Kreisrätin Inge Human im Interview "Eine Etage höher - darum geht es nicht"

Landkreis Diepholz. Wenn Sie sich am 11. September gegen Mitbewerber Cord Bockhop durchsetzt, steigt Kreisrätin Inge Human zur Landrätin auf. Über ihre Ambitionen für das höchste Amt im Landkreis Diepholz spricht die 53-Jährige im Interview.
25.07.2011, 05:00
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Von Hauke Gruhn

Landkreis Diepholz. Wenn Sie sich am 11. September gegen Mitbewerber Cord Bockhop durchsetzt, steigt Kreisrätin Inge Human zur Landrätin auf. Andernfalls ist der derzeitige Stuhrer Bürgermeister plötzlich ihr Chef. Über diese Konstellation und über ihre Ambitionen für das höchste Amt im Landkreis Diepholz sprach die 53-Jährige, die aus Vechta stammt, mit Hauke Gruhn.

Frau Human, im Nordkreis waren Sie bislang eher unbekannt. Werden Sie denn inzwischen öfter angesprochen?

In den Bereichen, für die ich zuständig bin, zum Beispiel Schulen und Jugend, kannte man mich auch bisher schon im ganzen Landkreis. Aber ich werde jetzt tatsächlich öfter angesprochen und aufgrund meiner Kandidatur auch anders wahrgenommen.

Ist es nicht ein Problem für Sie, im bevölkerungsstarken Nordkreis gegen einen Lokalmatadoren anzutreten?

Für meine Arbeit ist die Frage Nordkreis/Südkreis kein Thema. In der Bevölkerung bin ich hier in der Tat noch nicht so bekannt wie rund um Diepholz, wo ich wohne. Das stimmt schon. Aber gerade auch bei der Wahrnehmung von kulturellen Terminen bin ich als Kreisrätin schon in der Vergangenheit im ganzen Landkreis unterwegs gewesen.

Sie haben sich den Job des Landrats in Ihrer Position als Kreisrätin ganz aus der Nähe ansehen können. Was reizt Sie an der Aufgabe?

Für mich geht es nicht darum, eine Etage höher zu kommen. Es geht mir um Gestaltungsmöglichkeiten. Ich bin da frei von Prestigedenken. Mit Herrn Stötzel habe ich als seine hauptamtliche Vertreterin jetzt seit über fünf Jahren viele Dinge erfolgreich anschieben können. Ich möchte auf das Erreichte aufbauen und es weiterentwickeln dürfen.

Im Wahlkampf werden Sie nur von der FDP unterstützt, die anderen drei größeren Parteien setzen auf Cord Bockhop. Das verbessert Ihre Lage vermutlich nicht gerade?

In der Vergangenheit habe ich mit allen Parteien gut zusammengearbeitet. Und auch von den Kreistagsfraktionen habe ich immer Unterstützung erfahren.

Ist die FDP überhaupt so etwas wie Ihre politische Heimat? Sie hatten in der Vergangenheit ja auch schon eine Anfrage der SPD, ob Sie nicht für die Sozialdemokraten als Landrätin kandidieren wollen.

Wichtig ist mir, dass ich parteilos und unabhängig bin. Unabhängig sollte eine Landrätin oder ein Landrat auch sein. Ich habe weder etwas gegen die CDU, noch gegen die Grünen, die FDP oder die SPD. 2009 war die SPD auf mich zugekommen und fragte mich, ob ich als Landratskandidatin für sie zur Verfügung stehe. Es hat keinen politischen Hintergrund gehabt, dass ich damals abgesagt habe. Es war mir damals einfach viel zu früh.

Sie stammen aus Vechta und arbeiten in Diepholz. Die Städte sind seit jeher in inniger Rivalität und einigem Spott verbunden. Wie ist es so als Katholikin bei den "Luther-Böcken"?

(lacht) Ach, ich fühle mich wohl in Diepholz. Die Moorgrenze zwischen Vechta und Diepholz habe ich so nie gespürt. Das ist heute ja auch eher Spaß als echte Rivalität. Es gibt beim Landkreis übrigens viele Mitarbeiter aus Vechta - und da gibt es nie Probleme.

Anfang der 90er-Jahre verschlug es Sie beruflich nach Pirna in Sachsen. Wie kam es denn dazu?

Ein Stück weit war sicher auch Abenteuerlust dabei. Ich konnte damals aber bereits Wissen aus der Kommunalverwaltung dort einbringen - und es war reizvoll, kurz nach der Wende beim Aufbau der Verwaltung mitgestalten zu können. Pirna war aber nur meine letzte Station in den neuen Ländern.

Was kam davor?

Ich bin 1992 mit meinem Ehemann nach Dresden gezogen. Zunächst war ich dort bei der Stadt als Juristin und persönliche Referentin des Finanzbürgermeisters tätig. Dann bin ich zur Beigeordneten beim Sächsischen Städte- und Gemeindetag gewählt worden. Dort hatte ich die Aufgabe, zu beraten und kommunale Interessen zu vertreten. Anschließend bin ich zur Bürgermeisterin für Finanzen und Bürgerangelegenheiten in Pirna gewählt worden - das ist vergleichbar mit der Position eines Dezernenten.

Und seit 2006 sind Sie jetzt als Kreisrätin in leitender Funktion beim Landkreis beschäftigt. Was wollen Sie anders machen als Ihr Vorgänger, was genau so?

Wir sind im Landkreis auf einem hervorragenden Weg, finde ich. Herr Stötzel hat mir bei meiner Arbeit sehr viel freie Hand gelassen. Ich bin eine ausgesprochene Teamarbeiterin. Der hervorragende Dialog zwischen Politik und Verwaltung soll fortgesetzt werden, und zwar unabhängig von Parteizugehörigkeiten.

Klingt nach Gerd Stötzel 2.0?

Es wird sich sicher das eine oder andere ändern mit mir als Landrätin. Aber ich weiß: Die Verwaltung ist gut aufgestellt.

Welche Themen haben Sie auf Ihrer Agenda?

Ein wichtiges Zukunftsthema wird der demografische Wandel sein und wie wir damit umgehen. Weiterhin wird die Sicherung von Arbeitsplätzen und die Stärkung der Wirtschaftskraft eine wichtige Rolle spielen. Und der Landkreis soll attraktiv bleiben für Familien.

Wenn Sie am 11. September weniger Stimmen als Cord Bockhop auf sich vereinen, ist er plötzlich Ihr Chef. Ist da im Wahlkampf jetzt Kuschelkurs angesagt?

Ich glaube, wir sind beide professionell und fair genug, um damit umgehen zu können. Es gehört zur Demokratie dazu, dass man Wahlmöglichkeiten hat . Die Wahrnehmung eines demokratischen Rechts kann doch nicht dazu führen, dass man nachher nicht mehr miteinander umgehen kann.

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