Matthias Ningel persifliert in der KGS Leeste die junge Generation in großartiger Manier Eltern sind die beste App

Weyhe-Leeste. Sobald der Humorist und Liedermacher Matthias Ningel zum ersten Mal in die Tasten des Flügels haut, ist klar, dass dieser Künstler einen vielversprechenden Abend bieten wird. Schon während der ersten Minuten am Sonnabendabend in der KGS Leeste zieht er das Publikum in seinen Bann, und so lauscht es gebannt seinen Worten – bis es laut auflachen muss.
26.09.2016, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Florian Krüger

Weyhe-Leeste. Sobald der Humorist und Liedermacher Matthias Ningel zum ersten Mal in die Tasten des Flügels haut, ist klar, dass dieser Künstler einen vielversprechenden Abend bieten wird. Schon während der ersten Minuten am Sonnabendabend in der KGS Leeste zieht er das Publikum in seinen Bann, und so lauscht es gebannt seinen Worten – bis es laut auflachen muss. Matthias Ningel erzählt, dass er Widerstand gegen all den Kitsch in der Welt hegt und für einige Dinge ein Buch mit dem Titel: „Knick-Knack-Blup“ führt. Am Monatsende zählt er dann seine Strichliste und kommt mit zahlreichen Bruno Mars Songs im Radio und Kai-Pflaume-Shows im Fernsehen auf eine beachtliche Zahl an Kitsch. Seine Rache ist dann ebenso grausam wie simpel. Er geht in Köln auf die Hohenzollernbrücke und knipst mit dem Bolzenschneider für jeden Strich auf seiner Liste ein kitschiges Liebesschloss ab und wirft es in den Rhein. Daher auch der Titel „Knick-Knack-Blup“.

Außerdem taucht während seiner Vorstellung immer wieder der sogenannte „Alpha-Rolf“ auf, dem scheinbar alles gelingt: guter Job als Banker, Porsche vor der Tür und Muskelberge zum Prahlen. Immer wieder versetzt sich Matthias Ningel in Rolfs Rolle. Dieser sei dem allgegenwärtigen Fitnesswahn verfallen, seine Halsschlagader ist dicker als ein Gartenschlauch und sein Bizeps zerreißt jedes Hemd. Doch Rolf hat noch ein weiteres Geheimrezept: Yoga. Man könne weit kommen durch Yoga – ganz nach dem Motto: „Willst du siegen, musst du dich verbiegen.“

Es ist eine großartige Vorstellung mit tiefsinnigen Wortspielen, die auf mehreren Ebenen beim Publikum für Freude sorgen. Vor allem auch deshalb, weil Ningel die meisten Gags in Liederform verpackt. Tina Fischer, Kulturbeauftragte der Gemeinde Weyhe, sagt in der Pause: „Er trifft mit der Generation Y genau den Zahn der Zeit.“ Außerdem fügt sie noch hinzu: „Musikalisch ist er auf jeden Fall auch super, und so wird das Programm nochmal aufgelockert.“

Seiner Jugendliebe Ilona widmet Ningel auch einen eigenen Song. Eigentlich hatte er diesen auf ihrem 18. Geburtstag spielen wollen, aber dann doch kalte Füße bekommen. So präsentiert er seinem Leester Publikum den Song: „Wenn du ein Drucker wärst, wäre ich der Toner.“

Auch auf die beste App der Welt geht er ein – die Eltern. Sie kochen, waschen, trösten und sind immer für einen da. Nur blöd, wenn die Lizenz der App mal ausläuft. Neben romantisch anmutenden Songs, die gespickt sind mit lustigen Anspielungen, gibt es auch einige ernste Inhalte. So äußerst sich der Kabarettist auf witzige Art und Weise kritisch über Menschen, die immer tun, als ob sie so weltoffen wären und dann im entscheidenden Moment doch einen Rückzieher machen und gar nicht mehr so tolerant sind, wie es schien. Matthias Ningel selbst sagt: „Viele Inspirationen für mein Programm habe ich im Laufe der Zeit gesammelt. Oft waren es Alltagssituationen, die ich erlebt oder mitbekommen habe.“

Er habe Philosophie und Musik studiert und deshalb eine ganz spezielle Technik: „Bei mir ist es mittlerweile so, dass ich in Liederform denke. Sprich: Wenn ich meine Umwelt wahrnehme, prüfe ich sofort, ob das nicht etwas für ein Song sein könnte.“ Sein letztes Lied widmet er der Philosophie und den elementaren Fragen, die damit einhergehen. Andere Menschen jedoch vergnügen sich mit viel bequemeren Angelegenheiten. Daher endet das Lied auch mit einem Zitat aus dem Song von Micky Krause „Zeig doch mal die Möpse“ und kurz danach noch mit einem Zitat aus „Ode an die Freude“ von Beethoven. „Das soll im Prinzip die Bandbreite der Menschheit darstellen – von Hochkultur bis Ballermann“, fasst Ningel zusammen.

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