Viele Menschen verkaufen zurzeit ihr Edelmetall in Geschäften im Nordkreis / Juweliere geben Tipps Es ist nicht alles Gold, was glänzt

Goldankaufgeschäfte gibt es mittlerweile zuhauf. Immer mehr Menschen möchten ihren Schmuck zu Geld machen – der aktuelle Goldkurs ist schließlich verlockend. Der WESER-KURIER hat in einem Versuch herausgefunden, wie unterschiedlich allerdings die Angebote für ein und dasselbe gute Stück Schmuck sein können.
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Von Kaya Leimann

Goldankaufgeschäfte gibt es mittlerweile zuhauf. Immer mehr Menschen möchten ihren Schmuck zu Geld machen – der aktuelle Goldkurs ist schließlich verlockend. Der WESER-KURIER hat in einem Versuch herausgefunden, wie unterschiedlich allerdings die Angebote für ein und dasselbe gute Stück Schmuck sein können.

Landkreis Diepholz. Der Goldkurs steht momentan hoch: Für ein Kilogramm würde man derzeit etwa 43000 Euro erhalten. Eine gute Gelegenheit, geerbte Ketten oder Zahngold zu einem der vielen Goldankaufgeschäfte zu bringen. Im Nordkreis haben so einige neue Geschäfte eröffnet. Sie alle werben mit den besten Preisen. Aber ist es überhaupt ratsam, seinen Schmuck zu verkaufen, und worauf sollte man dabei achten? Mit zwei Goldketten und einem Goldarmband in der Hand hat sich die Autorin auf den Weg zu Geschäften gemacht und deren Wert ermitteln lassen.

Gleich im ersten Geschäft die Enttäuschung. "Die beiden Ketten sind nicht aus Gold", sagt Gina Grobbigge, Angestellte beim Goldankauf Aram mit einer Zweigstelle in Brinkum. Sie seien nur mit Gold überzogen und wohl aus Messing. "Das kommt oft vor, dass Menschen mit vermeidlichem Gold kommen und es am Ende gar keines ist", sagt die Angestellte. Beim Einschmelzen würde von dem Gold nichts übrig bleiben und deshalb wertlos sein.

Bei dem Armband sehe es schon etwas anders aus. Grobbigge nimmt das Armband und reibt es über einen speziellen Stein. Eine goldene Spur bleibt darauf haften, das Reiben beschädigt das Armband aber nicht. Anschließend taucht sie einen feinen Stab in eine Lösung und streicht ihn über die goldene Spur. "Das Armband hat eine 333-er Legierung, das ist die niedrigste. Das Armband wiegt 5,16 Gramm, davon sind rund 1,7 Gramm Gold", sagt Grobbigge. Beim Goldankauf Aram hätten wir dafür 67 Euro bekommen. "Das ändert sich aber von Tag zu Tag und orientiert sich am aktuellen Goldpreis", sagt die Angestellte.

Außerdem würde man in dem Geschäft den Kunden anbieten, wiederzukommen, wenn sie in einem anderen Geschäft ein besseres Angebot erhalten. Dass der Goldpreis gestiegen ist, merkt auch die Filiale in Brinkum. "Die Menschen wollen jetzt wieder vermehrt Altgold, Bestecke, aber auch Eheringe verkaufen", sagt Grobbigge. Für den Goldverkauf hat sie noch einen Tipp. "Die Kunden sollten immer darauf bestehen, dass das Gold vor den eigenen Augen und nicht in einem Hinterraum gewogen wird."

Den Juwelier Seibt in Syke gibt es schon seit vielen Jahren. Für Inhaber Wolfgang Seibt ist der Goldankauf jedoch nur ein Zusatzgeschäft. "Wenn jemand bei uns sein Gold verkaufen möchte, nennen wir manchmal sofort den Preis, lassen es aber meist noch einmal genau prüfen", sagt Seibt. Dabei wird dann innerhalb von einigen Tagen eventuell vorhandenes Steinmaterial ausgefasst, das Gold gereinigt und das genaue Gewicht ermittelt. "Das sprechen wir alles mit unseren Kunden ab. Ich selbst bin gelernter Goldschmiedemeister und würde mir eine solche Ausbildung für die Angestellten der Goldankaufgeschäfte auch wünschen", sagt Seibt. Sein persönlicher Tipp ist es, nur beschädigten Schmuck einschmelzen zu lassen. Das sei jedoch eine individuelle Entscheidung.

Ähnlich arbeitet das Juwelier- und Optikgeschäft Mahlstedt in Brinkum. "Viele Dinge sind eigentlich viel zu schade zum Einschmelzen", sagt die Inhaberin Magret Mahlstedt. Für unser Armband hätten wir dort 41,30 Euro erhalten. Eher selten kämen Kunden mit sehr hochwertigem Gold – zum Beispiel mit einer 585-er, einer 750-er Legierung oder sogar mit Feingold – in das Geschäft. "Zahngold wird bei uns sehr häufig abgegeben, das lohnt sich auch", sagt Mahlstedt.

Wie viel Geld die Goldankaufgeschäfte für Schmuck oder Zahngold zahlen, richtet sich unter anderem nach dem aktuellen Goldkurs. "Jeden morgen um neun Uhr erhalten wir die aktuellen Zahlen", sagt Ulrike Mahn von der Sortenkasse Gold und Edelmetalle in Syke. Am Dienstag dieser Woche lag der Preis für ein Gramm Gold noch bei 62,50 Euro, am Mittwoch bei 43,28 Euro und gestern bei 42,69 Euro. "Es gibt natürlich ganz viele verschiedene Arten von Goldmünzen oder Barren. Die Preise schwanken von Tag zu Tag", sagt Mahn. Gold wird in Unzen gemessen, eine Unze ist rund 28 Gramm schwer. Derzeit sei der Preis für Gold recht hoch. Laut einer Sparkasse in Weyhe könnte das auch der Grund dafür sein, warum die Menschen in den Sparkassen fast gar kein Gold mehr kaufen, sondern lieber verkaufen.

Die Polizei profitiert derzeit sogar von ihren Kontakten zu einigen Goldankaufgeschäften. "Wir nutzen sie, um Diebe zu stellen. Meist sind die Geschäfte ein beliebter Umschlagplatz für Hehlerware", sagt Andrik Hackmann, Pressesprecher der Polizeiinspektion Diepholz. "Über Hinweise sind wir immer dankbar", sagt Hackmann.

Dem Polizeisprecher sind ebenfalls die mittlerweile zahlreich gewordenen Goldankaufgeschäfte aufgefallen. "Die scheinen gerade wie Pilze aus dem Boden zu schießen. Manchmal hört man auch von unehrlichen Preisen", erklärt Hackmann. Im Nordkreis seien der Polizei aber bislang noch keine Fälle von Abzocke bekannt geworden.

Es ist nicht alles Gold, was glänzt

Viele Menschen verkaufen zurzeit ihr Edelmetall in Geschäften im Nordkreis / Juweliere geben Tipps

Zitat:

"Die Menschen wollen

wieder vermehrt Altgold oder Eheringe verkaufen."

Gina Grobbigge

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