Zwei Hebammen beraten in Bassum ab dem 25. Oktober Schwangere und frisch gebackene Mütter Damit es keine schwere Geburt wird

Bassum. Das Familienzentrum der Stadt Bassum hat ein Beratungsangebot für Schwangere und Mütter, die vor kurzem ein Kind bekommen haben, ins Leben gerufen. Denn Frauen finden meist keine Hebamme mehr, die sie vor und nach der Geburt durchgehend betreut – und wenn doch, war die Suche eine ganz schwere Geburt.
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Von Dominik Flinkert

Bassum. Das Familienzentrum der Stadt Bassum hat ein Beratungsangebot für Schwangere und Mütter, die vor kurzem ein Kind bekommen haben, ins Leben gerufen. Denn Frauen finden meist keine Hebamme mehr, die sie vor und nach der Geburt durchgehend betreut – und wenn doch, war die Suche eine ganz schwere Geburt. „Es gibt immer weniger Hebammen, die freiberuflich arbeiten“, sagt Andrea Wolff, die die Frauen im Familienzentrum mit Jutta Meyer-Kytzia ab Dienstag, 25. Oktober, berät.

Der Grund für den Rückgang der Hebammen-Anzahl: „Die Haftpflichtversicherung kostet mittlerweile rund 6800 Euro im Jahr. Die Kosten für die Versicherung sind seit 2011 deutlich angestiegen“, sagt Meyer-Kytzia. Darum haben die Hebammen Meyer-Kytzia und Wolff die konkrete Geburtshilfe nicht in der Haftpflichtversicherung abschlossen – und können diese deshalb nicht leisten. Die Leiterin des Familienzentrums, Elsbeth Ruholl, ergänzt: „Viele Hebammen haben sich umorientiert, weil sie ja davon leben können müssen.“ Sie betont, dass die Beratung im Familienzentrum nicht die Betreuung durch eine Hebamme ersetzen kann.

Das Angebot richte sich an Frauen, die ein konkretes Problem besprechen möchten. Das könnten beispielsweise Unsicherheiten sein, ob der Nabel richtig abheilt oder ob das Baby genug Gewicht zunimmt. Auch Fragen zum Stillen und zur Säuglingsnahrung könnten thematisiert werden – dienstags von 9.30 bis 11.30 Uhr im Seminarraum des Familienzentrums. Die Beratung finanzieren die Stadt Bassum und das niedersächsische Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung jeweils zu 50 Prozent.

Eine Beratung rund um die Geburt, wie sie jetzt in Bassum angeboten wird, gibt es nach Angaben von Ruholl im Landkreis Diepholz noch nicht. Doch der Beratungsbedarf sei sehr hoch, sagt Wolff: „In der siebten oder achten Schwangerschaftswoche rufen schon Frauen an. Aber wir müssen vielen absagen.“ Verschärft hat sich die Unsicherheit der Schwangeren nach der Schließung der Geburtsabteilung der Klinik in Bassum im Jahr 2011 – denn seitdem gibt es im Landkreis Diepholz keine Geburtsklinik mehr. „Die Frauen haben teilweise Angst, dass sie nicht rechtzeitig in der Geburtsklinik ankommen“, betont Meyer-Kytzia. Die Fahrt von Bassum in die umliegenden Geburtskliniken nach Bremen, Wildeshausen, Vechta, Verden oder Delmenhorst dauert meist etwa eine halbe Stunde. Bei einer unmittelbar bevorstehenden Geburt raten Meyer-Kytzia, Ruholl und Wolff dazu, den Rettungsdienst zu rufen anstatt auf eigene Faust zur Klinik zu fahren. „Doch selbst die Rettungsassistenten haben etwas Angst, wenn sie Schwangere transportieren“, sagt Wolff.

Der Deutsche Hebammenverband kritisiert schon länger, dass zunehmend Kreißsäle in Deutschland geschlossen werden. Nach Angaben des Verbands gab es 1991 noch 1186 Krankenhäuser mit einer Geburtshilfe, 2014 waren es nur noch 725 – ein Rückgang von rund 40 Prozent. Die Geburtshilfe sei unzureichend geplant. Darum fordert der Verband ein Ende der Sparpolitik in den Kliniken, da diese auf Kosten der Beschäftigten und der Sicherheit von Müttern und Kindern gehe. Derzeit würden nur 1900 freiberufliche Hebammen rund 20 Prozent der Geburten an Kliniken begleiten.

„ Viele Hebammen haben sich umorientiert, weil sie ja davon leben können müssen." Elsbeth Ruholl
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