Klosterhof-Wirt ist nach Einstellung der Ermittlungen erleichtert / Trotzdem will er Heiligenrode bald verlassen 'Das war ein Spießrutenlauf'

Stuhr-Heiligenrode. Das Gasthaus Klosterhof im Stuhrer Ortsteil Heiligenrode ist einer Brandstiftung zum Opfer gefallen - so viel steht fest. Vom Täter fehlt hingegen auch gut neun Monate nach dem Inferno jede Spur. Die Staatsanwaltschaft Verden hat die Ermittlungen, die sich auf den ehemaligen Gastwirt Claus Müller konzentrierten, inzwischen eingestellt. Der ist erleichtert - und spricht jetzt erstmals öffentlich darüber, wie er die Zeit seit dem 10. Juni 2009 erlebt hat.
19.03.2010, 13:50
Lesedauer: 3 Min
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Von Hauke Gruhn

Stuhr-Heiligenrode. Das Gasthaus Klosterhof im Stuhrer Ortsteil Heiligenrode ist einer Brandstiftung zum Opfer gefallen - so viel steht fest. Vom Täter fehlt hingegen auch gut neun Monate nach dem Inferno jede Spur. Die Staatsanwaltschaft Verden hat die Ermittlungen, die sich auf den ehemaligen Gastwirt Claus Müller konzentrierten, inzwischen eingestellt. Der ist erleichtert - und spricht jetzt erstmals öffentlich darüber, wie er die Zeit seit dem 10. Juni 2009 erlebt hat.

Müller wohnt noch immer in Heiligenrode, doch der Gang zur Klosterhof-Ruine fällt ihm schwer. 'Seit dem Brand bin ich wie gelähmt', erzählt er. 'Das ist für mich ein Trauma. In der Nacht ist mein Leben abgebrannt.' Sein Blick wandert über die Berge von Schutt. 'Das hier war die Bühne mit der Sektbar. Und da drüben war die Küche.' Die Fliesen sind vom Ruß geschwärzt. Aus dem ehemaligen Bierkühlraum wird von den Arbeitern des Abrissunternehmens gerade das Styropor entfernt. Müller wirkt geknickt. 'Schon traurig', sagt er. Dabei war diese Woche eigentlich erfreulich. Die Ermittlung wegen Brandstiftung gegen ihn wurde eingestellt. Polizei und Staatsanwaltschaft konnten keine Beweise für Müllers Täterschaft erbringen. So bleibt der Fall weiter ungeklärt.

Dass er überhaupt unter Verdacht geraten war, kann der Gastwirt nicht ganz nachvollziehen. Zweimal wurde er von der Polizei verhört. 'Die machen ja nur ihre Arbeit', sagt Müller zwar, aber dass mit dem Verdacht hat sich bei ihm eingebrannt. Denn nicht nur die Ermittler, auch viele Dorfbewohner hätten ihn für den Brandstifter gehalten, erzählt er. 'Das Schlimmste war das Getuschel hinter meinem Rücken', erklärt Müller. 'Das war ein Spießrutenlauf.' Viele hätten sich nicht getraut, ihn direkt anzusprechen.

Dass er selbst den Klosterhof in Schutt und Asche gelegt hat, bestreitet Müller vehement. 'Ich bin in dem Haus aufgewachsen. Keiner ist doch so blöd, seine eigene Bude anzuzünden.' Und der Heiligenroder führt ein Argument ins Feld, das viele gegen ihn verwenden - die Frage der Versicherung. 'Ich war zu dem Zeitpunkt schon insolvent, die Kosten waren einfach zu hoch. Am Ende konnte ich nicht einmal die Versicherungsprämien bezahlen, da konnte ich doch gar nicht wissen, ob das Gebäude überhaupt noch versichert war.'

Viele Unterstützer

Die Nacht zum 10. Juni 2009 hat sich laut Claus Müller wie folgt abgespielt: Zunächst sei er noch in der benachbarten Klosterschänke gewesen, mit dessen Wirt er befreundet sei. Anschließend habe er noch einen Spaziergang gemacht. Als er dann die Treppe zu seiner Wohnung im Klosterhof hochgehen wollte, habe er Brandgeruch bemerkt. 'Dann bin ich nach draußen, und von dort konnte ich sehen, dass es im Dachgeschoss brannte.' Kurz nach Pastor Roland Kennerknecht, der den Brand zuerst gemeldet hatte, habe auch er einen Notruf abgesetzt. Doch der Klosterhof konnte nicht mehr gerettet werden, brannte bis auf die Grundmauern ab.

In der Folge hätten sich einige Leute von ihm abgewandt, erzählt Müller, andere hätten ihn aber auch unterstützt. 'Heinz Nobel und seine Familie haben zum Beispiel noch in der Nacht Klamotten für mich vorbeigebracht. Die direkten Nachbarn haben sich auch sehr um mich gekümmert.' Müller dankt den vielen Helfern: 'Familie Meyer aus Neubruchhausen, Familie Warnken aus Neukrug, Familie Böse und Familie Albers, die ehemaligen Mitarbeiter - sie waren mir alle eine Stütze.' Vom Rasierapparat bis zum Hemd musste schließlich alles neu angeschafft werden, auch fast sämtliche Dokumente waren verbrannt.

Die Zusammenarbeit mit dem Insolvenzverwalter laufe gut, erzählt Claus Müller. Er hofft, dass nach der Einstellung der Ermittlungen gegen ihn nun auch die Versicherung für den Schaden aufkommt. Dann würden zunächst die Interessen der Gläubiger bedient, die noch auf Zahlungen im sechsstelligen Bereich warten. Schließlich könnte auch noch Geld für Müller übrig bleiben - für einen echten Neustart. Den würde der Gastronom dann aber nicht in seinem Heimatort wagen. 'Wenn die Sache hier erledigt ist, werde ich wohl ins Ausland zu Freunden gehen. Die haben mir auch schon Arbeit angeboten.' Das sei aber alles noch Zukunftsmusik, betont der 57-Jährige. 'Ich möchte Gras über die Sache wachsen lassen. In Heiligenrode fühle ich mich aber einfach nicht mehr wohl.'

Claus Müller hatte die Traditionsgaststätte, die sich seit Anfang des vergangenen Jahrhunderts in Familienbesitz befand, seit 1978 geführt. Sein Vater hatte den Betrieb zuvor 1948 von dessen Vater übernommen. Müller hat nach eigenen Angaben keinerlei Verdacht, wer den Klosterhof auf dem Gewissen haben könnte. 'Ich habe jedenfalls keine Feinde, die so etwas machen würden', sagt er.

Während der Abrissbagger verkohlte Balken abräumt, wandert Müllers Blick noch einmal über die Ruine. Die Ermittlungen gegen ihn sind zwar eingestellt. Aber vergessen kann der Gastwirt die letzten neun Monate nicht.

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