Bei einer Hausdurchsuchung kam altes Kraut ans Licht / Freispruch Cannabisernte vergammelt und vergessen

VON RENATE SCHÖRKEN
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VON RENATE SCHÖRKEN

Syke·Twistringen. Von den Altlasten einer drogenreichen Vergangenheit eingeholt: Zwei 51-jährige Männer aus Twistringen mussten sich jetzt vor dem Syker Schöffengericht gemeinschaftlich und einzeln wegen des Besitzes von Marihuana verantworten. Und zwar einer so großen Menge, dass die Staatsanwaltschaft ein Verbrechen angeklagt hatte.

Der Prozess endete mit einem Freispruch für den einen und einer Verfahrenseinstellung für den anderen der beiden Wohnungsnachbarn. Die im Januar bei einer Personenkontrolle und der anschließenden Hausdurchsuchung von der Polizei sichergestellten Funde sollen nämlich nichts weiter als "Gammelzeug" gewesen sein. Will heißen, es handelte sich um in einem Rucksack und einer Gerümpelecke unter der Treppe vergessenes Cannabiskraut aus früherem illegalem Anbau, für den der eine Angeklagte bereits verurteilt ist. Das waren immerhin 704,5 Gramm in drei Plastiktüten sowie 17,1 Gramm im Rucksack.

Auf diese Drogen stießen Polizeibeamte, als sie den Angeklagten am Twistringer Bahnhof kontrollierten. Es hatte einen Beinahe-Unfall mit zwei Radlern gegeben und der 51-Jährige soll laut Zeugenaussagen einen "total verwirrten Eindruck" gemacht haben. "Aus seinem Rucksack roch es nach Cannabis", erinnerte sich ein 43-jähriger Polizeibeamter als Zeuge. Die Polizisten fanden die Plastikdose mit Marihuanablüten. Und weil der Mann "auch durch Cannabis-Anbau bekannt" gewesen sei, beschlossen die Beamten eine Hausdurchsuchung.

Der Angeklagte willigte damals zögernd ein, "ich hatte ja nichts zu verbergen", und ließ zwei Beamte ins Haus. Die stießen unter der Kellertreppe auf die Plastiktüten mit Kraut. "Das Zeug war vergammelt und vergessen. Es ist wohl bei einer früheren Hausdurchsuchung übersehen worden", sagte der Verteidiger. Auch den Rucksack, den der Angeklagten für seine Einkäufe umschnallte, soll er aus dieser Ecke hervorgekramt haben. "Ich wusste gar nicht, was da drin ist", versicherte der 51-Jährige jetzt dem Gericht. Schon seit einem Jahr rauche er nicht mehr, sagte der Angeklagte. Er gehe regelmäßig zu Tests, "und alle sind negativ ausgefallen." Dass der Mann nachweislich drogenfrei lebt, überzeugte offenbar auch den Staatsanwalt. Er konnte die Darstellung des Angeklagten nicht widerlegen, und stellte einen nicht strafbaren fahrlässigen Drogenbesitz fest.

Bei derselben Hausdurchsuchung fand die Polizei im Wohnzimmer eines 51-jährigen Nachbarn eine kleine Dose mit 4,2 Gramm Marihuana. Damals habe er noch geraucht, gestand der Angeklagte im Gerichtssaal. "Jetzt bin ich in Therapie und meine Tests sind negativ." Dieses Verfahren wurde im Hinblick auf ein Landgerichtsurteil vom April dieses Jahres über neun Monate Freiheitsstrafe eingestellt. Beide Mandanten seien auf einem "super Weg", hatten die Verteidiger festgestellt. Die Vorsitzende Richterin wollte es gerne glauben: "Ich hoffe, dass ich Sie wirklich heute zum allerletzten Mal hier gesehen habe."

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