Förderverein arbeitet gut 100 Jahre alten Wasserkran auf Eine Tankstelle für die Dampflok

Weyhe-Kirchweyhe. Wenn sich ausgewachsene Männer wie Bolle über einen Wasserkran freuen, kann damit kein handelsüblicher Badezimmerhahn gemeint sein. Vor allem nicht, wenn es sich bei den Männern um die im Förderverein Dampflok Weyhe versammelten Schrauber und Hobby-Historiker handelt.
06.04.2010, 16:21
Lesedauer: 3 Min
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Von Gaby Wolf

Weyhe-Kirchweyhe. Wenn sich ausgewachsene Männer wie Bolle über einen Wasserkran freuen, kann damit kein handelsüblicher Badezimmerhahn gemeint sein. Vor allem nicht, wenn es sich bei den Männern um die im Förderverein Dampflok Weyhe versammelten Schrauber und Hobby-Historiker handelt. Objekt der Freude ist eine Wassertankstelle, wie sie einst zuhauf an den Dampflokstrecken der Region zu finden war. Künftig soll der Wasserkran die kleine Museumslok-Landschaft komplettieren, die der Verein nahe des Kirchweyher Bahnhofs aufgebaut hat.

Dabei hatte sich ursprünglich der Verein Kleinbahn Leeste das Relikt aus der Zeit um 1900 gesichert. Aufgetan hatten es die Pingelheini-Freunde auf dem Schrottplatz von Walter Schmidt in Dibbersen - und überlegt, ob sie es nicht am Leester Bahnhof wieder aufbauen könnten. 'Aber da passte der Wasserkran aufgrund seiner Bundesbahn-Größe nicht hin, also boten sie ihn uns an', erzählt Karl-Heinz Stickan, Vorsitzender des Fördervereins Dampflok.

Das geschah im vergangenen Jahr bei einem Ausflug des Dampflok-Vereins mit dem Pingelheini nach Thedinghausen. 'Unser zweiter Vorsitzender Steffen Dollinger kam mit Bernd Schmidt vom Kleinbahnverein ins Gespräch, und der erzählte, dass sie mit dem Schrotthändler schon ausgehandelt hätten, dass er ihnen den Wasserkran kostenlos überlässt', berichtet Stickan. Selbstverständlich hätten sie bei dem Angebot gleich ja gesagt, zumal sich Walter Schmidt bereit erklärt hatte, auch den Transport nach Weyhe zu sponsern.

Vergammelt, verbeult, verrostet

Bevor das gute Stück jedoch direkt auf dem Gelände des Dampflok-Vereins am ausrangierten Prellblockgleis 165 unterkam, wurde der Wasserkran zunächst 300 Meter weiter zur Firma RBS gebracht. Die Abkürzung steht für Reinigen, Beschichten, Strahlen - und genau dieses Programm war auch vorgesehen. Dafür mussten die Vereinsmitglieder das Rohrsystem, das einst - wie die Aufschrift auf dem Kopfteil des Krans verrät - in der Mannheimer Maschinenfabrik Bopp & Reuther aus Gusseisen und Kupfer zusammenmontiert wurde, jedoch erst einmal auseinandernehmen.

'Vieles war vergammelt, verbeult und verrostet', fasst Stickan zusammen. Aber gerade für das Ausbeulen hatte der Verein mit seinen Schlossern Bernd Müller und Bernhard Grobbrügge die richtigen Leute zur Hand. 'Sie haben aus einem Wagenheber eine selbstkonstruierte Vorrichtung gebaut, um bei den Rohren von innen arbeiten zu können', erzählt Stickan stolz. Nach dem Sauberstrahlen war das Grundieren dran. 'Erst kam der Rostumwandler drauf, dann der Rostschutz.' Seinen endgültigen Anstrich erhält der Wasserkran, wenn er fertig montiert ist.

Inzwischen lagern die einzelnen Teile des 'Bausatzes' auf dem Vereinsgelände an der Lok. 'Eine Montage haben wir im Moment noch nicht ins Auge gefasst, weil die finanziellen Mittel fehlen', bedauert Stickan. Das Teuerste daran, schätzt er, ist der Bau des Betonfundaments. 'Die Grundplatte des Wasserkrans ist 1,20 mal 1,20 Meter - das bedeutet: Sechs bis sieben Kubikmeter Beton müssen da schon rein.' Dazu müssten auch noch kräftige Bolzen beschafft werden. 'Und jede Menge Schrauben.' Zudem müsse beim Aufrichten wohl ein Autokran ran. 'Das werden wir mit unserem Trecker nicht schaffen.' Stickan geht davon aus, 'dass wir daraus ein Projekt machen und dafür so langsam auf Sponsorensuche gehen'. Ein Projekt, das ein weiteres Stück Kirchweyher Eisenbahngeschichte wieder sichtbar machen würde. Immerhin waren im Bereich Kirchweyhe zur Blütezeit um 1920 gut 80 Dampfloks stationiert. Und damit die überhaupt in Gang kamen, war Wasser ein unverzichtbarer Bestandteil. Erhitzt wurde es mittels

verfeuerter Kohle, sodass Dampf entstand. 'Dabei dehnte sich die Luft aus und baute Druck auf', erläutert Stickan, der 23 Jahre lang als Elektromeister bei der Bundesbahn tätig war. Klar, dass immer genug 'Treibstoff' an Bord sein musste. Die Kohle war dabei weniger das Problem. 'Vor allem, wenn die Loks von hier aus nach Wanne-Eickel im Ruhrgebiet fuhren - aber unterwegs musste immer wieder Wasser aufgetankt werden, deshalb gab es allein im Bereich zwischen Kirchweyhe, Bassum, Barnstorf, Diepholz, Bohmte und Osnabrück sechs oder sieben Wasserkräne.'

Gespeist wurden sie aus den Wassertürmen, von denen auch in Kirchweyhe einige standen. 'Nach einem wurde die Straße Am Wasserturm benannt, von einem anderen haben wir vor zwei, drei Jahren im Bereich des alten Bahnbetriebswerkes die Fundamente freigelegt', sagt Stickan. Das 'Aqua Krani' landete zunächst im Wassertank des Tenders und wurde dann mit Pumpen in die Rohre des mit Kohle befeuerten Dampfkessels befördert. Zwei Wasserstandsgläser links und rechts davon dienten als Kontrollanzeige für den Heizer. Stickan: 'Wasser im Glas hieß Feuer in der Büchse - dann konnte nix schiefgehen.'

Das alles könnte Besuchern mittels eines wiedererrichteten Wasserkrans noch plastischer vermittelt werden. Doch zuvor sollen zuerst die Waggons fertigrestauriert sein, von denen einer bereits eine kleine Museumsabteilung beherbergt.

Sponsoren, die das Wasserkran-Projekt unterstützen möchten, können unter Telefon 0172/6960255 mit Karl-Heinz Stickan Kontakt aufnehmen. Auch wer Lust zum Mitmachen hat, kann sich melden - oder einfach mal vorbeikommen. Die Aktiven des Fördervereins Dampflok Weyhe sind jeden Sonnabend von 9 und 12 Uhr in und an der Lok am Werkeln.

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