Comedian John Doyle kommt mit seinem aktuellen Programm nach Twistringen / Interview gibt Einblicke Draußen nur Kännchen

Seit 14 Jahren lebt er in Deutschland. Bekannt wurde er durch die Fernsehsendung 'Star Search' 2003, bei der unter anderem Komödianten gesucht wurden. Und nun kommt der Comedian John Doyle am 6. November mit seinem Soloprogramm 'Don?t worry, be German' nach Twistringen. Um 20 Uhr beginnt die Vorstellung in der Aula des Gymnasiums. Der 47-jährige lebt gerne in Deutschland, doch brauchte er Zeit, sich an das Leben hier zu gewöhnen. Mit Julia Soostmeyer sprach er über sein Programm.
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Seit 14 Jahren lebt er in Deutschland. Bekannt wurde er durch die Fernsehsendung 'Star Search' 2003, bei der unter anderem Komödianten gesucht wurden. Und nun kommt der Comedian John Doyle am 6. November mit seinem Soloprogramm 'Don?t worry, be German' nach Twistringen. Um 20 Uhr beginnt die Vorstellung in der Aula des Gymnasiums. Der 47-jährige lebt gerne in Deutschland, doch brauchte er Zeit, sich an das Leben hier zu gewöhnen. Mit Julia Soostmeyer sprach er über sein Programm.

Frage: Herr Doyle, haben Sie schon einmal was von Twistringen gehört?

John Doyle: Ja, andere Komiker haben mir von dem Städtchen erzählt. Naja, es ist kein New York oder London.

Wie ist es denn zu dem geplanten Auftritt in Twistringen gekommen?

Meine Agentur hat den Kontakt geknüpft. Die wollten mich da scheinbar unbedingt haben. Ich finde es toll, dass ich durch meinen Job an solche Orte komme. Von mir aus würde ich sie nie besuchen. Die Auftritte in solch kleinen Städten sind immer die, an die man sich am besten erinnert. Die Leute sind dort netter und die Zeiten vor und nach den Auftritten sind wegen der Gespräche mit den Leuten immer die besten Zeiten.

Ihr aktuelles Programm heißt 'Don?t worry, be german'. Was kann das Publikum erwarten? Was verbirgt sich hinter dem Titel?

Es ist ein Programm zu meinem neuesten Buch. Das ist vor etwa einem halben Jahr erschienen. Ich beschreibe Deutschland aus Sicht eines Ausländers. Wie die Deutschwerdung abläuft und wie ich mich selbst dabei beobachte. Natürlich ist das alles mit einem Augenzwinkern zu betrachten. Man denkt immer, dass man noch sehr amerikanisch ist, bis man merkt, wie deutsch man doch eigentlich schon ist. Ich wollte immer ein Teil Deutschlands sein. Die positiven Sachen, wie die Krankenversicherung oder die Anzahl der Urlaubstage begeistern mich. In Amerika hat man nur 16 Urlaubstage und die Amerikaner verbringen mehr Zeit auf dem Klo als im Urlaub. Das hat eine Studie gezeigt. Man ist auch schnell im Ausland. Ich bin zum Beispiel von meinem Wohnort aus innerhalb einer Stunde im Ausland. Das finde ich toll. In Amerika sind die Grenzen so weit. Bis Kanada fährt man 15 Stunden.

Wann haben Sie sich denn das erste Mal deutsch gefühlt?

Das weiß ich noch genau: Ich saß draußen in einem Café. Ich wusste ja, dass draußen nur Kännchen Kaffee serviert werden und keine Tassen. Eine andere Besucherin wollte eine Tasse bestellen und ich sagte ihr, dass es draußen nur Kännchen gäbe. Da habe ich gemerkt, wie deutsch ich schon war.

Was empfinden Sie als typisch deutsch?

Die Genauigkeit und den Perfektionismus. Die Deutschen machen sich immer viel Stress, wo eigentlich keiner ist. Sie wollen alles perfekt haben. Ist etwas nicht perfekt, dann ist es nicht ordentlich. Ist es nicht ordentlich, dann ist es furchtbar. Typisch deutsch ist für mich, sich an Sachen festzubeißen, die nicht funktionieren. Eine Zeit lang dachte ich, Deutschland sei ein Hartz-IV-Land. Im Fernsehen war man mit den ganzen Sendungen immer mit dem Thema konfrontiert und es wurde immer schlimmer geredet. Deutschland ist aber eines der reichsten Länder der Welt. Die Deutschen haben immer einen Hang zum Pessimismus, für sie ist alles halb leer, nicht halb voll. Die Deutschen stolpern von einem Chaos ins nächste. Ob Jobchaos, Bildungs-chaos oder Finanzchaos. Alles wird dramatisiert. Ich weiß noch Anfang des Jahres, da sagte jemand zu mir, dass die Wirtschaft zusammenbricht. Und jetzt? Jetzt gab es einen Aufschwung, die Zahlen sind gut und alles ist in Ordnung. Was auch

typisch ist, dass man sich nicht selbst lobt. Die Deutschen übersehen ihre eigene Leistung. Sie nörgeln viel und merken erst wie gut sie es eigentlich haben, wenn sie irgendwo anders im Ausland sind.

