Überfall auf Geldtransporter in Stuhr Fahndung nach RAF-Terroristen

Am helllichten Tag überfallen Maskierte im Juni 2015 mit vorgehaltener Panzerfaust und Schnellfeuergewehren einen Geldtransporter, müssen aber ohne Beute flüchten. Am späten Montagabend sickerte durch:
20.01.2016, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Norbert Holst Claudia Ihmels

Am helllichten Tag überfallen Maskierte im Juni 2015 mit vorgehaltener Panzerfaust und Schnellfeuergewehren einen Geldtransporter, müssen aber ohne Beute flüchten. Am späten Montagabend sickerte durch: Hinter dem Überfall im Stuhrer Ortsteil Groß Mackenstedt stecken offenbar drei ehemalige RAF-Mitglieder.

Der Abgleich des am Tatort gefundenen DNA-Materials führt auf die Spur von Daniela Klette (57), Ernst-Volker Staub (58) und Burkhard Garweg (47).

Die Bundesanwaltschaft ermittelt gegen das Trio seit Anfang der 1990er-Jahre. Klette, Staub und Garweg sollen der so genannten dritten Generation der Roten Armee Fraktion angehört haben. Die Staatsanwaltschaft Verden sieht aber offenbar keine neue „vierte Generation“ am Werk: „Hinweise auf einen terroristischen Hintergrund der Tat vom 06.06.2015 gibt es bislang nicht. Vielmehr ist davon auszugehen, dass die Tat allein der Finanzierung des Lebens im Untergrund dienen sollte.“ Auch die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe sieht „keinen terroristischen Bezug“. Gegen die früheren RAF-Mitglieder wird aber nicht nur wegen schweren Raubs ermittelt, sondern auch wegen versuchten Mordes – einer der Täter hat dreimal auf den Geldtransporter geschossen.

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Dienstagnachmittag die nächste Überraschung: Nach Angaben der Verdener Staatsanwaltschaft geht ein weiterer Überfall auf das Konto der untergetauchten Terroristen. Sie sollen am 28. Dezember 2015 auch einen Geldtransporter in Wolfsburg angegriffen haben. Die Täter hatten den Beifahrer auf einem Supermarkt-Parkplatz abgefangen und mit einer Pistole bedroht. Der Fahrer konnte aber mit dem Wagen flüchten, die Räuber gingen leer aus.

In Groß Mackenstedt sollen die Beschuldigten am 6. Juni einen Geldtransporter auf dem Parkplatz des Real-Marktes direkt am Autobahndreieck Stuhr überfallen haben. Beladen mit etwa einer Million Euro wollten Fahrer und Beifahrer um 14.20 Uhr gerade losfahren, als plötzlich ein weißer VW-Van T4 den Weg blockierte. Ein Täter forderte die Insassen auf, die Türen zu öffnen und das Geld herauszugeben. Als dies nicht geschah, auch weil das Sicherheitssystem des Fahrzeugs die Türen blockierte, schoss der Täter – Fahrer und Beifahrer blieben aber unverletzt. Das Trio entkam in einem zuvor abgestellten Fluchtwagen.

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Im Real-Markt sorgten die neuen Entwicklungen gleich für Gesprächsstoff. „Ich bin erschüttert“, sagte eine Kassiererin und fügte hinzu: „So etwas ist sonst immer so weit weg.“ Ähnlich ging es den Mitarbeiterinnen der Postfiliale im Eingangsbereich des Marktes. Sie fragten sich, warum die Täter ausgerechnet den Mackenstedter Markt ausgewählt haben. „Wir sind doch so ein kleiner Laden“, sagten sie. Auch Sabine Wilken, die direkt vor dem Markt in einem Imbiss arbeitet, kann sich noch gut an den Vorfall erinnern. „Ich habe die Schüsse gehört“, sagte sie.

Weitere Erkenntnisse erhoffen sich Polizei und Staatsanwaltschaft nun von der erneuten Ausstrahlung des Falls in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY... ungelöst“. Sie wird an diesem Mittwoch von 20.15 bis 21.45 Uhr ausgestrahlt.

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In Bremen sorgte 2007 eine frühere RAF-Terroristin für Schlagzeilen. Susanne Albrecht war nach verbüßter Haft in einer Stadtteilschule angestellt worden. Im Bürgerschaftswahlkampf kritisierte die CDU ihre Anstellung als „untragbar“. Aber schließlich stellte sich der Elternbeirat der Schule hinter die Lehrerin, die schon lange unter neuem Namen in Bremen lebte.

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