100 Stuhrer zu Besuch in Ecommoy Deutsche und Franzosen feiern erstes Kennenlernen vor 40 Jahren

Stuhr·Ecommoy. Dass aus einem kleinen Schüleraustausch einmal eine umfangreiche Städtepartnerschaft werden würde, daran hätte vor 40 Jahren wohl noch niemand im Traum gedacht. Doch was zwischen Heiligenrode und Laigné-en-Belin und St. Gervais-en-Belin begann, ist heute eine rege Partnerschaft zwischen der Gemeinde Stuhr und dem Canton d'Ecommoy. Grund genug für eine ordentliche Feier - und deshalb brechen heute Morgen etwa 100 Stuhrer samt Bürgermeister Cord Bockhop in die französische Partnerkommune auf.
21.05.2010, 06:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Claudia Gilbers

Stuhr·Ecommoy. Dass aus einem kleinen Schüleraustausch einmal eine umfangreiche Städtepartnerschaft werden würde, daran hätte vor 40 Jahren wohl noch niemand im Traum gedacht. Doch was zwischen Heiligenrode und Laigné-en-Belin und St. Gervais-en-Belin begann, ist heute eine rege Partnerschaft zwischen der Gemeinde Stuhr und dem Canton d'Ecommoy. Grund genug für eine ordentliche Feier - und deshalb brechen heute Morgen etwa 100 Stuhrer samt Bürgermeister Cord Bockhop in die französische Partnerkommune auf.

Zustande gekommen ist der Kontakt zwischen den Heiligenrodern und den Franzosen durch die Kriegsgräberpfleger. Eine Gruppe von Menschen aus der Region fuhr regelmäßig nach Frankreich, um dort die Gräber der gefallenen Soldaten zu pflegen. Dadurch kam der Kontakt zu den Einheimischen zustande. 'Sie haben wohl gedacht, da muss etwas anderes passieren', sagt Jürgen Timm, Vorsitzender des Deutsch-Französischen Partnerschaftsvereins Stuhr. Zuerst seien die Franzosen dann bei den Familien der Heiligenroder Volksschüler zu Gast gewesen.

So kam es 1970 zum ersten Austausch zwischen Schülern der Volksschule Heiligenrode und Schülerinnen einer Hauswirtschaftsschule in Frankreich. 'Das war damals noch etwas ganz anderes als heute', sagt Iris Rose, dessen Vater Arthur Rose als damaliger Bürgermeister von Heiligenrode den Austausch mit auf den Weg brachte. Die Begriffe Freundschaft und Versöhnung hätten damals noch eine ganz andere Bedeutung gehabt.

1974 bei der Gebietsreform ist die Freundschaft der Kommunen dann auch vertraglich festgehalten worden. 'In dem Vertrag steht, dass die Freundschaft ausgeweitet werden soll', weiß Jürgen Timm. Danach sei alles ganz schnell gegangen. Bald beteiligte sich zum Beispiel auch der TSV Heiligenrode am Austausch. Und für die Beständigkeit der Freundschaft spricht, dass die Kontakte heute noch bestehen und munter weiter gepflegt werden.

Doch das Projekt wurde auf noch breitere Beine gestellt. 1977 unterzeichneten Vertreter der Gemeinde Stuhr, zu der dann Heiligenrode gehörte, und des Cantons d'Ecommoy, zu dem Laigné-en-Belin und St. Gervais-en-Belin zählen, in Frankreich den offiziellen Partnerschaftsvertrag der Kommunen.

Auch Polen sind dabei

Der Kontakt riss seitdem nicht mehr ab - im Gegenteil: Immer mehr Vereine, Gruppen und Institutionen auf beiden Seiten beteiligen sich an dem Austausch. Einige Gruppen sind deshalb jetzt auch unter den Reisenden, die gerade von Stuhr auf dem Weg nach Ecommoy sind - darunter Vertreter des TuS Varrel, der Concert-Chorgemeinschaft, des Familienaustauschs, der Feuerwehr, der Musikfreunde und der Jazzcombo der KGS Brinkum. Auch einige Vertreter des Gemeinderats sind mit dabei. Dazu sind einige Vertreter aus dem polnischen Ostrzeszów, einer weiteren Partnerstadt von Stuhr, mit von der Partie. 'Die Altersspanne reicht von 13 bis 80 Jahren', beschreibt Timm die Reisegruppe.

Ecommoy liegt etwa 1100 Kilometer von Stuhr entfernt, dementsprechend dauert die Fahrt etwa zwölf bis 13 Stunden, schätzt Timm. Viel Zeit zum Verschnaufen haben die Deutschen jedoch heute Abend bei der Ankunft nicht: Bereits um 19 Uhr steht ein Empfang im Rathaus von Laigné- en-Belin auf dem Programm. Anschließend geht es dann in die Gastfamilien, größtenteils bereits gut Bekannte der Stuhrer von vorherigen Begegnungen.

'Programm eng geschnallt'

'Das Programm ist eng geschnallt, wir sollen alle besuchen', sagt Timm. Der Sonnabend startet für die Gruppe mit einem Besuch der Gemeinde Saint Gervais-en-Belin. Nach dem Mittagessen geht es weiter nach Teloché, einer weiteren Gemeinde, die zu Ecommoy gehört. Mit Saint Mars d?Outillé werden die Stuhrer noch einer weiteren Mitgliedgemeinde einen Besuch abstatten, ebenso wie der Gemeinde Ecommoy selbst. Dort werden die Stuhrer Musiker am Abend auch auftreten. Die Reise durch die Kommune geht dann am Sonntag weiter. Zuerst wird die Gruppe Marigné Laillé einen Besuch abstatten, dann Brette les Pins. Dort steht am Abend wieder ein großes Konzert auf dem Programm, gestaltet von französischen und deutschen Musikern. Anschließend beginnt dann zum Abschluss ein großes Fest. Am Montag machen sich die Stuhrer wieder auf den Heimweg.

Mit nach Frankreich fährt auch Iris Rose, auch ihr schon verstorbener Vater war einige Male mit in Ecommoy - obwohl er sonst nicht besonders viel gereist ist, wie die Tochter des ehemaligen Heiligenroder Bürgermeisters verrät. Darüber, dass der Austausch sich so gut entwickelt hat, habe sich Arthur Rose sehr gefreut. 'Er hat das nie für selbstverständlich gehalten', sagt Iris Rose.

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