Sudweyhe Claudia Maiwald kämpft gegen Versorgungslücke in der Gesundheitspolitik

Weyhe-Kirchweyhe. Es ist ein abgegriffenes Zitat, zugegeben. 'Es gibt nichts Gutes, außer man tut es' steht ganz oben auf der Internetseite des Bremer Vereins Ambulante Versorgungslücken (AVL). Trotzdem: In diesem Fall treffen die Worte von Erich Kästner absolut ins Schwarze.
28.01.2010, 06:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Nils Hartung

Weyhe-Kirchweyhe. Es ist ein abgegriffenes Zitat, zugegeben. 'Es gibt nichts Gutes, außer man tut es' steht ganz oben auf der Internetseite des Bremer Vereins Ambulante Versorgungslücken (AVL). Trotzdem: In diesem Fall treffen die Worte von Erich Kästner absolut ins Schwarze. Heute Abend informiert die Kirchweyherin Claudia Maiwald gemeinsam mit Elsbeth Rütten ab 19 Uhr im Gasthaus Voßmeyer über den Verein und seine Ziele.

Die 27-jährige Claudia Maiwald ist seit 1. Oktober 2009 Mitglied bei AVL. Der Verein setzt sich für gesundheitspolitische Veränderungen ein, gegründet hat ihn Elsbeth Rütten aus Bremen. Nach zwei Operationen am Fuß wurde die damals 55-Jährige aus dem Krankenhaus entlassen. Und war anschließend völlig auf sich alleingestellt. Sie musste einen Liegegips tragen, konnte sich kaum bewegen und war nicht imstande, die einfachsten Aufgaben auszuführen.

Klingt eigentlich nach einem klassischen Fall für Hilfe - und zwar für Hilfe im Haushalt. Gerade in einer Zeit, in der es immer mehr alleinstehende Menschen im Alter gibt. Doch ganz so einfach ist das nicht. 'Beim überwiegenden Teil der Krankenkassen ist das eine ,Kann'-Leistung. Nur wenn im Haushalt Kinder unter zwölf Jahren leben, ist es eine ,Muss'-Leistung', erklärt Claudia Maiwald.

Oder wenn die Pflegebedürftigkeit länger als ein halbes Jahr dauert. 'Da sind die Grenzen von Freundschaft und Nachbarschaftshilfe schnell erreicht', weiß Elsbeth Rütten. Als sie wieder gesund war, begann sie, sich intensiv mit dem Thema auseinanderzusetzen. Und war schnell überzeugt, eine Lücke entdeckt zu haben, eine juristische Grauzone. Und so zerrte sie das Thema in die Öffentlichkeit, betrieb Pressearbeit und gewann Prominente wie Bremens Ex-Bürgermeister Henning Scherf als Schirmherrn.

'Am 27. September 2008 hatten wir unser erstes Treffen. 15 Frauen waren da, kein einziger Mann', erinnert sich die heute 61-jährige Elsbeth Rütten. Doch der Stein war ins Rollen gekommen, ein Artikel im WESER-KURIER folgte - und im März 2009 eine Petition der Gruppe an den Deutschen Bundestag. 'Im September letztes Jahr waren wir im Bundesgesundheitsministerium.

Das Thema stieß auch dort auf großes Interesse, bald haben wir den nächsten Termin', erzählt Rütten. Auch Claudia Maiwald entdeckt die Problematik - und den Verein. Sie ist vom Fach: Erst hat sie eine Ausbildung zur Krankenschwester absolviert, mittlerweile studiert sie Gesundheitswissenschaften an der Bremer Universität. Für das fünfte Semester ist ein Praktikum angesetzt, Dozent Hans-Georg Güse betreut Claudia Maiwald dabei - Güse sitzt im Aufsichtsrat von AVL und stellte den Kontakt her.

Das Gesetz im Fadenkreuz des Bremer Vereins ist der Paragraph 37 Absatz 1 des Sozialgesetzbuches V. 'Seit Anfang 2004 hat eine neue Zeitrechnung für die Krankenhäuser begonnen', erklärt Elsbeth Rütten. Damals wurde das sogenannte drg-Verfahren eingeführt. Die Abkürzung steht für 'diagnosis related groups' (Diagnosebezogene Fallgruppen).

Dahinter verbirgt sich ein kompliziertes Abrechnungs- und Bewertungssystem für Krankenkassen und Krankenhäuser. 'Für die Krankenhäuser heißt es, je schneller sie die Patienten entlassen, desto besser stehen sie da', erklärt Claudia Maiwald. Die Folge ist eine deutliche Zunahme sogenannter 'blutiger' oder 'englischer' Entlassungen - also Entlassungen zu einem frühen Zeitpunkt.

Seit Elsbeth Rütten etwas tut, bewegt sich auch etwas - frei nach Kästner. In Bremen startet ein Modellprojekt in Kooperation mit mehreren Krankenkassen. 'Dort soll dann endgültig geklärt werden, ob es ein reales Problem ist, das der Gesetzgeber lösen muss. Denn das ist unser Ziel: Wir wollen eine Erweiterung beziehungsweise Fortschreibung des Gesetzes', verrät Claudia Maiwald.

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