Eugen de Porre ist seit 60 Jahren in der FDP / Die Stuhrer FDP mag er, die Bundespartei nicht so "Dem gehört was an die Ohren geschlagen"

Er ist schon eine treue Seele, der Eugen de Porre. Seit 60 Jahren ist er in der FDP. Sein Eintritt damals, im Jahr 1951, war eine Reaktion auf die durchlebte Nazi-Zeit. Später lernte er den Bremer Bürgermeister und Senator Theodor Spitta kennen und schätzen. Einem ehemaligen Bundesvorsitzenden hingegen hätte er am liebsten eine Ohrfeige verpasst.
14.12.2011, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Markus Tönnishoff

Er ist schon eine treue Seele, der Eugen de Porre. Seit 60 Jahren ist er in der FDP. Sein Eintritt damals, im Jahr 1951, war eine Reaktion auf die durchlebte Nazi-Zeit. Später lernte er den Bremer Bürgermeister und Senator Theodor Spitta kennen und schätzen. Einem ehemaligen Bundesvorsitzenden hingegen hätte er am liebsten eine Ohrfeige verpasst.

Stuhr-Moordeich. "Ich wollte nicht, dass eine Partei wieder das große Sagen hat", erinnert sich Eugen de Porre an seine Motivation, vor 60 Jahren in die FDP einzutreten. Denn dass eine Partei alles bestimmt, das hatte de Porre in der Nazi-Zeit erleben müssen. Den Krieg überlebte er als Offizier und landete in der Sowjetischen Besatzungszone, aus der später die DDR werden sollte. 1946 gelangte er in den Westen. "Die Sowjets wollten alle Offiziere internieren, dass hätte mir auch gedroht", sagt der 95-Jährige. In Sindelfingen erlernte er das Web-Handwerk, 1954 verschlug es ihn nach Bremen. Dort lernte er ein FDP-Mitglied kennen - und trat kurze Zeit später auch ein. "So habe ich auch den damaligen zweiten Bürgermeister und Justizsenator Theodor Spitta kennengelernt." Spitta zog sich 1955 aus der aktiven Politik zurück. "Er wohnte wie ich in Schwachhausen, ich habe ihm dann manchmal geholfen, wenn er Hilfe brauchte."

Für die Bürgerschaft oder den Bundestag wollte de Porre nie kandidieren. "Die Basisarbeit hat mir mehr Spaß gemacht." In den Bremer Ortsteilen sei die Partei sehr aktiv gewesen und habe sich zum Beispiel um Jugendliche gekümmert. "Die mussten ja von der Straße." In den bürgerlichen Stadtteilen wie zum Beispiel Borgfeld, Horn und Schwachhausen habe die Partei damals viel Zuspruch bekommen, aber "die SPD hatte den großen Mann: Wilhelm Kaisen". Und den mochte auch de Porre. "Kaisen war ein offener Mann, und er war sehr gut mit Theodor Heuss befreundet."

1966 siedelte de Porre nach Moordeich über und wurde somit Mitglied der FDP in Stuhr. Von der hält er immer noch viel. "Jürgen Timm tut sehr viel. Ihm geht es immer und das Wohl der Gemeinde und um die Sache", sagt de Porre. Andere Parteimitglieder kommen bei ihm nicht so gut weg. "Als ich damals den Guido Westerwelle mit seinem ,Guido-Mobil' gesehen habe, da habe ich gedacht, dass dem was an die Ohren geschlagen gehört", schimpft er. Und da er gerade gut in Fahrt ist, geht es auch gleich weiter: "Oder schauen Sie sich den Rösler an. Man weiß heute nicht, was die FDP eigentlich will. Ich frage mich, ob sie das selber weiß." Die frühere FDP sei ganz anders gewesen als die heutige.

Doch nun mal Hand aufs Herz: Wenn er so lange in der FDP ist, hat er sie dann auch immer gewählt? "Ja", sagt der Moordeicher, "auf Gemeindeebene", fährt er fort. Aber bei Bundestagswahlen habe er sein Kreuzchen nicht immer bei den Liberalen gemacht. "Da habe ich manchmal abgewogen, ob es sich lohnt, und auch mal eine andere Partei gewählt. Ich bin kein 110-Prozentiger."

Und deshalb schaut de Porre auch in den anderen Parteien nach dem Personal. "Vor manchen in der SPD ziehe ich meinen Hut." Vor wem denn? "Vor Peer Steinbrück zum Beispiel. Dem nehme ich ab, dass er das, was er sagt, auch umsetzen will. Aber natürlich muss auch er sich an die Parteilinie halten."

Fragt man de Porre, ob er schon mal darüber nachgedacht hat, aus der FDP auszutreten, erntet man ein Lachen. "Ja und nein", sagt er dann. Er sei nun schon so lange dabei, warum solle er jetzt noch austreten? Und wenn er austreten würde, wo solle er denn dann hin? "In die CDU? In die Linke? In die SPD? Das ist doch alles nichts", findet er.

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