Wagemann (Sparkasse) und Behrens (Volksbank) im Gespräch "Das Ersparte ist mit Sicherheit sicher"

Griechenland-Krise, Euro-Krise, Wirtschafts- und Finanzkrise - wo man hinblickt, überall nur Krisen. Über die Auswirkungen dieser Entwicklungen auf den Girokonto- und Sparbuchbesitzer sprach Christoph Starke mit Bernd Wagemann, Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Syke, und Carl-Ludwig Behrens, Vorstandsmitglied der Volksbank.
01.06.2010, 09:04
Lesedauer: 5 Min
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Griechenland-Krise, Euro-Krise, Wirtschafts- und Finanzkrise - wo man hinblickt, überall nur Krisen. Über die Auswirkungen dieser Entwicklungen auf den Girokonto- und Sparbuchbesitzer sprach Christoph Starke mit Bernd Wagemann, Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Syke, und Carl-Ludwig Behrens, Vorstandsmitglied der Volksbank. Die beiden sind sich sicher: Zurzeit muss man sich keine Sorgen um den Euro machen. Die Währung sei immer noch stark.

Frage: Herr Behrens, Herr Wagemann, müssen wir um den Euro bangen?

Carl-Ludwig Behrens:Das wird die Zeit zeigen, ob wir uns Ängste machen müssen. Kurzfristig und auf einen zwei bis drei Jahre langen Zeitraum gesehen müssen wir um den Euro nicht bangen.

Bernd Wagemann:Wir müssen uns keine Sorgen machen. Was die Volkswirtschaften derzeit in Europa erwirtschaften, ist ein Garant dafür, dass der Euro stabil ist. Als wir den Euro damals einführten, war dieser auch relativ schwach, dann ist er nach oben gegangen. Jetzt ist die Situation mal wieder anders. Die Schwäche des Euros bietet für den Handel auch eine Möglichkeit.

Behrens:Der Euro steht 1,23 zum US-Dollar. Es gibt einige Ökonomen, die sagen, solange wir nicht unter 1,10 gehen, ist die Welt in Ordnung. Wir haben also immer noch einen starken Euro.

Wie konnte es überhaupt soweit kommen?

Wagemann:Den Euro macht in erster Linie die jetzige Spekulation um die Währungen schwach. Seinerzeit hat Helmut Kohl gesagt, wenn wir den Euro einführen, wird er nur dann Erfolg haben, wenn wir in der Wirtschafts- und Währungspolitik eine gleiche Politik machen. Das ist natürlich noch nicht geglückt. Geglückt ist eine gemeinsame Währung. Aber, dass eine einheitliche Politik gemacht wurde, ist nicht passiert. Und so konnte sich Griechenland nicht ganz korrekt entwickeln. Sie haben über ihre Verhältnisse gelebt - wie viele andere Länder auch. Das hat zu der Schwäche in Griechenland geführt.

Behrens:Die Frage ist, haben wir nur eine Finanzkrise oder auch eine Krise der Realpolitik haben. Es gibt auch politische Fragen in Europa, die zu klären sind. Europa ist, wenn es drauf ankommt, schwer zu einigen. Das ist ein sehr quälender Prozess. Es gibt einfach unterschiedliche Interessen der einzelnen Länder. Die Frage ist, gelingt es jetzt, zu einer wirtschaftlichen Einheit zu kommen.

Welche Auswirkungen hat die Krise auf den Sparbuch- und Girokontobesitzer in Syke und umzu?

Behrens:Keine negativen.

Die Leute brauchen sich also keine Sorgen zu machen?

Behrens:Aktuell ist das Ersparte mit Sicherheit sicher.

Wagemann:Die Sparkasse und die Volksbanken haben sich nicht unter den Rettungsschirm gestellt, weil sie gesund sind. Es muss keiner Angst haben.

Behrens:Das Entscheidende ist das Geschäftsmodell. Eigentlich ist das Bankgeschäft, wie wir es betreiben, doch relativ einfach: Wir sammeln die Gelder unserer Kunden ein, um sie dann als Kredite an gewerbliche Kunden wieder auszuleihen. Und wir machen das nur in unserer Region. Wir kennen unsere Kreditnehmer. Das unterscheidet uns von anderen Banken.

War die Reaktion der Bundesregierung und der Europäischen Union, den Rettungsschirm aufzuspannen, die angemessene?

Wagemann:Das war die einzige vernünftige Reaktion. Wenn wir die Griechen ins Uferlose hätten stürzen lassen, hätten wir über vieles nachdenken müssen. Zum Beispiel: Können sie den Euro weiter behalten?

Muss der Bürger für diese Krise zahlen?

Wagemann:Angenommen, die Griechen würden die Probleme jetzt nicht in den Griff bekommen und die Bürgschaften würden ziehen, dann müssten diese Bürgschaften erst einmal in einen Kredit umgewandelt werden. Es ist also immer noch nicht geschenkt. Erst, wenn Griechenland nicht mehr zahlen würde, dann würde es den deutschen Steuerzahler treffen. Was gerade passiert, ist auch eine Ertragschance. Und die Griechen bekommen die Bürgschaften nicht kostenlos.

