Im Nordkreis starten wieder die Kohltouren / Anregungen für Spiele und Rezepttipp Das deftige Ende

Die Kohltour – nicht nur im Nordkreis eine beliebte Tradition, die jedes Jahr im Januar und Februar, manchmal auch noch im März, von Vereinen oder privaten Gruppen gepflegt wird. Mit einem Bollerwagen geht es dann los, das Ziel ist meist eine Gaststätte oder das Zuhause eines Teilnehmers. Was auf dem Weg dorthin alles passieren kann, welche Spiele gespielt werden und wie Gaststätten ihren Kohl für die hungrigen Gäste zubereiten, hat der WESER-KURIER zusammengetragen.
19.01.2013, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Kaya Leimann

Die Kohltour – nicht nur im Nordkreis eine beliebte Tradition, die jedes Jahr im Januar und Februar, manchmal auch noch im März, von Vereinen oder privaten Gruppen gepflegt wird. Mit einem Bollerwagen geht es dann los, das Ziel ist meist eine Gaststätte oder das Zuhause eines Teilnehmers. Was auf dem Weg dorthin alles passieren kann, welche Spiele gespielt werden und wie Gaststätten ihren Kohl für die hungrigen Gäste zubereiten, hat der WESER-KURIER zusammengetragen.

Landkreis Diepholz. Meist ziehen sie in Scharen durch die Straßen und haben nicht selten einen oder gleich mehrere Bollerwagen dabei. Die Rede ist von den Kohltour-Gruppen, die in den nächsten Wochen wieder auf den Straßen im Nordkreis zu sehen sein werden. Jeder hat da seine ganz eigenen Traditionen, was die Spiele oder das Essen anbelangt. Eines haben jedoch alle Touren gemeinsam: Sie funktionieren nur in Gemeinschaft.

"Wir treffen uns am 17. Februar am Marktplatz in Kirchweyhe. Und von da aus geht es über verschiedene Wege, je nachdem wie weit jeder laufen kann, zu unserer Schützenhalle", sagt Peter Tiesing, Vorsitzender des Schützenvereins Lahausen von 1933. "Auf dem Weg dorthin machen wir dann verschiedene Spiele. Wir haben zum Beispiel ein Glücksrad, das gedreht wird, und durch das Zusammenrechnen von Symbolen und Zahlen wird am Ende mit einem Umrechnungsschlüssel der Kohlkönig bestimmt." Dann gebe es noch das "Makkaroni-Spaghetti-Spiel", bei dem in mehreren Zweier-Teams die mit den Mündern gehaltene Spaghetti in die Makkaroni gesteckt werden muss. Ebenfalls beliebt sei das Spiel "Skilaufen". "Da müssen sich Teams aus drei bis vier Leuten auf zwei Holzbretter stellen, die Füße mit Schnallen befestigen und dann so schnell wie möglich in Teamarbeit am Ziel ankommen", sagt Tiesing. Natürlich gebe es auch einen Bollerwagen mit und ohne alkoholische Getränke, Kaffee und Kuchen. Im eigenen Vereinsheim wird nach der Tour eingekehrt, von einer Fleischerei bekomme man Kohl und Pinkel. "Wir sind insgesamt 60 Leute. Der Verein gibt einen Obolus dazu, den Rest zahlen die Teilnehmer", so der Vorsitzende.

Auch die Wandergruppe des Brinkumer Sportvereins macht seit vielen Jahren eine Tour. "Bei uns ist das aber kein großes Besäufnis. Es ist vielmehr eine Kohlwanderung als eine Kohltour", sagt der Leiter der Gruppe, Dieter Klinker. "Wir wandern 5,5 Kilometer zu unserer Gaststätte und auch wieder zurück. Es gibt zwar ein bisschen Glühwein, aber wir müssen ja alle klar für die Wanderung sein." Spiele werden aber natürlich trotzdem gespielt. Da gebe es zum Beispiel das "Wassertragen". Schwämme werden mit Wasser vollgesogen und müssen von einem Eimer zum nächsten transportiert und dort ausgewrungen werden. Wer so das meiste Wasser sammelt, gewinnt. "Das geht aber nur, wenn es nicht ganz so kalt ist. Dann haben wir noch ein Spiel bei dem man mit Tennisbällen Mäusefallen treffen muss oder das Gummistiefel-Weitwurf-Spiel", sagt Klinker. In Heiligenrode startet die Truppe an diesem Sonntag mit ihrer Tour. Über ein Waldgebiet in Harpstedt geht es weiter nach Fahrenhorst und wieder zurück.

