Reinhold Beckmann und Band spielen Sonnabend in Twistringen / Noch Eintrittskarten für das Konzert erhältlich Dann nimmt er seine Gitarre

Montagabend hat er mit Altkanzler Helmut Schmidt über die Umbrüche in der arabischen Welt gesprochen, heute steht Talkmaster, Sportmoderator und Sänger Reinhold Beckmann Jörn-Dirk Zweibrock im Interview Rede und Antwort. Der 55-jährige Familienvater spricht über seine Liebe zu Bremen, das innige Verhältnis zu Loki Schmidt und natürlich über sein musikalisches Gastspiel in der alten Heimat. Am Sonnabend, 7. Mai, treten Beckmann und Band auf Einladung des Vereins Freunde der alten Ziegelei in der Aula des Twistringer Schulzentrums auf. Einlass ist ab 19 Uhr, das Konzert beginnt um 20 Uhr.
04.05.2011, 05:00
Lesedauer: 6 Min
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Montagabend hat er mit Altkanzler Helmut Schmidt über die Umbrüche in der arabischen Welt gesprochen, heute steht Talkmaster, Sportmoderator und Sänger Reinhold Beckmann Jörn-Dirk Zweibrock im Interview Rede und Antwort. Der 55-jährige Familienvater spricht über seine Liebe zu Bremen, das innige Verhältnis zu Loki Schmidt und natürlich über sein musikalisches Gastspiel in der alten Heimat. Am Sonnabend, 7. Mai, treten Beckmann und Band auf Einladung des Vereins Freunde der alten Ziegelei in der Aula des Twistringer Schulzentrums auf. Einlass ist ab 19 Uhr, das Konzert beginnt um 20 Uhr.

Frage: Herr Beckmann, wie lebt es sich als berühmtester Twistringer?

Reinhold Beckmann: Berühmtheit an sich hat keinen Wert. Da steckt nichts dahinter. Norddeutsche mögen Bescheidenheit. Wenn ich abgehoben wäre, würden die Twistringer schon sagen: "Junge, Du hast Dich verändert".

Können Sie eigentlich Platt snacken und verstehen?

Leidlich. Verstehen schon, aber snacken immer weniger. Ich muss gestehen: In diesem Punkt bin ich inzwischen großstädtisch verdorben.

Erzählen Sie von Ihrer Kindheit in Twustern...

Ich bin mit zwei älteren Brüdern an der Harpstedter Straße aufgewachsen. Bei uns zu Hause hatte der klassische musikalische Zweikampf Stones gegen Beatles noch eine weitere Komponente - die Beach Boys. Mein älterer Bruder war besessen von den Klängen des Brian Wilson. Schon morgens vor dem Frühstück erklangen bei ihm die "California Girls". Da geht man mit einem sonnigen Gefühl aus dem Haus. Neben der Musik war natürlich der Fußball wichtig für mich. Bevor ich im Verein (SC Twistringen) gespielt habe, habe ich in Straßenmannschaften gekickt. Damals hießen die Partien dann nicht Werder gegen Pauli, sondern Luchtenburg gegen Top-heide oder Weiße Riede gegen Harpstedter Straße.

Wann waren Sie das erste Mal im Weserstadion?

1965 am vorletzten Spieltag. Da war ich neun. Werder gewann 3:0 gegen Dortmund und wurde Deutscher Meister. Das bleibt unvergessen, ebenso wie die Torschützen Zebrowski, Matischak und Klöckner. Ich hatte keinen eigenen Platz, nur eine sogenannte Schoßkarte bei meinem Vater. Der Besuch im Weserstadion war der Beginn meiner ersten großen Liebe.

Lebenslang Grün-Weiß?

Ja, irgendwie schon. Ich bin schon seit über 20 Jahren Mitglied bei Werder, aber auch beim FC St. Pauli.

Besuchen Sie heute noch oft Ihre alte Heimat?

