Ana Cristina Santillan aus Mexiko absolviert gerade ein halbes Jahr als Austauschschülerin in Leeste Den Unterschieden auf der Spur

Weyhe-Leeste. Der Galaauftritt kam genau zum richtigen Zeitpunkt: Am Wochenende erzielte Lukas "Prinz Poldi" Podolski mit einem Traumtor den Siegtreffer für seinen 1. FC Köln. Perfektes Timing. Denn seit ein paar Tagen weilt der vermutlich größte Podolski-Fan Mittelamerikas in Deutschland, genauer: in der Gemeinde Weyhe. Ana Cristina Santillan kommt aus Monterrey aus dem Norden Mexikos. Die 17-Jährige bleibt voraussichtlich noch bis Juli bei Familie Tülp in Leeste.
03.03.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von NILS HARTUNG

Weyhe-Leeste. Der Galaauftritt kam genau zum richtigen Zeitpunkt: Am Wochenende erzielte Lukas "Prinz Poldi" Podolski mit einem Traumtor den Siegtreffer für seinen 1. FC Köln. Perfektes Timing. Denn seit ein paar Tagen weilt der vermutlich größte Podolski-Fan Mittelamerikas in Deutschland, genauer: in der Gemeinde Weyhe. Ana Cristina Santillan kommt aus Monterrey aus dem Norden Mexikos. Die 17-Jährige bleibt voraussichtlich noch bis Juli bei Familie Tülp in Leeste.

Die Idee entstand bei der Zeitungslektüre. Claudia Tülp las einen Artikel über Austauschstudenten - und entschied sich, Kontakt zu einer Agentur aufzunehmen. Im September 2010 schickte sie die Unterlagen ein, ein knappes halbes Jahr später ist Ana da. Ihre ersten Eindrücke? Man hätte darauf kommen können. "Es ist wirklich kalt", findet die Mexikanerin. Außerdem sei sie sehr gut aufgenommen worden an der KGS Leeste.

Sie hat sich extra für einen kleinen, übersichtlichen Ort entschieden. Einen Ort wie Weyhe. "Ich möchte die Unterschiede genau kennenlernen", verrät Ana. Und die könnten kaum größer sein. Der Großraum Monterrey hat etwa fünf Millionen Einwohner, erzählt die Schülerin. Die Stadt, die nahe zur Grenze der Vereinigten Staaten liegt, ist oft Schauplatz von Gang-Auseinandersetzungen, Schießereien und Drogenschmuggel. "Wenn man im Bett liegt, hört man oft Schüsse", sagt Ana. Sie kennt aber nicht nur die Großstadt: Ihre Oma wohnt auf dem Land bei Monterrey. "Es ist dort ganz anders als hier. Wenn man dort etwas braucht, muss man immer in die Stadt fahren. In Weyhe hat man alles vor Ort, obwohl es gar keine Stadt ist", findet sie.

Vorbereitung in Ostfriesland

Bevor Ana in die Familie Tülp kam, absolvierte sie ein vierwöchiges Vorbereitungstraining in Leer in Ostfriesland. Schon da stellte sie fest, dass "die Deutschen" besser sind als ihr Ruf. "In Mexiko denken viele, die Deutschen seien sehr kalt. Aber das ist überhaupt nicht wahr", lobt die Austauschschülerin. Sie macht sich mit ihren Weyher Mitschülern oft auf den Weg nach Bremen, dann geht es ins Kino oder ins Café. Auch mit ihrer Gastfamilie kommt Ana gut klar. "Auch wenn es natürlich immer ein bisschen dauert, bis man sich richtig aneinander gewöhnt hat", betont Claudia Tülp.

Richtig gewöhnt hat sich der Gast aus Mittelamerika schon an die deutsche Sprache. "Vorgestern ist sie die Treppe heruntergekommen und hat gesagt: ,Kann ich die Telefonnummer von meinem Zimmer haben?'", erzählt Claudia Tülp, "komplett richtig und sogar mit ,bitte'". Ana möchte Deutsch lernen, weil sie später gerne als Botschafterin arbeiten will. Und dazu müsse man drei bis fünf Sprachen beherrschen, sagt sie. "Ihre Sätze sind schon sehr viel sicherer geworden", lobt die Gastmutter. Der Anfang ist also gemacht.

Einige Pläne für die kommenden fünf Monate sind auch schon geschmiedet: Nach Bremerhaven soll es noch gehen, ein Ausflug in die Niederlande steht auf dem Programm. Und mit ihrer Klasse fährt Ana nach Brüssel - ein gutes Ziel für eine angehende Diplomatin. Eigentlich wollte sie auch noch ihre Schwester besuchen, die in Marseille studiert. Mal schauen, ob das noch in den Terminplan passt. Denn Anas drei beste Freunde sind zurzeit ebenfalls in "Alemania": Eine wohnt in der Nähe von Stuttgart, eine in der Nähe von Frankfurt und eine bei München. Da stehen auf jeden Fall noch Stippvisiten an.

Ab März wird es auch auf dem Fußballrasen ernst für die Mexikanerin. Seit ein paar Tagen trainiert sie in der Damenmannschaft des TSV Weyhe-Lahausen mit. "Ich spiele im Mittelfeld", verrät die 17-Jährige. Ein Einsatz im Punktspiel blieb ihr bisher aber noch verwehrt: Der nötige Spielerpass ist noch nicht in Weyhe eingetroffen. Ein bisschen deutsche Bürokratie muss dann wohl doch sein.

Dafür ist Ana bestimmt voller Inspiration, wenn es auf den Platz geht. Dafür hat spätestens "Prinz Poldi" mit seinem Traumtor gesorgt. Und zwar auch, wenn Claudia Tülp sicher ist: "Aus dir mache ich noch einen Werder-Fan." Schau'n mer mal...

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