Weyhe-Leeste Ausgleichsflächen: Nabu Weyhe regt den Einsatz von Wasserbüffeln an

Weyhe-Leeste. Die Frage klingt verrückt: Könnten nicht auch Wasserbüffel in der Leester Marsch heimisch werden? Gestellt hat sie jetzt der Naturschutzbund Weyhe - und sich dazu einen Experten von der Universität Cottbus in die Naturschutzstation an der Böttcherei eingeladen.
03.02.2010, 16:31
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Von Gaby Wolf

Weyhe-Leeste. Die Frage klingt ein bisschen verrückt: Könnten nicht auch Wasserbüffel in der Leester Marsch heimisch werden? Gestellt hat sie jetzt der Naturschutzbund (Nabu) Weyhe - und sich dazu einen Experten von der Universität Cottbus in die Naturschutzstation an der Böttcherei eingeladen. Aus Sicht des Nabu nämlich könnten die dunklen Exoten mit den geschwungenen Hörnern zu einer Erhöhung der Artenvielfalt im westlichen Bereich der Marsch beitragen.

Dort sind sowohl die Gemeinde Weyhe wie auch die Nabu-eigene Stiftung Naturerbe Landkreis Diepholz Eigentümer von etwa 20 Hektar Ausgleichsflächen, die als Kompensation dafür dienen, dass an anderer Stelle in der Gemeinde durch Bauprojekte in die Natur eingegriffen wurde. 'Die Ausgleichsflächen für die Ortsumgehung Brinkum, die zum Teil auch über Weyher Gebiet führt, befinden sich zum Beispiel dort', schildert Nabu-Vorsitzender Manfred Böcker.

'Aber auch noch relativ junge Flächen, die im Rahmen der Flurbereinigung an die Stiftung übergeben wurden, wodurch inzwischen recht große zusammenhängende Naturflächen zur Verfügung stehen.' Dies habe die Frage aufgeworfen, wie die Flächen am klügsten zur Entwicklung einer artenreichen Fauna und Flora genutzt werden sollten.

Derzeit seien sie als Mähwiesen an Landwirte verpachtet, die sich vertraglich zu einer extensiven Bewirtschaftung verpflichtet haben. 'Das bedeutet, dass sie nicht ohne weiteres Pestizide einsetzen, nicht vor Mitte Juni mähen dürfen und verpflichtet sind, die Heuballen bis zum Herbst herunterzuschaffen.' Bei den Flächen handele es sich nämlich um eine Biotop-Form für Wiesenvögel. 'Die können dort nisten, und es sind auch Futterflächen für Gänse und Enten.' Die meisten Flächen verfügten zudem über Flachgewässer. 'Sie sind also gleichzeitig Lurchbiotope.'

Dennoch: Auch eine extensive Bewirtschaftung ist immer noch ein Eingriff in die Natur. Und da bringt der Nabu nun den Einsatz großer Weidetiere wie eben Wasserbüffel ins Spiel. Aber wie passt das mit Naturschutz und größerer Artenvielfalt zusammen? Trampeln die Tiere nicht alles kaputt? 'Das muss nicht immer schlecht sein', hält Böcker dagegen.

'Wenn sie zum Trinken an die Gewässer gehen, kann es zu Abbrüchen kommen - das wiederum sind Pionierflächen für niedrige und langsam wachsende Pflanzen, die derzeit eher im Rückgang begriffen sind, aber auch Futterpflanzen für bestimmte Insekten sind.'

Auch für bodenbrütende Vögel, sagt Ulf Panten, Umweltbeauftragter der Gemeinde Weyhe, seien Weideflächen besser als Mähwiesen. Nähmen sich Rinder des Grüns an, kämen die Bodenbrüter ungestörter durch die Saison. 'Rinder sind da noch besser als Pferde oder Schafe.' Sie hätten einen nicht so hohen und ungestümen Bewegungsdrang wie etwa Pferde und seien auch viel sensibler. 'Unter Umständen sehen sie solche Nester sogar und machen einen Bogen darum.'

Wasserbüffel wären aus Sicht Pantens optimal. 'Sie suhlen sich gerne in feuchten Senken und buddeln sich dadurch wieder neue Löcher.' Diese offenen Bodenbereiche wiederum kämen Vogelarten wie der Uferschnepfe oder Bekassine entgegen, die den aufgewühlten Schlamm nach Nahrung durchstocherten. Ansonsten seien aber auch bei den extensiven Flächen erste Erfolge zu verzeichnen. So komme der Storch wieder regelmäßig zu Besuch. 'Das ist ein gutes Zeichen.' Auch Kiebitz und Uferschnepfe seien gesichtet worden.

Laut Heiko Janßen, Biologe aus Melchiorshausen und Vorsitzender der Stiftung Naturerbe, hat sich zudem im Bereich der künstlich angelegten Teiche einiges getan. 'Die Grünfrösche sind wieder aufgetaucht.' Auch einige Libellenarten, die auf der Roten Liste stehen, hätten sich wieder blicken lassen: Torfmosaikjungfer, Kleine Mosaikjungfer und Federlibelle.

'Vor zwei Jahren tummelte sich auf einem Gewässer sogar eine Brandgans mit acht Jungen.' Bei den Pflanzen dauere es dagegen noch eine ganze Weile, bis größere Erfolge zu vermelden seien, schränkt Janßen ein. 'Die können nun mal nicht laufen.' Und von den intensiv bewirtschafteten Flächen drumherum könne per Samenflug auch nicht so viel herüberkommen.

Kleine Veränderungen aber seien erkennbar, sagt Panten. 'Das Gras wird krautiger, Hahnenfuß und Kleesorten mischen sich darunter.' Das bedeute: vielfältigere Futterquellen für Insekten. Und wahrscheinlich mundet abwechslungsreicheres Grün auch dem Wasserbüffel. Aber der ist, so betont Manfred Böcker, noch reines Gedankenspiel.

Die Anschaffung wäre nicht mal das vorrangige Problem, sagt er. Auch nicht die Unterbringung: 'Robuste Rinder wie etwa auch das schwarz-bunte Niederungsrind können ganzjährig draußen sein.' Der wesentliche Punkt dabei sei, dass jemand regelmäßig ein Auge auf die Tiere haben müsste - Stichwort: Verletzungen oder Krankheiten.

'Und sicher müsste man sich auch mal dort, wo Wasserbüffel schon auf diese Weise eingesetzt werden, nach den Erfahrungswerten erkundigen.'

Der Gedankenanstoß sei dennoch durchaus ernst gemeint. Und er passt ins Jahr. Die Vereinten Nationen haben 2010 zum Internationalen Jahr der Artenvielfalt erklärt.

Der Vortrag über 'Einsatzmöglichkeiten großer Weidetiere im Naturschutz' in der Nabu-Station, Böttcherei 115, beginnt heute um 19.30 Uhr. Referent ist Ökologe René Krawczynski.

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