Klar, meine Eltern leben ja dort. Mein Bruder ebenfalls. Mein Vater ist 95, meine Mutter wird im Sommer 90 Jahre alt, da wird schwer gefeiert. Außerdem habe ich noch ein paar Freunde dort. Das bringt mich immer wieder zurück.

Ihr Abitur haben Sie am Syker Gymnasium gebaut...

Antonianum Vechta oder Gymnasium Syke - das war damals ein richtiger Glaubenskrieg. Ich bin nach Syke zur Schule gegangen, weil alle meine Kumpels dorthin wollten. Selbst der Bekehrungsbesuch eines katholischen Priesters bei uns zu Hause hat mich nicht überzeugen können, nach Vechta zu gehen. Ich kann mich noch erinnern, dass ich mit der Tochter der Schulsekretärin eines Tages beim Schwänzen in Bremen erwischt wurde. Es blieb aber bei einem mündlichen Verweis. Der damalige Direktor des Gymnasiums Syke, Dr. Peters,

war ein liberaler Mensch und hatte wohl ein wenig Verständnis für unsere kleinen Fluchten.

War das etwa die Dame, mit der Sie nachts im VW-Käfer durch Bremen gefahren sind - wie Sie es in ihrem Lied "Bremen" besingen?

Nein, sie war es nicht. Aber diejenige, von der der Song erzählt, weiß Bescheid.

Sie leben schon seit Jahren in Hamburg. Mögen Sie Bremen trotzdem noch?

Klar. Meine Erinnerungen an hormonell verwirrte Jugendtage verbinde ich immer mit Bremen. Als ich 18 war, habe ich mich zum ersten Mal mit meinem Käfer in die Großstadt getraut. Das war ein Riesenschritt für mich, ein Gefühl des Erwachsenseins. Meine Nächte im Steintor, in der Lila Eule beispielsweise, bleiben für mich unvergessen. Mit Bremen verbinde ich ganz stark heimatliche Gefühle.

Jetzt singt Beckmann auch noch und spielt Gitarre. Warum?

Musik habe ich eigentlich immer gemacht. Ich war schließlich auf einem sehr musikbewegten Gymnasium. Wir hatten in Syke großartige Musiklehrer. Da haben wir allerhand ausprobiert, in unterschiedlichen Bands. Aber ich muss gestehen, die Idee zu dieser Band kam nicht von mir, sondern von Helge Zumdieck. Ich war vor drei Jahren zu Gast bei "Inas Nacht". Ina Müller und ich haben dort einen Bossanova von Carlos Jobim nach Müllerin Art gespielt. Sie hat eine plattdeutsche Strophe gesungen, ich eine auf Portugiesisch. Irgendwann kam dann Helge Zumdieck, Schlagzeuger in Inas Band, auf mich zu und meinte: "Reinhold, wir müssen was zusammen machen". Dann hab ich langsam angefangen, Texte zu schreiben und gemeinsam mit Andreas Dopp, unserem Gitarristen, die Musik entwickelt. Am Anfang noch etwas schüchtern, inzwischen freuen wir uns sehr, dass es so gut ankommt.

Beckmanns Band besteht aus wie vielen Mitgliedern?

Fünf. Helge und Andreas teile ich mir mit Ina Müller. Thomas Biller, unser Bassist, ist Ostfriese und der Ruhepol in der Band. Gegen ihn ist der Dalai Lama ein Choleriker. Und nicht zu vergessen unser Klangwundermann Jan-Peter Kloepfel am Klavier. Wir sind aber noch am Anfang und haben erst ein halbes Dutzend Konzerte gespielt. In Twistringen erwartet die Besucher ein musikalisches Programm über den verrückten Charme der kleinen Dinge. Über die Macken und Merkwürdigkeiten von uns Zeitgenossen. Melancholische Momente oder Gedanken, die sich einfach eingenistet haben. Von schrägen Rumba-Klängen bis hin zu sentimentalen Jazz-Balladen ist alles dabei. Jedes Lied ist eine kleine Miniatur, eine Flaschenpost des Alltags.