Was schätzen Sie an Deutschland?

Dass man erzählen kann. Das Ausschweifende. Fragen die Deutschen einen, wie es geht, dann fragen sie, weil es sie interessiert und sie eine Antwort hören wollen. Ich habe zum Beispiel seit sechs Wochen eine Gleitsichtbrille, mit der ich gar nicht zurechtkomme. Das kann ich den Leuten hier erzählen. In Amerika würde es keinen interessieren. Die würden mich schief angucken und fragen: 'Was soll das. Warum erzählst du mir das?' Wenn es mir schlecht geht und ich Knie- oder Rückenschmerzen habe, kann ich das in Deutschland erzählen und man hört mir zu. In Amerika ist so etwas ein 'No go' und du verdirbst damit die Party.

Fühlen Sie sich eher als Deutscher oder als Amerikaner?

Ich fühle mich in beiden Ländern zu Hause. Mal bin ich mehr Deutscher, mal mehr Amerikaner. Das ist situationsbedingt. Bin ich in Amerika, fühl ich mich die ersten Tage sehr deutsch. Bin ich wieder in Deutschland, fühl ich mich sehr amerikanisch. Es ist eine absolute Mischung aus beidem in meinem normalen Alltag.

Was ist denn noch so typisch amerikanisch an Ihnen?

Ich bin ein Fan von All-you-can-eat-Restaurants. Essen ist in Amerika eine Art Sport. Man isst und isst und isst. Will man nur einen Teller voll essen, geht man nicht in so ein Restaurant. Da wird man in Amerika schief angeguckt. Auch noch sehr amerikanisch ist meine Gesprächslautstärke. Ich rede manchmal noch sehr laut. Zum Beispiel wenn ich mit meiner Familie telefoniere. Ich bekomme das gar nicht mit und es kommt vor, dass mich die Nachbarn darauf aufmerksam machen. Wenn ich dann das Gefühl habe unhöflich zu sein, entschuldige ich mich sofort.

Sind Sie eigentlich schon deutscher Staatsbürger?

Nein. Ich müsste dann meinen US-Pass abgeben und das will ich nicht.

Möchten Sie denn eventuell irgendwann wieder zurück nach Amerika?

Ja, eigentlich kann ich mir das vorstellen. Zwar nicht die nächste Zeit, aber wenn mein Sohn mit der Schule fertig ist. Ich habe dort viele Verwandte und von denen würde ich auch gerne mehr mitbekommen. Wohin in Amerika wüsste ich allerdings nicht.

Haben Sie noch Sprachschwierigkeiten in Deutschland?

Ja, wenn es um Ämter geht. Das lasse ich dann aber alles meine Frau machen.

Welches Wort finden Sie im Deutschen am lustigsten?

Na. Aber als Frage. Also: Naaa? Heißt dann: 'Wie geht es dir?' Ich frag schon gar nicht mehr und beginne meine E-Mails teilweise sofort mit 'Na' und drei Fragezeichen hinterher.

Ich habe über Sie gelesen, dass Sie nach eigener Aussage den Döner für eine deutsche Spezialität gehalten haben. Haben Sie das wirklich?

Nein, das war nur ein Spaß.

Was mögen Sie denn am liebsten aus der deutschen Küche?

Sauerbraten, Klöße oder Quetschkartoffeln und Rotkohl. Und Wurst. Ich bin ein Wurst-Fan und esse mich gerade durch alle Wurstarten. Zurzeit mag ich die Thüringer Bratwurst am liebsten. Würste sind wie Hot Dogs, nur dass sie größer sind.

Zum Schluss noch eine Frage zur aktuellen Integrationsdebatte. Sie sind in Deutschland integriert, aber denken Sie, dass Sarrazins Aussagen über Ausländer nur für Leute gelten, die nicht deutsch aussehen?

Naja, ich hatte es leicht, als ich nach Deutschland gekommen bin. Ich habe studiert, wollte die Sprache lernen. Ich habe keinen anderen Glauben. Ich finde auch nicht, dass die Ausländer auf ihre Religion verzichten müssen oder sollen, aber sie sollten die Sprache lernen. Bildung und Sprache, das sind die Wege zum Erfolg. Ich denke nicht, dass die Deutschen ausländerfeindlich sind.

Karten für John Doyles Auftritt in der Aula des Gymnasiums gibt es im Bürgerservice der Stadt Twistringen. Im Vorverkauf kosten sie zwölf Euro, an der Abendkasse 14 Euro.

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