Gästeführer Die Frau für außerordentliche Angelegenheiten

Wasserspiele planen, eine Minigolfbahn bauen oder gleich eine ganze Geisterbahn entwickeln? Für Erika Klein ist das kein Problem. Sie bei den Weyher Gästeführern für die Aktionen außer der Reihe zuständig.
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Die Frau für außerordentliche Angelegenheiten
Von Annika Lütje

Wasserspiele planen, eine Minigolfbahn bauen oder gleich eine ganze Geisterbahn entwickeln? Für Erika Klein ist das kein Problem. Das ist auch gut so: Denn da sie es nach eigener Aussage mit Kirchen und ähnlichem nicht so hat, ist sie bei den Weyher Gästeführern für die Aktionen außer der Reihe zuständig.

Bei den Weyher Gästeführern ist Erika Klein die Frau für die außerordentlichen Angelegenheiten. So sagt es die 58-Jährige selbst. Denn eigentlich macht sie gar keine richtigen Gästeführungen – ihre Hauptaufgabe ist nicht die Vermittlung von Wissen, sondern der Spaß.

Als Erika Klein 1988 mit ihrem Mann und ihren zwei Töchtern nach Leeste zog, war ihr das neue Zuhause völlig fremd – und daran hat sich einige Jahre lang nicht viel geändert. Ihr Mann war und ist beruflich viel unterwegs. Lange Zeit war unklar, ob und wann die Familie wieder einmal umziehen müsste. „Als wir dann beschlossen hatten, dass wir hier bleiben, habe ich in der Zeitung eine Ankündigung für ein Gästeführer-Seminar gesehen“, erzählt Klein.

Wie alle anderen in dem Kurs auch, ging sie dorthin, um mehr über die Region zu erfahren, in der sie nun schon länger lebte. „Allein deshalb hatte sich das Seminar schon unheimlich gelohnt“, sagt sie. „Danach wurden wir alle so ein bisschen überredet, nun doch auch Gästeführerin zu werden. Ich wandte ein, dass ich mit Kirchen und so weiter aber nichts am Hut habe. Aber das machte nichts – statt für Führungen wurde ich für Projekte eingeplant“, ergänzt Klein.

Und so gehört sie seit 2010 zu den Weyher Gästeführern. „Ich werde geduldet“, sagt sie – mit einer gewissen Koketterie. Immerhin helfen ihr die anderen Gästeführerinnen immer liebend gern, wenn es an die Vorbereitungen für ihre Aktionen geht. „Ich bin auf deren Hilfe angewiesen, und ich hatte auch noch nie das Gefühl, dass ich sie damit nerve“, berichtet Klein und fügt augenzwinkernd hinzu: „Ich weiß aber auch, wie man Leute ködern kann.“

Und noch ein anderes Talent kommt ihr bei den Vorbereitungen für ihre Angebote zugute: ihr handwerkliches Geschick. Da werden Wasserspiele für die Ferienkiste entwickelt und Blackboxes gebaut, in die man blindlings seine Hand steckt und deren Inhalt erfühlt. Da wird eine Minigolfbahn für den Tisch konstruiert. Und wenn sie schon dabei ist, entwickelt Erika Klein auch noch gleich eine ganze Geisterbahn für Fußgänger – wie für den Tag der Weyher Kinder im vorigen Jahr. „Da habe ich einen sieben Meter langen Hexentunnel geplant, durch den letztlich 223 Kinder gegangen sind – und sogar ein paar Erwachsene“, erzählt sie. „Aber ich habe auch einen Vorteil: Ich war Wirtschaftsingenieurin“, ergänzt sie.

Und so kann Erika Klein bereits auf einige Aktionen zurückblicken – beziehungsweise außerordentliche Angelegenheiten. „Mein erstes Projekt war 2011 eine Rallye für Jung und Alt. Das war auch mein Prüfungsthema im Seminar“, erzählt sie, und weiter: „Da mussten die Teilnehmer Spiele mitmachen wie zum Beispiel Bikinis und Badehosen nähen und die vorführen oder den Gordischen Knoten lösen.“

Nach ihrer Foto-Rallye zum Thema „Wie gut kennst Du Weyhe?“, stellte man fest, dass es noch gar keine Fahrradtour durch die Gemeinde gab. Da war mal wieder Kleins Entwicklungsgeist gefragt. Gesagt, getan: In zwei Teilen wurde der fertige Radrundweg „Weyher Tour“ im vergangenen und in diesem Jahr als Gästeführung angeboten und ist für jedermann mit dem Drahtesel befahrbar.

Fürs kommende Jahr hat sich Erika Klein vom Rad auf die Füße verlagert: Dann sollen zwei Wanderungen angeboten werden, die sie entwickelt hat. „Man glaubt ja gar nicht, dass man in Weyhe ist, wenn man die Wanderwege sieht, die durch die verschiedenen Ortsteile führen“, sagt sie begeistert. Auch für die Kinder hat sie eine Idee, die ihr schon länger unter den Nägeln brennt: „Ich möchte eine Rathaus-Rallye planen, bei der die Kinder fiktive Arbeitsaufträge erhalten wie einen Hund anzumelden oder ein Grundstück zu kaufen“, erklärt Klein.

Schließlich gibt es reichlich Bedarf, seine Heimatgemeinde und deren Abläufe kennenzulernen – auch immer noch für Erika Klein. „Aber seit ich Gästeführerin bin, fühle ich mich schon viel heimischer in der Gemeinde“, sagt sie.

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