den „Kaninchen“ – Zeit verbringt. „Die Gruppen besuchen sich gegenseitig und machen gemeinsame Projekte“, berichtet Hoehne-Stelzenmüller.

Baulich unterscheiden sich die Bereiche der beiden Krippengruppen nicht voneinander – außer, dass die „Katzen“ einen eigenen kleinen Spielplatz haben. Die Arbeit ist aber schon verschieden, vor allem aus personeller Sicht. In der integrativen Gruppe ist zusätzlich die heilpädagogische Fachkraft Simone Holmes tätig. Sie ist in erster Linie für die Integrationskinder zuständig, die schon viel Erfahrung im integrativen Bereich hat. Wenn sie nicht da ist, übernehmen die anderen Erzieherinnen.

„Die Arbeit in dieser Gruppe unterscheidet sich nicht so sehr von der in Regelgruppen. Wir gucken bei allen Kindern, wo sie stehen, aber bei den Integrationskinder gucken wir ganz genau hin“, sagt Holmes. „Hinzu kommen allerdings viele Elterngespräche und ein enger Kontakt zu den Physiotherapeuten der Kinder“, ergänzt sie.

Das ist vor allem in der Eingewöhnungszeit der Kinder wichtig. „Bei den Integrationskindern ist die schrittweise Eingewöhnung ungeheuer wichtig, weil sie häufig ein besonders enges und vertrauensvolles Verhältnis zu ihren Eltern haben“, sagt Hoehne-Stelzenmüller und führt weiter aus: „Zudem ist meistens schon eine Frühförderung, eine Physiotherapie oder ähnliches vorhanden. Deshalb sind in der Eingewöhnungszeit besonders viele Gespräche notwendig.“ Dann wird gemeinsam erörtert, was die Integrationskinder brauchen und welche Fördermöglichkeiten es im Kita-Alltag gibt.

Nun ist es aber nicht so, dass das Thema Integration für die Kita Hombachstraße Neuland wäre: Schon lange gibt es dort eine Integrationsgruppe im Kindergartenbereich. Für die Kinder der neuen Krippengruppe ist das gut, meint Hoehne-Stelzenmüller. „So können sie in die integrative Kindergartengruppe hineinwachsen und in der selben Kita bleiben“, sagt sie.

Für zwölf Kinder ist in der integrativen Krippengruppe Platz – zehn Regelkinder und zwei Integrationskinder. „Die Integrationsplätze für dieses Kita-Jahr waren sofort vergeben. Da war der Anbau noch nicht einmal fertig“, erzählt Hoehne-Stelzenmüller. Was von den Eltern dankbar angenommen wurde, wollen sich am Montag, 8. Dezember, nun auch die Vertreter der Gemeinde Weyhe und der Politik einmal genauer ansehen.

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