Weyher Theater feiert Premiere von 'Prost Neujahr!' / Stehende Ovationen für die Akteure Ein Jahreswechsel mit ungeahnten Folgen

Weyhe-Kirchweyhe. 'Mitten aus dem Leben gegriffen', meinte eine Besucherin bei der Premiere des Stücks 'Prost Neujahr!' am Freitagabend im Weyher Theater. Ihre Begleitung schloss sich dieser Meinung sofort augenzwinkernd an, schließlich sei es an Silvester auf den Partys ja meist ziemlich ätzend, und irgendwie bekäme man sich immer in die Haare. Entweder es flögen coole Sprüche durch den Raum, oder der Alkohol würde mehr oder minder zum Trostspender.
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Von Dagmar Voss

Weyhe-Kirchweyhe. 'Mitten aus dem Leben gegriffen', meinte eine Besucherin bei der Premiere des Stücks 'Prost Neujahr!' am Freitagabend im Weyher Theater. Ihre Begleitung schloss sich dieser Meinung sofort augenzwinkernd an, schließlich sei es an Silvester auf den Partys ja meist ziemlich ätzend, und irgendwie bekäme man sich immer in die Haare. Entweder es flögen coole Sprüche durch den Raum, oder der Alkohol würde mehr oder minder zum Trostspender.

So erging es auch den Protagonisten des brandneuen Frank-Pinkus-Stücks, das das Theaterensemble auf die Bretter gebracht hatte. Vier Freunde aus alten Schulzeiten treffen sich, weil einer von ihnen, Tim (Thomas Kahle), dem Silvesterfrust entgehen will. Er hat die anderen drei, sprich Pia (Wiebke Claßen), Pit (Kay Kruppa) und Lisa (Antje K. Klattenhoff) in ein Ferienhaus nach Dänemark eingeladen, um die guten alten Zeiten wieder aufleben zu lassen. Allerdings sind diese Zeiten seit mehr als 20 Jahren vorbei: Die Unzertrennlichen von damals stehen mehr oder weniger gut situiert im Leben, und ihre Träume, die sie in Schulzeiten hatten, sind ausgeträumt.

Zur Party bringen alle vier ihre Partner mit. Zwei von ihnen sind verheiratet und haben sich irgendwie in ihrer Ehe arrangiert. Da ist der Nachrichtensprecher Pit, der einst von einer großen Karriere als Schauspieler träumte, mit seiner dominanten Ehefrau Jana (Beate Teichmann). Oder Lisa, Inhaberin eines kleinen Herrenausstatter-Geschäfts, mit ihrem zehn Jahre älteren, immerzu ziemlich exaltiert gut gelaunten Ehemann Bernd (Frank Pinkus). Nach wenigen Sätzen wurde den Zuschauern schnell klar, dass hier wahrlich nicht alles zum Besten stehen kann. Und dann sind da noch die Mittzwanzigerin Silvie (Christine Müller), Sekretärin und neue Freundin von Tim, sowie Bastian (Marc Gelhart), der an die zehn Jahre jünger ist als seine Pia.

Gehöriger Schuss Zynismus

Wer seine Freundinnen reihenweise Mäuselchen nennt, um sich die Namen der ständig wechselnden Betthäschen nicht merken zu müssen, wie es Tim tut, der muss schon irgendwo ein Problem haben. Eher unproblematisch, dafür mit einem gehörigen Schuss Zynismus, sind dagegen die Lebensweisheiten, die die vollschlanke Schriftstellerin Pia von sich gibt. 'Frauen dürfen etwas mehr von allem haben, Männer müssen schlank sein, schließlich haben sie ja sonst nicht viel zu bieten.'

Egal, in der dänischen Idylle soll alles noch einmal oder wieder gut, die Welt heil und die Lieder von damals gesungen werden. Wie nicht anders zu erwarten, geht natürlich alles schief. Zwischen bösen Streitereien, urkomischen Situationen und tiefsinnigem Philosophieren über das Leben oder die Männer - 'Rein mechanisch sind wir Männer klasse', überlegt Pit - geraten die acht Menschen immer mehr in Ereignisse, die so wahrscheinlich niemand wollte. Die alten Lieder werden gesungen, aber die Beziehungen geraten alle auf den Prüfstand - und da bleibt kein Stein mehr auf dem anderen. Nicht nur die kleinen menschlichen Fehler, die das Publikum immer wieder zum Lachen animierten, geraten in den Fokus. Auch Missverständnisse und lange gehegten Animositäten kommen ans Licht.

Dabei konnte das Publikum teilweise in zwei Situationen gleichzeitig hineinschnuppern. Das gelang, weil ein eigenwilliges Bühnenbild auf der Drehbühne vier verschiedene Schauplätze darstellte. Je nachdem, wie weit gedreht wurde, konnte man also sowohl ein Schlafzimmer und ein Wohnzimmer oder eine Bank 'im Draußen' mit den vertrackten Gesprächen belauschen.

Kaputte Rücken, schief gelaufene Heiratsanträge, ein alter Teddy und ein komischer Elvis-Anzug, in dem Pit sich musikalisch mit etwas Rock versucht, sorgen für Lacher. Und letztlich - natürlich wird hier nicht verraten, wer am Ende mit wem... - kommt es dann, wie es manch einer schon in der Pause vermutete. Für das Theater war es wieder ein voller Erfolg, die Akteure wurden erst nach dem sechsten Vorhang und stehenden Ovationen entlassen.

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