Seniorenbeirat der Gemeinde und Verbraucherzentrale mahnen zur Vorsicht bei ungefragter Beratung

Anrufe verunsichern ältere Stuhrer

Stuhr. Vermeintliche Serviceanrufe, die sich letztendlich als Verkaufsgespräche entpuppen und sich vor allem an Senioren richten, sorgen auch in der Gemeinde Stuhr in letzter Zeit vermehrt für Verunsicherung. Das bestätigen auch Dagmar Bischof, Vorsitzende des Stuhrer Seniorenbeirates und Hans Lüders, ihr Stellvertreter.
28.04.2016, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Ina Friebel

Vermeintliche Serviceanrufe, die sich letztendlich als Verkaufsgespräche entpuppen und sich vor allem an Senioren richten, sorgen auch in der Gemeinde Stuhr in letzter Zeit vermehrt für Verunsicherung. Das bestätigen auch Dagmar Bischof, Vorsitzende des Stuhrer Seniorenbeirates und Hans Lüders, ihr Stellvertreter. Lüders erhielt kürzlich selbst einen Anruf, der dem 79-Jährigen unseriös vorkam. „Ein Herr von der Deutschen Gesellschaft für Seniorenberatung rief bei mir an, um einen Termin mit einem Berater bei mir zu Hause auszumachen“, berichtet Lüders. Inhaltlich sollte es um technische Hilfsmittel für Senioren gehen.

Auch Bischof erzählt von Freunden und Bekannten, die ähnliche Erfahrungen mit Anrufern gemacht haben, die ihren Namen und ihre Herkunft nicht eindeutig nennen wollten. Seinen Namen habe er aus dem öffentlichen Telefonregister, habe der Anrufer auf Nachfrage erzählt, berichtet Hans Lüders weiter. Das bestätigt auch ein Mitarbeiter von der DGS. „Wir wählen die Leute, die wir anrufen, nach dem Zufallsprinzip aus, fragen, ob es Bedarf gibt und stellen unseren Verein und unsere Arbeit vor“, sagt dieser. Vor Ort könne man dann bei Bedarf ehrenamtliche Berater zu den Angerufenen nach Hause schicken, die die Angebote des Vereins vorstellen. „Ein seriöser Verein macht so etwas nicht“, warnt in diesem Zusammenhang Annabel Oelmann, Sprecherin der Bremer Verbraucherzentrale und ergänzt: „Wenn jemand so anruft, besser immer auf Abstand gehen.“

Irmgard Albuschkat ist für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der DGS zuständig und bestätigt die Aussagen ihres Mitarbeiters nicht. Sie sagt, man bekomme die Nummern der Leute auf Informationsveranstaltungen und Messeauftritten der DGS, wo die Besucher ihre Daten hinterlassen. „In erster Linie beraten wir zu den Themen Wohnraum, Sicherheit und Alltag“, erzählt Albuschkat weiter. Auch sogenannte Erzählfreundschaften am Telefon biete die DGS an. „Wir finanzieren uns über Fördermitglieder und Sponsoren“, so die Pressevertreterin weiter.

Er sei noch nie auf einer Informationsveranstaltung der DGS gewesen, beteuert hingegen Hans Lüders. Auch an der Finanzierung zweifeln die beiden Mitglieder des Seniorenbeirates. „Dafür gibt es viel zu viel Personal“, sagt Bischof mit einem Blick auf die Internetseite der DGS, die nicht nur als Verein, sondern auch als GmbH tätig ist, wie dem Online-Auftritt ebenfalls zu entnehmen ist.

„Eingetragener Verein und GmbH – das kann nicht sein“, wundert sich Dagmar Bischof, die 30 Jahre lang in einem Steuerberatungsbüro und 20 Jahre lang für einen Verein gearbeitet hat. „Das schließt sich gegenseitig aus“, sagt sie. Ein Verein sei – mit Ausnahme von Einnahmen wirtschaftlicher Tätigkeiten – steuerbefreit und dürfe keine Geschäfte machen. Eine GmbH sei hingegen mit sämtlichen Steuerformen bilanzpflichtig. „Wahrscheinlich macht der Verein die Beratung und die GmbH die Geschäfte“, vermutet Dagmar Bischoff.

Sie und Lüders raten dazu, einen unbekannten Anrufer höflich und bestimmt abzuweisen. „Bei Bedarf können die Leute zu den Ansprechpartnern in der Gemeinde gehen“, weiß Bischof. Das Pro Dem Senioren-Service-Büro und das Seniorenbüro würden sämtliche Bereiche abdecken, sodass keine Beratung von außerhalb nötig sei. Auch bei unseriösen Anrufen können sich die Betroffenen an die genannten Stellen wenden.

„Viele Anbieter nutzen offiziell klingende Namen, um Versicherungen oder Hausnotrufe zu verkaufen“, berichtet Lilja Helms, stellvertretende Leiterin des Senioren-Service-Büros. Am Telefon würden sie dann mit Druck und emotionalen Themen arbeiten. „Dabei wird auch mit Aussagen argumentiert, die falsch sind“, warnt Lilja Helms.

„Man sollte sich nicht am Telefon beraten lassen“, so die Alterswissenschaftlerin weiter. Sie ergänzt: „Wir rufen niemanden aktiv an.“ Die Beratungen des Senioren-Service-Büros seien kostenlos und neutral und man arbeite mit bekannten, regionalen Anbietern zusammen.

Zwar sei die DGS bei der Bremer Verbraucherzentrale noch nicht negativ aufgefallen, sagt Annabel Oelmann, trotzdem warnt auch sie: „Man sollte immer vorsichtig sein, wenn man aktiv angesprochen wird.“ Das zähle auch zu den Merkmalen, an denen ein unseriöses Angebot zu erkennen ist. „Der Aufbau von Zeitdruck mit Aussagen wie ,Jetzt noch’ oder ,Nur diesen Monat’, die Beantwortung von Fragen mit Gegenfragen oder aber Dinge werden schlecht geredet, die man bereits hat“, zählt Oelmann weitere Merkmale auf. Ein klassisches Signal sei auch, wenn der Anrufer nicht sagen wolle, woher er kommt und wer er ist. „Unseriöse Anbieter spielen Risiken herunter und erwähnen Kosten nicht“, so Oelmann weiter. Deswegen solle nie etwas spontan unterschrieben werden, sondern es sei wichtig, sich vorher ausreichend zu informieren.

Beratungsmöglichkeiten in der Gemeinde Stuhr gibt es beim Seniorenbüro (www.stuhr.de in der Rubrik Bildung und Familie) und beim Senioren-Service-Büro von Pro Dem auf www.prodem-stuhr-weyhe.de, telefonisch unter 04 21 / 8 98 33 44 oder per E-Mail an info@prodem-stuhr-weyhe.de.

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