Reaktionen auf neuen Personalausweis im Nordkreis 'Der Alte' ist momentan der Renner

Landkreis Diepholz. Auf ein geteiltes Echo stößt die geplante Einführung des neuen elektronischen Personalausweises im Nordkreis. Die Meinungen reichen von 'ganz schön teuer' bis 'Hauptsache schön klein'.
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Von Hauke Gruhn

Landkreis Diepholz. Auf ein geteiltes Echo stößt die geplante Einführung des neuen elektronischen Personalausweises im Nordkreis. In den Bürgerbüros zwischen Stuhr und Twistringen ist der Andrang schon jetzt, gut eine Woche vor seiner Einführung groß - allerdings gerade deshalb, weil viele Menschen sich noch schnell den alten und deutlich günstigeren Ausweis sichern wollen. Am 'Neuen' scheiden sich die Geister: Die Meinungen reichen von 'ganz schön teuer' bis 'Hauptsache schön klein'.

Rund doppelt so viele Personalausweisanträge wie üblich verzeichnet momentan Andreas Brinkmann, Sachbearbeiter beim Bürgerservice der Stadt Bassum. 'Viele wollen noch den alten Ausweis haben', berichtet er. Seine Vermutung: 'Da spielt wohl auch der Preis eine Rolle.' Während der neue Personalausweis 28,80 Euro kosten wird, ist der alte schon für acht Euro zu bekommen. Der ermäßigte Satz für junge Leute beträgt künftig 22,80 Euro. 'Aber den müssen dann auch schon 16-Jährige bezahlen', klärt Brinkmann auf. 'Die höheren Kosten sind schon ein großes Thema', hat er beobachtet.

Auch Datenschutzbefürchtungen gibt es in der Bevölkerung. 'Manche trauen dem neuen Medium noch nicht über den Weg', erzählt Andreas Brinkmann. 'Aber das ist unbegründet. Der Bürger entscheidet schließlich selbst, was er will.' Weder das Abgeben eines Fingerabdrucks sei Pflicht, noch die Aktivierung des elektronischen Ausweises, betont der Sachbearbeiter im Bassumer Rathaus. Eine gute Nachricht für das Portemonnaie des Bürgers hat er auch gleich noch parat: 'Die vorläufigen Personalausweise werden billiger - zehn statt zwölf Euro.'

Auf höchst gegensätzliche Reaktionen bei ihrer Kundschaft kann Elena Albertin, Sachbearbeiterin im Syker Bürgerbüro, verweisen. 'Die einen sind total happy und wollen den neuen Ausweis sofort haben. Vor allem die älteren Bürger sind aber skeptisch und befürchten, dass sie zum gläsernen Bürger werden.' Auch Elena Albertin hat beobachtet, dass sich der Gerüchtenebel um das neue Dokument im Scheckkartenformat noch nicht verzogen hat: 'Die meisten Leute denken noch immer, dass der Fingerabdruck jetzt zur Pflicht wird.' Auch über die neue Chipfunktion im Ausweis würden sie und ihre Kollegen derzeit bereits jede Menge Aufklärungsarbeit leisten. 'Wir erzählen, wie man sich damit im Internet identifizieren kann - und auch, dass die Funktion überhaupt nicht aktiviert werden muss, wenn es nicht gewollt ist.'

Das Misstrauen gegenüber dem neuen 'Perso' hat in Syke auch schon kuriose Blüten getrieben, wie Elena Albertin verrät. 'Es waren bereits Leute da, deren aktuelle Ausweise noch bis 2018 gültig sind. Die überlegen ernsthaft, schon jetzt einen neuen Personalausweis im alten Format zu beantragen - damit sie ihn bis 2020 behalten können.' Insgesamt reichten die Reaktionen auf den neuen elektronischen Personalausweis von 'ganz schön teuer' bis 'Hauptsache schön klein'.

'Der Andrang ist deutlich größer geworden', berichtet derweil Eva Dierkes. Sie ist Teamkoordinatorin im Weyher Bürgerservice und somit auch für die Beantragung und Ausgabe von Personalausweisen verantwortlich. Auch in Weyhe fallen die Reaktionen auf die 'technische Revolution' unterschiedlich aus. 'Viele sagen: ,Die neuen Funktionen brauche ich nicht?', erzählt Eva Dierkes. 'Andererseits ist es aber auch eine Kostenfrage.' Es sei schon eine Herausforderung, alle neuen Funktionen zu erklären. 'Aber das kriegen wir hin', ist sich die Teamkoordinatorin sicher. 'Ob es am 1. November auch einen großen Andrang auf den neuen Personalausweis geben wird, müssen wir einfach abwarten.'

Von Datenschutzbedenken der Bürger in Bruchhausen-Vilsen hat Andrea Forthmann, Sachbearbeiterin im Bürgerbüro der Samtgemeinde, noch nichts mitbekommen. 'Es gibt auch durchaus ältere Menschen, die den neuen Ausweis mit seinen technischen Möglichkeiten beruflich nutzen wollen', sagt sie. Der alte Ausweis sei in den vergangenen zwei, drei Wochen auch in Bruchhausen-Vilsen sehr stark nachgefragt worden. Ein klarer Trend lasse sich daraus aber nicht ableiten: 'Manche wollen den alten Ausweis, andere wollen sogar extra noch bis zum 1. November warten.' Mit dem Fingerabdrucknehmen kennt sich Andrea Forthmann für den Fall der Fälle schon aus: 'Bei den Reisepässen ist das ja im Gegensatz zum neuen Personalausweis schon länger Pflicht.'

In Twistringen ist der alte Personalausweis derzeit - wie andernorts auch - der große Renner. Eine starke Verunsicherung bei ihren Kunden haben die Mitarbeiter im dortigen Bürgerservice aber nicht ausmachen können. Zwar würden die alten 'Persos' verstärkt nachgefragt, das aber eher aus Kosten- denn aus Datenschutzgründen.

Gespannt blickt Andreas Leder, Fachdienstleiter Bürgerservice bei der Gemeinde Stuhr, dem 1. November entgegen. 'Über viele Dinge haben auch wir erst auf den letzten Drücker Informationen bekommen', sagt er. Dennoch sei man gut vorbereitet. 'Zurzeit ist die Lage noch relativ ruhig. Ob sich das ändert, wenn der neue Ausweis kommt, ist schlecht abzuschätzen.' Leder rechnet allerdings schon mit deutlich längeren Bearbeitungs- und damit Wartezeiten für den Bürger. 'Antrag und Ausgabe zusammen dauern bisher vielleicht acht Minuten, künftig werden das rund 25 Minuten sein.' Der Grund: 'Es hängt deutlich mehr dran. Wir müssen alles erklären, die Bürger müssen ja informiert werden, was sie da unterschreiben.' Auch das Freischalten von technischen Funktionen werde zusätzliche Zeit in Anspruch nehmen, so Leder. 'Den neuen kann man kaum mit dem alten Ausweis vergleichen.'

Zwischen Antragstellung und Ausgabe des neuen Ausweises würden sieben bis zehn Tage liegen, vermutet der Fachdienstleiter. 'Zumindest in der Anfangszeit.' Aus seiner Sicht lohne sich der Aufwand aber. Und er gibt zu bedenken: 'Am Ende werden diejenigen in der Minderheit sein, die noch nicht den neuen Personalausweis mit all seinen technischen Möglichkeiten haben.'

Mehr Informationen gibt es auf den Internetseiten der Kommunen sowie unter www.personalausweisportal.de

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