Letzte Weyher Gästeführung in diesem Jahr: Teilnehmer erfahren viel über Grabsteine und den Bremer Dom Einblick in die Welt der Steinbildhauerei

Weyhe-Kirchweyhe. 'In Stein gehauen' - so lautete der Name des Programms bei der letzten Weyher Gästeführung der Saison 2010. Sigrid Reinhard führte die interessierten Gäste an zwei verschiedene Stationen, um ihnen die Steinmetzkunst und Bildhauerei im Ortsteil Kirchweyhe zu zeigen. Treffpunkt war an der ehemaligen Gaststätte Dörgeloh, von wo es direkt zu Fuß zur ersten Anlaufsstelle ging: zum Steinbildhauereibetrieb A. Dittrich.
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Von ROBERT MÜLLER

Weyhe-Kirchweyhe. 'In Stein gehauen' - so lautete der Name des Programms bei der letzten Weyher Gästeführung der Saison 2010. Sigrid Reinhard führte die interessierten Gäste an zwei verschiedene Stationen, um ihnen die Steinmetzkunst und Bildhauerei im Ortsteil Kirchweyhe zu zeigen. Treffpunkt war an der ehemaligen Gaststätte Dörgeloh, von wo es direkt zu Fuß zur ersten Anlaufsstelle ging: zum Steinbildhauereibetrieb A. Dittrich.

'Der Betrieb wurde bereits 1913 von Alois Dittrich in Schlesien gegründet. Nachdem die Familie nach Ende des Zweiten Weltkriegs jedoch vertrieben wurde, eröffnete der Betrieb 1946 in Weyhe erstmals seine Pforten', erläuterte Sigrid Reinhard von der Gästeführung Weyhe. Vor Ort übernahm die Enkelin des Gründers, Marion Dittrich, die Führung und lieferte den Gästen einen Einblick in das Unternehmen. Gleich zu Beginn ging es zu den Ausstellungsstücken des Betriebs, der sich auf Grabdenkmäler spezialisiert hat. Die verschiedenen Grabsteine, die auf dem kleinen Hof des Betriebs aufgereiht stehen, weckten gleich das Interesse der Gäste.

'Wir bieten hier Grabsteine aus verschiedenen Steinen an, aber am häufigsten sind die Steine aus Granit', so Marion Dittrich, die zusammen mit ihrer Schwester Angelika den Betrieb inzwischen leitet. Das Material hierzu kommt auch aus den nordischen Ländern, aber in den vergangenen Jahren vor allem aus Indien, China oder Brasilien. Die freigesprengten Blöcke werden dann zerteilt und zur Weiterverarbeitung an Betriebe wie den von Marion Dittrich verkauft. Aber auch natürlichere Grabsteine aus Findlingen sind möglich, wie die Leiterin erklärt: 'Dazu verwenden wir vorzugsweise Findlinge aus Dänemark, da die Steine dort härter sind und eine höhere Qualität haben.'

Trend zum kleinen Grabstein

Ganz besonders die verschiedenen Ornamente hatten es den Gästen angetan. Während manche Steine aus poliertem Granit eher schlichter waren, enthielten manche kunstvolle Ornamente wie eine Trauerweide oder eine Jesusfigur. 'In den meisten Fällen wird so etwas aus einem Stück gehauen, nur manchmal setzen wir einen zweiten Stein ein', so Dittrich. Doch leider muss die Leiterin des Unternehmens feststellen, dass die Friedhofskultur in Deutschland immer mehr abnimmt. So gehe der Trend heute immer mehr zum kleinen Grabstein als zur prachtvollen Statue. Zwar lasse sich in Deutschland noch ein Nord-Süd-Gefälle beobachten, aber die Orientierung sei schon spürbar.

Weiter ging es in den Werkstätten des Betriebs, dessen Einfahrt auch aus übriggebliebenen Granitstücken gepflastert ist. 'Wir beißen nicht auf Granit, wir gehen auf Granit, kann man schon sagen', scherzte Dittrich. Für die Gästeführung wurden extra zwei Mitarbeiter bestellt, die die Arbeit am Granit demonstrierten. An einer Station zeigte ein Steinmetz mit Fäustel und Sprengeisen, wie aus einem Block Granit ein Grabstein wird. 'Auch bei der ganzen Technik heutzutage ist die meiste Arbeit am Grabstein immer noch Handarbeit. Sogar die Inschrift wird per Hand geschlagen', erläuterte Dittrich.

An der zweiten Station konnte man herausfinden, woher Granitsteine immer ihren Glanz bekommen: Nur mit Wasser und Zeit wird hier der Stein poliert, bis aus der ehemals matten Oberfläche eine fast spiegelnde schwarze Scheibe geworden ist. Im hinteren Teil der Werkstatt konnten die Gäste auch neumodischere Arten von Grabdekoration sehen, wie etwa ein Porzellanfoto auf dem Stein oder auf Kundenwunsch kunstvoll aufgebrachte Delfine. Im Anschluss gab es für die Gäste noch eine kleine Überraschung in Form von kleinen Granitpyramiden, die aus den Steinresten im Betrieb gefertigt worden sind. Nach dem Abschied führte die Gästeführerin die Weyher nur eine Straße weiter zu dem Haus von Henry Stussig. Dieser stammte ebenfalls aus Schlesien und half nach dem Krieg bei den Wiederaufbauarbeiten des Bremer Doms mit. 'Ich habe auch ein paar Stücke vom Dom, die weggeworfen werden sollten, gerettet und in meinem Garten stehen', so Stussig.

In seiner Freizeit arbeitet er immer noch gerne am Stein, wie seine in einer Garage aufgebaute Werkstatt zeigt. Im Anschluss an die Führungen ließen die Gäste den Nachmittag im Wohnzimmer der Familie Stussig bei Kaffee und Kuchen ausklingen - wenn auch ohne Marmorkuchen.

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