Bauprojekt am Henry-Wetjen-Platz

Drei Millionen Euro für das "Wohnzimmer"

Über eine große Förderung freut sich die Gemeinde Weyhe. Für das geplante Kultur- und Bildungszentrum gab es die höchste Summe in ganz Niedersachsen.
18.04.2018, 17:56
Lesedauer: 4 Min
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Von Stephen Kraut
Drei Millionen Euro für das "Wohnzimmer"

So in etwa soll die spätere Aufteilung am Henry-Wetjen-Platz aussehen.

UmbauStadt/WK-Grafik

Weyhe-Leeste. Eine gute Nachricht hat die Gemeinde Weyhe am Dienstagabend erreicht. Wobei Stadtplaner Christian Silberhorn betont: "'Gut' ist eine riesige Untertreibung." Denn die Gemeinde Weyhe erhält eine Förderung für das am Henry-Wetjen-Platz geplante Kultur- und Bildungszentrum Leeste (KBL). Und zwar in Höhe von 90 Prozent – drei Millionen Euro stehen damit aus dem Investitionspaket "Soziale Integration im Quartier" des niedersächsischen Umwelt- und Bauministeriums zur Verfügung. "Das ist die höchste Summe, die ein Einzelprojekt in Niedersachsen aus diesem Programm erhält", stellt Weyhes Bürgermeister Andreas Bovenschulte klar.

Im Zuge der Ortskernsanierung in Leeste soll am Henry-Wetjen-Platz das KBL errichtet werden, bestehend aus der Alten Wache sowie der Gemeindebibliothek, einem Lesecafé und der Volkshochschule, die den Standort beziehen will. Bovenschulte dazu: "Es gibt noch keinen Vertrag mit der VHS, aber die grundsätzliche Bereitschaftserklärung." Die Gespräche mit den Verantwortlichen seien entsprechend weit vorangeschritten. Hinzukommen soll ein Computerraum, der dann sowohl von der VHS als auch von der Bibliothek genutzt wird, so die Überlegung. Der Innenhof wird zusätzlich die Möglichkeit zum Aufenthalt bieten. Die Förderung gelte nun speziell für Bibliothek, Computerraum und Lesecafé, das Gebäude der Volkshochschule kostet zusätzlich etwa 1,5 Millionen Euro. Ein Teil des KBL sei es aber trotzdem. "Eigentlich gehört zu dem Kultur- und Bildungszentrum auch die Kirche", betont Steffen Nadrowski, Leiter des Fachbereichs Gemeindeentwicklung und Umwelt.

Der Fachbereich war es laut Bovenschulte auch, der zu großen Teilen für den Zuschlag bei der Förderung verantwortlich ist. "Sie haben die Federführung in der Planung übernommen", so der Bürgermeister. Mit einem Testentwurf (siehe Grafik) wurde dafür festgestellt, dass zunächst einmal der Platz für alle angedachten Nutzer vorhanden ist. Zuvor habe man sich aber mit allen Beteiligten zusammengesetzt und besprochen, wo es Synergieeffekte geben kann. "Es zeigte sich zum Beispiel, dass VHS und Bibliothek fast die gleichen Anforderungen an einen Computerraum haben, aber andere Nutzungszeiten", berichtet Nadrowski von den Gesprächen. Außerdem habe der Wunsch nach einem großen Saal bestanden – den wiederum die Kirche besitzt. "So können wir in den Planungen darauf verzichten", sagt der Fachbereichsleiter und freut sich über die gute bisherige Zusammenarbeit: "Alle haben die Bedeutung dieses Projektes erkannt."

Christian Silberhorn drückt die Bedeutung des Henry-Wetjen-Platzes insbesondere für Leeste wie folgt aus: "In das Wohnzimmer sollen nun die Möbel kommen." Das Areal werde, so der Wunsch der Verwaltung, zu einem Ort des Austausches und für ganz verschiedene Interessen. "Das will auch das Förderprogramm initiieren", sagt Nadrowski. Es würden dort soziale, kulturelle und integrative Aspekte vereint. "Und es ist alles andere als üblich, dass eine 30 000-Einwohner-Gemeinde so eine Bibliothek bekommt", ergänzt er. Aber das sei auch notwendig: "Die Mitarbeiter leisten seit Jahren Arbeit auf solch einem hohen Niveau, da ist es wichtig, dass auch der Ort die entsprechende Qualität erhält", so Nadrowski. Auch Bovenschulte hebt positiv hervor, dass die Bibliothek künftig "präsent" sei. "In der KGS ist sie eher versteckt", erklärt er.

Für die Ausschreibung des Projektes meldeten sich laut Silberhorn 42 Architekturbüros. "Das zeigt, als wie wichtig es erachtet wird", sagt Bovenschulte. Von diesen 42 habe man 28 in die engere Auswahl genommen und die Zahl per Los auf 15 reduziert. "Mit ihnen treffen wir uns am 15. Mai zum ersten Kolloquium", stellt Nadrowski die weiteren Planungen vor. Mitte August soll dann ein Preisgericht entscheiden, welches Büro den Zuschlag erhält. "Wir wollen sehen, dass der Baubeginn noch Ende 2019 ist", berichtet Silberhorn weiter. Im Frühjahr 2021 soll das KBL dann fertig sein. "Wir müssen das Projekt für die Förderung bis 2021 fertig bekommen", sagt Nadrowski dazu. Der Kostenrahmen ist durch die Förderung außerdem weitestgehend festgesetzt, "das wissen die Büros auch", so der Fachbereichsleiter.

Für das Förderprogramm des Ministeriums haben sich laut Bovenschulte insgesamt 42 niedersächsische Kommunen beworben. Der Topf von insgesamt 22,4 Millionen Euro ist für 20 Bauprojekte ausgeschüttet worden. Bis zu drei Millionen Euro wurden maximal vergeben, Weyhe erhielt diese Summe nach Angaben des Ministeriums als einzige Kommune. "Die nächstgrößere Fördersumme beträgt rund 1,9 Millionen Euro", sagt Bovenschulte. Aus Sicht der Verwaltung zeigt dies, dass auch das Ministerium die Pläne der Gemeinde und ihre Ausrichtung schätzt. "Daran waren auch in erster Linie die Kriterien für die Förderung geknüpft", berichtet Nadrowski und nennt zwei Aspekte: "Entscheidend war, ob es einen Nutzen für die Allgemeinheit hat und integrativ ist." Wichtig sei außerdem gewesen, dass es kein Einzelprojekt, sondern in einem sogenannten Städtebauförderungsgebiet liegt – Kriterien, die die geplante Ortskernsanierung laut der Weyher Verwaltung allesamt erfüllt.

Bovenschulte räumt ein, dass die Planungen des KBL auch von diesen Förderungen abhingen. "Eine Bibliothek hätte es natürlich trotzdem gegeben, aber über die Ausgestaltung hätte man dann noch einmal sprechen müssen", so der Bürgermeister über den Fall, dass Unterstützung ausgeblieben wäre. Und so macht er klar: "Das ist ein wunderbarer Erfolg, der die Qualität des Projektes zeigt." Die Verwaltung schätzt den Kostenumfang des gesamten Bauvorhabens, inklusive der privaten Investition am Augenzentrum, auf zwölf bis 13 Millionen Euro.

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