Behrens:Es hat keinen Sinn, jetzt einen Zusammenbruch des wirtschaftlichen Raums herbeizureden oder das politische System in Frage zu stellen. Die Griechen müssen ihr staatliches System in Ordnung bringen. Und wenn sie das in Ordnung bringen, warum sollten sie dann nicht denselben wirtschaftlichen Erfolg haben wie Resteuropa auch?

Wagemann:Man darf auch nicht vergessen: Den Reichtum, den Erfolg und den Wohlstand unseres Landes haben unsere Handelspartner bezahlt.

Also, haben nicht wir die europäischen Nachbarn durchgefüttert, sondern sie uns?

Wagemann:Wenn man so will. Sie haben unsere Produkte gekauft.

Behrens:Wir haben Waren und Dienstleistungen geliefert, und wir haben von dem Preis profitiert.

Welche Anlagen sind jetzt sinnvoll? Gold, Immobilien, andere Währungen?

Behrens:Das muss jeder für sich selbst entscheiden. Aber eins muss man bei jeder Entscheidung berücksichtigen: Wer glaubt, er könne kurzfristig die richtige Entscheidung treffen, wird auf dem falschen Fuß erwischt. Man muss es immer langfristig sehen.

Wagemann:Das Sparbuch bei der Volksbank oder der Sparkasse ist krisensicher, bringt aber nicht allzu hohe Zinsen. Wenn jemand ein größeres Vermögen hat, macht es natürlich Sinn, dass man verschiedene Dinge berücksichtigt und vielleicht Geld in eine sichere Immobilie steckt oder vielleicht in Aktien investiert. Wenn einem zu hohe Renditen versprochen werden, ist da in der Regel etwas nicht in Ordnung.

Behrens:Der Goldpreis ist doppelt so hoch wie noch vor vier Jahren. Auch der Schweizer Franken ist im Moment teuer.

Müssen wir Angst vor einer Inflation haben?

Wagemann:Wer sagt denn, dass wir eine Inflation haben? Im Gegenteil: Wir müssen aufpassen, dass wir keine Deflation bekommen. Wir haben keine Inflation. Wir müssen alles daran setzen, unser Land stabil zu halten.

Behrens:So ist es. Die jetzige Herausforderung ist es, die öffentlichen Haushalte zu sanieren. Wenn das gelingt, brauchen wir keine Angst vor einer Inflation zu haben.

Wenn Sie auf die Haushalte in der Region Syke schauen, sind Sie da optimistisch gestimmt?

Wagemann:Bei unserem Landkreis sicher. Der hat es in den vergangenen Jahren hervorragend verstanden, sich zu entschulden und auf Konsolidierung zu setzen.

Behrens:Das ist wie bei privaten Haushalten. Ich kann nur das ausgeben, was ich an Einnahmen habe. Ich bin optimistisch gestimmt, denn die im Grundgesetz verankerte Schuldenbremse zwingt einfach die Politik dazu, nur noch das auszugeben, was auch eingenommen wird.

Ist denn eine Finanztransaktionssteuer sinnvoll?

Wagemann:Natürlich bringt sie etwas. Es ist aber nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Man müsste aber diese gesamte weltweite Millionen-Zockerei verbieten.

Behrens:Und das muss global passieren. EU und die internationalen Organisationen sind jetzt die Organisationen, die gefordert sind.

Wagemann:Wenn nur wir hier in Deutschland eine Finanztransaktionssteuer einführen, gehe ich an meinen Computer und mache meine Geschäfte über London. Alles was wir unternehmen, um dieses Problem einzugrenzen, können wir nur international machen.

Die Urlaubszeit steht vor der Tür. Sollte der Bürger jetzt in Länder fahren, die den Euro nicht als Währung haben?

Wagemann:In ganz Europa kann man Urlaub machen, und man kann sich sicher sein, dass Währung und Einkaufsmöglichkeiten betreffend alles normal läuft.

Behrens:Wenn wir den Ländern helfen wollen, dann fahren wir dort in den Urlaub.

Spricht man mit Vertretern von Kreissparkasse und Volksbank heißt es immer, es gibt keine Kreditklemme. Trotzdem klagen mittelständische und auch kleine Betriebe, dass sie keine Kredite bekommen. Sind die alle bei der falschen Bank?

Wagemann:Eine gute Hausbank lässt ihre Kunden nicht im Regen stehen. Wenn ein Unternehmer schon vor der Krise Probleme hatte, bekommt er jetzt natürlich nicht einfacher Geld oder Kredite.

Behrens:Wirtschaftlich gesunde mittelständische und kleine Betriebe, die Kunden bei Volksbank oder Sparkasse sind, klagen nicht über die Kreditklemme. Warum sollten die kein Geld bekommen? Das ist doch unser Geschäft.

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