Heimatbühne Stuhr studiert das plattdeutsche Stück „Dat Verlegenheitskind“ ein / Premiere am 6. September Bauer erfindet Tochter

Stuhr. Plötzlich bricht es aus Amandus Quandt heraus: „Bit hüt hebb ick me alls bieten lotten, ober dat is nu vorbie.“ Doch Vertretungsregisseur Horst True ist noch nicht so richtig zufrieden mit den gezeigten Gefühlen und hätte das Spiel gerne noch ein wenig temperamentvoller.
01.09.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste

Plötzlich bricht es aus Amandus Quandt heraus: „Bit hüt hebb ick me alls bieten lotten, ober dat is nu vorbie.“ Doch Vertretungsregisseur Horst True ist noch nicht so richtig zufrieden mit den gezeigten Gefühlen und hätte das Spiel gerne noch ein wenig temperamentvoller. Die Proben laufen auf Hochtouren, schließlich ist am Sonntag, 6. September, 16 Uhr, im Stuhrer Rathaus Premiere des neuen Stückes „Dat Verlegenheitskind“ der Heimatbühne Stuhr.

Seit April proben die Laienschauspieler auf dem Hof Hegeler in Blocken das Stück aus der Feder von Jens Peter Asmussen ein. Sie sind äußerst zufrieden damit. „Das ist ein Stück, wie wir es mögen, es ist turbulent und ereignisreich und hat zudem noch Verwicklungen“, bringt es Björn True auf den Punkt. Kein Wunder also, dass die Auswahl darauf fiel. „Wir lesen ja immer so vier, fünf Stücke, und da habe ich ein altes dazu gepackt aus unserem Fundus“, erzählt sein Vater Horst True und freut sich, dass das Stück von Asmussen nach 40 Jahren wieder aufgeführt wird. Er weiter: „Wir haben ja zum Glück keine Nachwuchssorgen dank unserer jungen Leute und können auch ein Stück mit zehn Personen besetzen.“ Für die Rolle der Mali Meier habe es sogar zwei Bewerberinnen gegeben. „Ganz ehrlich, zwei sind genauso schlecht, wie gar keine“, kommentiert True das auf seine ganz eigene Art. Mit dem Versprechen auf einen Einsatz im kommenden Jahr sei dann die unterlegene Bewerberin getröstet worden. An diesem Probenabend müssen zwei Spieler allerdings immer wieder ins Textbuch gucken. True erläutert: „Die sind nur heute Abend eingesprungen“. Zu sehen ist auf der Bühne die Schlussszene und natürlich sei hier nicht verraten, wie der „Gordische Knoten“, so True, aufgelöst wird.

„Dat Verlegenheitskind“, wird übrigens vor ganz neuer Kulisse aufgeführt. „Die alte konnten wir nicht mehr sehen, da sind dann Dennis und Christian, unsere beiden Bühnenbauer, kreativ geworden und haben sich diese neue einfallen lassen“, blickt True zurück auf die Entstehung der Kulisse, die eine Wand zeigt mit Fenstern und einer Bank davor und eine Tür, die schwarze Stufen vermuten lässt. Sie spielt eine wichtige Rolle im Stück.

Denn diese Tür führt in den Kohlenkeller. Dorthin flüchten sich die von ihren resoluten Ehefrauen total eingeschüchterten Männer, Bauer Amandus Quandt, gespielt von Dennis True, und sein Freund und Knecht auf dem Hof, Peter Brandt, gespielt von Christian Röpe. Beide haben gemeinsam, dass sie die Hosen nicht anhaben in der Beziehung, sondern ihre Frauen Katrin Quandt, gespielt von Dorothee Röpe und Gesche Brandt, die gespielt wird von Gerlinde Ahlers.

So hat der Bauer – bedingt durch den Geiz seiner Frau – ein uneheliches Kind erfunden, um sein karges Einkommen mit dem Unterhalt etwas aufzubessern, das er dem „Verlegenheitskind“ angeblich zahlt. Als dieses Kind in Person von Mali Meier (Miriam Göde) tatsächlich erscheint und sich zudem noch der leibliche Sohn Heinrich in sie verliebt, sind die Verwicklungen des von True zitierten „Gordischen Knotens“ geknüpft und können erst durch die Schauspieler in drei Akten aufgelöst werden. Das alles auf schönstem Plattdeutsch, denn das Erlernen der Sprache gibt es für die Schauspieler sozusagen inklusive.

Weitere Figuren sind Evchen Brandt, gespielt von Stephanie Mittelstädt, und Hans Wickenhausen, gespielt von Hauke Bischoff. Ute Malowitz verkörpert Emma Meier und Jan Brand wird gespielt von Björn True. Das Publikum kann sich auf ein wirklich turbulentes Stück freuen, so gibt es im zweiten Akt sogar eine Verfolgungsjagd.

Nach der Premiere am Sonntag, 6. September, 16 Uhr, im Rathaus bei Kaffee und Kuchen finden weitere Aufführungen am 17. Oktober in der alten Dorfschule Blocken ab 19 Uhr mit Snacks und warmen Speisen statt und am 18. Oktober bei Kaffee und Kuchen um 16 Uhr ebenfalls in der Dorfschule. Eine mehr als 20 Jahre währende Tradition hat schon die Aufführung im Gemeindehaus der Martin-Luther-Gemeinde in Bremen-Findorff am 1. November ab 15 Uhr mit Kaffee und Kuchen. Karten dafür gibt es beim Stand des Hofes True auf dem Findorffer Wochenmarkt.

Weitere Aufführungen sind geplant in der Grundschule Varrel am 8. November, 16 Uhr, mit Kaffee und Kuchen und im Kreismuseum Syke am 15. November, die für diesen Auftritt auch den Kartenvorverkauf übernehmen. Die Theatertournee geht im neuen Jahr in Ganderkesee-Kühlingen und Oyten-Bassen weiter.

Karten gibt es – bis auf die oben erwähnten Ausnahmen – bei Mühle Unger in Varrel unter 0 42 21 / 3 02 68 oder bei Horst True in Blocken unter 04 21 / 89 41 27.

Für die Premiere am 6. September gibt es außerdem Karten im Bremer Pressehaus sowie in allen Geschäftsstellen des WESER-KURIER und im Bürgerbüro der Gemeinde Stuhr. Der Eintritt beträgt acht Euro, ermäßigt fünf Euro.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+