Die Wandergruppe kehrt im Gasthaus Zur Linde in Fahrenhorst ein. Dort gibt es seit zwei Jahren eine Neuerung was das Kohlessen angelangt. "Wir bauen an diesem Wochenende wieder unser Kohlbuffet auf. Bei 120 Leuten, die dann insgesamt kommen, ist das um einiges einfacher", sagt Inhaber Heiner Fangrat. Dort gibt es dann eine Hühnersuppe vorweg, Kohl, Kassler vom Rücken, Nacken, Haxen und Bauchspeck sowie Bratkartoffel und Salzkartoffeln. "Pinkel gibt es bei uns auch und zum Nachtisch Rote Grütze mit Vanillesoße", sagt Fangrat. Januar, Februar und März seien Hauptzeiten für den Kohl.

Auch im Gasthaus Puvogel in Ochtmannien startet jetzt die Hochsaison für das deftige Wintergemüse. "In diesem Jahr aber so richtig erst Mitte Februar, weil wir jetzt noch viele Familienfeiern haben", sagt Inhaber Heiner Puvogel. Vereine und Betriebe würden sein Angebot nutzen, für dieses Jahr ist er schon ganz ausgebucht. "Den Kohl koche ich frei nach Schnauze und Gefühl. Da habe ich kein festes Rezept", sagt Puvogel.

In Vollmers Gasthaus in Syke wurde der erste Kohl schon beim Herbstmarkt verkauft. "Wenn es dann aber an die Minusgrade geht, wird der Appetit auf Kohl natürlich noch größer", sagt Jens Vollmer, der Inhaber des Gasthauses. "Zu uns kommen kleinere Grüppchen und Kegelvereine. Wir haben zwar einen kleineren Saal, dafür begleiten wir die Kohltouren aber auch und schenken auf dem Weg an verabredeten Haltepunkten zum Beispiel Glühwein aus."

Für dieses Jahr habe man noch Platz für weitere Gruppen, die nach der Wanderung in der Gaststätte einkehren möchten. "Hier werden meist keine Spiele mehr gespielt. Oftmals wird aber der Kohlkönig bestimmt", sagt Jens Vollmer. Vom Alter her seien die Gäste bunt gemischt. Von Jung bis Alt sei alles dabei. Zum Saisonauftakt gibt es genau wie für die Spargelsaison ein Buffet. "Wenn der Saal voll ist, kochen wir rund 40 Kilogramm Kohl."

So gelingt der Grünkohl

Syke (aya). Einige bestimmte Zutaten gehören in Vollmers Gasthaus aus Syke einfach zu einem guten Kohlgericht dazu. "Wir kochen dabei aber nach keinen festen Mengenangaben, die auf einem Zettel vermerkt sind. Manches darf natürlich trotzdem nicht fehlen", sagt der Inhaber Jens Vollmer.

Zunächst werden Zwiebeln in Schmand glasig gedünstet, dann wird der frische Kohl dazugegeben. "Bei uns ist es eine Mischung aus polnischem und deutschem. Das gibt eine Mischung aus grobem und feinem Kohl", sagt Vollmer. Das Gemisch wird anschließend mit Fleischbrühe aufgefüllt und der Kassler hinzugegeben. Dieser wird in dem Kohl ausgekocht, bis er gar ist. Das Fleisch kommt raus, und zu dem Kohl werden Senf und Hafergrütze gegeben. Die Hafergrütze verleihe dem Kohl laut Vollmer seine Bindung. Dann das ganze mit Salz und Piment abschmecken und etwas aufgeschnittenen Pinkel unterrühren. "Wir legen zwar bei unseren Gerichten auch noch Pinkel dazu, aber das Untermischen gibt dem Kohl schon mal einen tollen Geschmack", sagt Vollmer. Zum Schluss noch kleingeschnittenen Lauch hinzugeben, und fertig ist der Kohl.

"Bei der Menge mag es jeder ganz unterschiedlich. Die einen bestehen auf kräftigeren Kohl, die anderen essen ihn lieber etwas leichter." Das optimale Rezept gebe es wahrscheinlich nicht, meint er.

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