Als Katholik leben sie in Hamburg in der Diaspora. Schlimm?

Nein. Ich bin niemand, der jeden Tag in die Kirche pilgern muss. Das soziale Engagement der Kirche sehe ich aber als sehr wichtig an. In Hamburg ist meine einsame und verlorene katholische Seele übrigens sofort in die Hände eines Menschenfängers gefallen. Unser Gemeindepfarrer hat sie sofort aufgelesen und mich vor Kurzem überredet, mal eine Predigt über soziale Verpflichtungen in unserer Gesellschaft zu halten.

Wie Gottschalk und Bio war auch Reinhold Beckmann früher Messdiener. Hat dies den Grundstein für Ihr Showtalent gelegt?

Naja - das nach Möglichkeit fehlerfreie Aufsagen des Confitior als Messdiener war wohl kein Nachteil. Wir waren ja später auch Vorbeter in Sankt-Anna. Und da die Twistringer Kirche damals immer voll besetzt war, brauchte es schon ein wenig Überwindung. Ich kann mich noch gut an das erste Lampenfieber hinter dem Mikro vor dem Altar erinnern.

Sie haben gerade das soziale Augenmerk der katholischen Kirche erwähnt. Engagieren Sie sich auch persönlich?

Ich habe vor zwölf Jahren in Hamburg gemeinsam mit Freunden den Verein "NestWerk" gegründet. Wir kümmern uns um Jugendliche aus benachteiligten Hamburger Stadtteilen. Am Wochenende öffnen wir die Turnhallen, um mit den Jugendlichen über Fußball, Basketball und andere Dingen Kontakt aufzubauen und sie aus der Leere und Langeweile des Wochenendes zu holen. Außerdem versuchen wir ihnen den Weg ins Berufsleben zu vereinfachen. 20 Lehrstellen für Hauptschüler haben wir mit "Nest-Werk" schon vermittelt. Jedes Jahr veranstalten wir darüber hinaus Anfang September den "Tag der Legenden". Da kommen rund 80 ehemalige Bundesliga-Profis wie Rudi Völler, Lothar Matthäus, Uwe Seeler und Jens Lehmann ins Stadion am Millerntor und spielen für unsere Stiftung. Der Erlös fließt in die Vereinsarbeit. Es ist jedes Mal ein großer Spaß.

Warum können Sportmoderatoren eigentlich so gut talken?

Das hat eine große Tradition. Schauen Sie sich Harry Valérien oder Wim Thoelke an. Ich denke, Sportmoderatoren trauen sich, unerschrocken frei zu formulieren. Gerade in Live-Situationen müssen sie auf sich selbst vertrauen können. Das kommt ihnen beim Talken zugute.

Loki Schmidt war häufig bei "Beckmann" zu Gast...

Das war eine sehr persönliche Verbindung. Wir haben uns auch oft privat getroffen, wir haben uns verbunden gefühlt und auch ein Buch zusammen gemacht. Loki war in jeder Hinsicht eine außergewöhnliche Frau.

Viele Moderatoren, die von den Privaten kommen, sind zu den Öffentlich-Rechtlichen gewechselt - kehren dann aber wieder zurück. Sie auch?

Die Frage stellt sich für mich nicht. Ich bin jetzt zwölf Jahre bei der ARD und fühle mich gerade beim Norddeutschen Rundfunk sauwohl. Ein Vertrauensverhältnis.

Als gelernter Radio- und Fernsehtechniker können Sie mir doch sicherlich beim Umstieg von analogen auf digitalen Fernsehempfang helfen, oder?

Vergessen Sie's! Ich weiß nichts mehr! Da müssen sie sich woanders helfen lassen.

Karten für das Konzert von Beckmann und Band sind im Bremer Pressehaus sowie bei allen regionalen Geschäftsstellen des WESER-KURIER erhältlich.

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