Honig, Preise und Varroa-Milbe Bienen haben Winter und Milben überstanden

Weyhe-Sudweyhe. Die schwarz-gelben Bewohner der insgesamt zwölf Bienenkörbe aus Hartschaum warten auf ihre Zeit. Thomas Lenz, Imker aus Sudweyhe, wagt schon mal einen vorsichtigen Blick unter die Deckel. 24 seiner Bienenvölker haben den Winter recht gut überstanden.
22.04.2010, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Nils Hartung

Weyhe-Sudweyhe. Das große Summen lässt noch auf sich warten. Noch. Die schwarz-gelben Bewohner der insgesamt zwölf Bienenkörbe aus Hartschaum, genannt Beute, warten auf ihre Zeit. Thomas Lenz, Imker aus Sudweyhe, wagt schon mal hin und wieder einen vorsichtigen Blick unter die Deckel. Und er ist zufrieden: Immerhin haben seine 24 Bienenvölker Winterzeit und Varroa-Milbe recht gut überstanden.

Das ist allerdings längst nicht überall der Fall. Eine bundesweite Umfrage des Fachzentrums Bienen und Imkerei Mayen (Rheinland-Pfalz) hat ergeben: Jede fünfte Biene hat den Winter in Deutschland nicht überlebt. In Niedersachsen schwanken die Zahlen nach Auskunft des Bieneninstituts Celle zwischen 15 und 25 Prozent. 'Bei Verlusten über zehn Prozent gehen die Alarmglocken an', erklärt Werner von der Ohe, Leiter des niedersächsischen Instituts. Eine vergleichbare Quote hatte es zuletzt im Winter 2002/03 gegeben, erinnert sich von der Ohe.

Was ist also das Geheimnis von 'Imker Tom', wie sich Thomas Lenz nennt? 'Es ist eigentlich gar kein großes Geheimnis', betont Lenz, 'wichtig sind drei, vier Faktoren. Genügend Futter im Vorfeld des Winters, eine ordentliche Behandlung gegen die Varroa-Milben, eine junge Königin sowie der richtige Standort für die Bienen.' Klingt eigentlich wirklich nicht besonders kompliziert. Doch alleine die Behandlung gegen die Varroa-Milben ist schon eine Wissenschaft für sich.

Varroa destructor treibt ihr Unwesen

Seit Ende der 70er Jahre treibt die Milbe aus Asien, lateinisch passenderweise varroa destructor, auch in Europa ihr Unwesen. Imker Lenz, dessen Vater früher im Bremer Blockland auch schon Bienen züchtete, erinnert sich. 'Mein Vater hatte überhaupt noch keine Probleme mit Varroa-Milben.' Die Milben zapfen den Körpersaft der Bienen an und vermehren sich in der Brut. Resultat: Das Immunsystem der Bienen wird schwächer, sie werden anfälliger für Krankheiten. Die Imker bekämpfen die ungebetenen Gäste mit Ameisen- und Oxalsäure - beides zulässige Mittel, da biologisch. Die richtige Varroa-Behandlung beginnt mit einer umfassenden Kontrolle über die Stärke des Befalls in den Völkern.

Die Imker in Weyhe und umzu arbeiten meist Hand in Hand. 'Im Sommer behandeln wir die Völker dreimal hintereinander mit Ameisensäure in kurzer Abfolge. Das tötet zwar den Großteil der Milben ab, reicht aber noch nicht aus', erklärt Manfred von Weyhe, Vorsitzender des Imkervereins Kirchweyhe. Anfang Dezember muss noch einmal nachgelegt werden, diesmal mit Oxalsäure. Von Weyhe selbst hat dank dieser Methode im Winter nur eines seiner insgesamt 23 Völker verloren - eine hervorragende Bilanz. Doch im Vereinsgebiet gibt es auch andere Zahlen. 'Einige meiner Kollegen haben bis zu 50 Prozent ihrer Bienen eingebüßt. Auch 20 bis 30 Prozent Verlust gibt es', erzählt von Weyhe. Er ist überzeugt, dass es nicht nur am Imker liegt. 'Da gehört auch ein bisschen Glück dazu. Wir sind schließlich auf Gedeih und Verderb der Natur ausgeliefert', sagt er.

Dass der lange und harte Winter Mitschuld am Bienensterben trägt, ist laut von der Ohe und von Weyhe übrigens falsch. 'Ganz im Gegenteil, ein langer Winter mit konstanten Temperaturen ist eigentlich gut', betont von Weyhe. Denn: Dann fangen die Bienen nicht an zu brüten, sondern halten mit ihren Energiereserven und Kräften Haus.

Bei 'Imker Tom' in Sudweyhe bereiten sich zurzeit zehntausende Bienen auf die neue Saison vor. Die Jahresproduktion an Honig liegt bei Thomas Lenz normalerweise bei 40 bis 50 Kilogramm, wenn alles optimal läuft. Sorgt die hohe Sterblichkeitsrate in Niedersachsen und ganz Deutschland jetzt dafür, dass Honig ein knappes Gut wird und die Preise bald mächtig klettern? Von der Ohe meint nein. 'Das ist im Moment zwar noch Kaffeesatzleserei. Doch es kommt dabei eher auf das Blütenangebot an. Eine Spitzentracht ist 2010 zwar nicht mehr zu erwarten, aber ein mittelmäßiges Ergebnis ist auf alle Fälle noch drin', glaubt er.

Auch Manfred von Weyhe glaubt nicht an explodierende Preise auf dem Honigmarkt. 'Die meisten Imker bei uns verkaufen ihr Produkt doch sowieso eher zu einem Freundschaftspreis. Viel wichtiger ist es, dass die Imker ihre Bienen behalten, die dann für die Bestäubung sorgen. Denn sonst blühen bestimmte Pflanzen oder Bäume einfach nicht mehr', befürchtet er.

Thomas Lenz freut sich jedenfalls schon auf das große Summen in ein paar Tagen. Er ist mittlerweile seit etwa fünf Jahren Imker. Die Faszination der Insekten lässt ihn nicht mehr los. 'Es ist einfach spannend, dass man das Verhalten tausender und abertausender Individuen vorbestimmen und sich zunutze machen kann. Es gibt immer was Neues zu beobachten', schwärmt Lenz. Der 'Smoker', früher als Imker-Pfeife bekannt, liegt schon auf dem Holztisch im Garten vor den Hartschaumkästen bereit, den Schutzanzug hat Lenz bereits herausgeholt. Es kann also losgehen.

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