Die Sängerin Anne Haigis spricht über Casting-Shows und Tipps für den musikalischen Nachwuchs "DSDS finde ich blöde. Das ist Horror"

Anne Haigis entert beim vierten Sommerfestival am Sonnabend, 27. August, die Bühne auf Gut Varrel. Einem größeren Publikum wurde sie bereits in den 1980er-Jahren durch Auftritte bei der Fernsehshow "Einer wird gewinnen" bekannt. Markus Tönnishoff sprach mit der Sängerin über ihre musikalischen Anfänge und Xavier Naidoo.
28.07.2011, 05:00
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Anne Haigis entert beim vierten Sommerfestival am Sonnabend, 27. August, die Bühne auf Gut Varrel. Einem größeren Publikum wurde sie bereits in den 1980er-Jahren durch Auftritte bei der Fernsehshow "Einer wird gewinnen" bekannt. Markus Tönnishoff sprach mit der Sängerin über ihre musikalischen Anfänge und Xavier Naidoo.

Frau Haigis, wie sind sie zur Musik gekommen?

Anne Haigis: Ich habe im Kindergarten im Alter von vier oder fünf Jahren angefangen, Blockflöte zu spielen, und zwar ganz fleißig. Ich war immer die Beste. Später war ich auch in der Musikschule und habe in einem Kammerorchester gespielt.

Wie sind Sie dann zum Gesang gekommen?

Nun, irgendwann kam ich ja in die Pubertät, und dann kommt man ja auch ein bisschen komisch drauf. Ich hatte damals immer so ein bisschen den Blues und habe mir vorgestellt, wie das so ist, wenn man unterwegs ist. Ich hatte immer den Traum, unterwegs zu sein. Durch dieses Fernweh habe ich intensiv mit dem Singen angefangen, weil ich gemerkt habe, dass es mir dann besser gegangen ist. Um mich begleiten zu können, habe ich angefangen, auch Gitarre zu spielen. Und immer öfter kam es dann vor, dass die Leute mich aufgefordert haben, etwas zu singen. Und so bekam ich immer mehr Aufmerksamkeit. Irgendwann habe ich gemerkt, dass die Musik zu mir gehört.

Was raten Sie jungen Musikern, die professionell Musik machen wollen?

Vor allem sollten sie nicht gleich ausflippen und nicht gleich denken, dass sie ein Star sind. Das ist nämlich die Gefahr bei diesen Casting-Shows. Dort sind junge Musiker oft Kanonenfutter. Dort sieht immer alles so einfach aus. Aber der Beruf beinhaltet ja viel mehr. Musik sollte man aus Berufung machen und nicht, weil man berühmt werden will. Man steht ja nicht nur auf der Bühne. Ich mache zum Beispiel das Buchen von Auftritten selber. Jedes Plakat, das irgendwo in der Stadt hängt, habe ich selber zur Post gebracht. Ich baue mit den Bandmitgliedern die Anlage selber auf, wir schleppen auch alles selber. Das gehört mit zu meinem Beruf dazu - seit nunmehr 30 Jahren.

Was halten Sie von den Casting-Shows?

Also ich wundere mich immer, wie viele der Teilnehmer doch sehr gut singen können. Früher gab es noch nicht so viele gute Sänger. Ich sehe mit solche Sendungen auch an. "Deutschland sucht den Superstar (DSDS)" finde ich allerdings blöd. Das ist Horror. Aber zum Beispiel "Popstars" oder "X-Factor" oder die Sendung mit Stefan Raab gucke ich ganz gerne.

Haben Sie noch Lampenfieber?

Ja, klar. Das muss sein. Wenn ich so gar nichts spüren würde, wäre das nicht gut (lacht).

Welche Platten muss man unbedingt im Plattenschrank haben?

(Denkt nach). Ich würde sagen "In the court of Crimson King" von King Crimson, "Shadows and Light" von Joni Mitchell, "Step inside the House" von Lyle Lovett und das Live-Doppelalbum von Bonnie Raitt. Aber ich finde auch die neue Platte von Melissa Etheridge, die "Awakening" heißt, ganz toll. Und ich stehe auch total auf Xavier Naidoo...

Das ist ja nicht schlimm. Ich mag ihn zwar nicht. Aber bitte.

Ich kenne keinen Mann, der ihn mag. Keinen einzigen.

Gibt es einen Musiker, mit dem Sie gerne mal zusammenarbeiten würden?

Also, ich würde gerne mit Xavier Naidoo arbeiten (lacht).

Warum nicht zum Beispiel mit Paul McCartney?

Ach, ich war nie Beatles-Fan, dann schon eher Stones-Fan.

Vielleicht ein gemeinsames Stück mit Keith Richards?

(Lacht). Ich merke schon, Sie wollen mir da einen unterjubeln. Also, wenn Sie so fragen, dann sage ich Ihnen, dass ich gerne mal ein Stück mit Bryan Adams machen würde. Jetzt kriegen Sie bestimmt die Krise (bricht in Lachen aus).

Nein, ich finde ihn okay. Das würde auch stimmlich passen.

Und mit Bonnie Raitt würde ich auch gerne mal was zusammen machen.

Die US-Sängerin Melissa Etheridge hat Lieder für Sie geschrieben. Wie haben Sie sie kennengelernt?

Melissa Etheridge war damals bei der Plattenfirma Ariola unter Vertrag, und ich unterschrieb zu der Zeit auch bei Ariola. Melissa war damals am Anfang ihrer Karriere. Wir haben uns getroffen und sind Essen gegangen. Und dann hat sie gesagt, dass sie ein paar Songs für mich schreiben will.

Sie singen deutsch- und englischsprachige Lieder. In welcher Sprache singen Sie lieber?

Ich singe schon gerne auf Englisch. Allerdings achte ich auch auf den Text. Er muss vertretbar sein. Früher war mir das egal, weil es sowieso keiner verstanden hat. Es kommt auch darauf an, wie der Text geschrieben ist. Englische Texte überwiegen aber in meinem Repertoire. Sie gehören nun mal zu Folk, Country und Blues; zu Stilen, die aus dem Amerikanischen kommen.

Gibt es einen Auftritt, an den Sie sich gerne zurückerinnern?

Ach, da gibt es viele. In den letzten Jahren waren 95 Prozent der Auftritte toll. Früher gab es öfter mal Auftritte, bei denen dieses oder jenes nicht gestimmt hat. Aber heute konzentriere ich mich auf die zwei Stunden und gehe auch mit einem anderen Respekt an den Auftritt ran.

Sie waren ja auch mal im Fernsehen, unter anderem in der Show "Einer wird gewinnen" mit Hans-Joachim Kuhlenkampf. Wie haben Sie ihn erlebt?

Er hat sehr konzentriert gearbeitet. Aber einmal hat er eine Assistentin so zusammengefaltet, da war ich richtig schockiert.

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