Windmühle in Wedehorn wird mit schwerem Gerät aus den Niederlanden saniert

Familie Block verleiht Flüüügel

Bassum-Wedehorn. Eine Windmühle ohne Flügel – das ergibt ein fürwahr klägliches Bild. Wie ein Elefant ohne Rüssel.
26.10.2016, 00:00
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Familie Block verleiht Flüüügel
Von Micha Bustian
Familie Block verleiht Flüüügel

Schweres Gerät: Eine niederländische Firma montierte gestern neue Flügel an die Wedehorner Wassermühle.

Björn Hake

Bassum-Wedehorn. Eine Windmühle ohne Flügel – das ergibt ein fürwahr klägliches Bild. Wie ein Elefant ohne Rüssel. Wie ein Schwimmbecken ohne Wasser. Ihrer Schönheit beraubt und ohne Sinn. Freunde der Windmühle in Wedehorn dürfen deshalb jetzt aufatmen: Familie Block hat ihrem Galerie-Holländer die seit Februar fehlenden Flügel wieder ansetzen lassen. „Die alten waren 25 Jahre alt und morsch“, begründet Hausherr Detlev Block seine Entscheidung. „Da waren Löcher drin, da konnte ich meine Hand durchstecken.“ Und einen guten Mühlenbauer, den müsse man erst einmal suchen.

Johanna und Detlev Block haben lange gesucht und sich letztlich für die Firma Vaags entschieden. Mit vier Fahrzeugen rückte der Spezialist gestern an: einem alten Feuerwehrauto mit Drehleiter, einem mobilen Kran und zwei Transportern, einer davon mit einem Anhänger. Extra aus den Niederlanden ließ Familie Block die Handwerker anreisen. „Wir haben uns Arbeiten von der Firma angeschaut“, an der Wallmühle in Bremen und der Mühle in Oberneuland. „Was wir dort gesehen haben, hat uns überzeugt. Deshalb haben wir uns für sie entschieden.“

Auch die Finanzierung musste vorher gesichert sein, denn Windmühlenflügel kosten gutes Geld. Einen Betrag im fünfstelligen Bereich mussten die Wedehorner für diese Sanierung bezahlen. Da das Gebäude aber denkmalgeschützt ist, konnten sie Fördergelder beantragen. Das Amt für Landesdenkmalpflege in Hannover gab etwas dazu. Und genau deshalb standen plötzlich auch die Fördertöpfe der Europäischen Union für die Blocks offen. Fast ein Drittel der Gesamtsumme kam letztlich von der öffentlichen Hand.

1981 kauften Johanna und Detlev Block die alte Mühle mit dem Baujahr 1878. „Das war eine Ruine“, blickt Johanna Block zurück. Sechs Jahre hätten sie daran gebastelt und gebaut, ehe sie einzogen, und „dann war es immer noch eine Baustelle“, erinnert sich Detlev Block mit einem Schmunzeln. Sechs Jahre zwischen Kauf und Einzug – das lag auch daran, dass „hier kein normaler Wandschrank reinpasst“. Für den studierten Architekten waren die handgearbeiteten Möbel allerdings kein Problem. „Handwerkliche Dinge bereiten mir keine Schwierigkeiten.“

Mittlerweile wohnt das Ehepaar seit 29 Jahren in seinem Galerie-Holländer. Da war es mal Zeit für neue Flügel. Als Erstes setzten die niederländischen Handwerker die sogenannte Windrose – ein kleines Windrad – auf das Dach. Dann drehten sie die Kappe – Fachjargon für die bewegliche Dachspitze einer Mühle – in die Richtung, die sie für die Montage für richtig empfanden. Da die alten Flügel bereits abgenommen waren, konnten anschließend die neuen Exemplare angeschraubt werden. In luftiger Höhe versteht sich. Aber dafür hatte die Firma ja ihren ausrangierten Feuerwehrwagen mit Drehleiter mitgebracht. Während die alten Flügel ausschließlich aus Holz gefertigt waren, sind die neuen nur noch teilweise aus Holz und größtenteils aus Metall. „Die hölzernen Teile kann man problemlos austauschen“, beschreibt Detlev Block einen Vorteil. „Das ist sicher der letzte Satz Flügel, den ich erleben werde.“

Dass das Gebäude denkmalgeschützt ist, war bei der Sanierung übrigens kein Problem. „Der Denkmalschutz ist nur hinderlich, wenn man große Panoramafenster einsetzen will. Oder eine große Glaskuppel, durch die man in die Sterne gucken kann“, erklärt Detlev Block. Außerdem habe die Mühle bereits unter Denkmalschutz gestanden, als sie 1987 eingezogen sind. „Wir haben damals Umnutzung beantragt“, erläutert Detlev Block. Was genehmigt wurde, „niemand hat von uns verlangt, dass wir die Mühlsteine wieder in Betrieb nehmen“. Verarbeitet hat sie der 71-jährige Tüftler dennoch: Zwei Schrotsteine liegen im Eingangsbereich, ein Mehlstein vor der Haustür. Wichtig: „Die Wohnnutzung darf von außen nicht zu erkennen sein.“

Die Wedehorner Mühle hat überdies noch eine Besonderheit zu bieten: Sie ist ein gemauerter Galerie-Holländer. Heißt: Die Kappe ruht auf Mauerwerk, nicht auf acht Holzpfeilern, wie sonst üblich. Der Großteil der Windmühlen sei nur bis zu Galerie gemauert, die in Wedehorn bis unters Dach. Für Johanna Block einst ein Grund, dort einzuziehen. „Ich fand die Mühle damals solider als ein Fachwerkhaus.“

Sind alle Flügel wieder dran, sollen sie sich auch wieder drehen. Dafür wird die Kappe von den niederländischen Spezialisten in die Hauptwindrichtung Südost gedreht. Die Flügel werden arrettiert, was aber wieder gelöst werden kann.„Das ist Technik wie vor 100 Jahren, da muss immer einer dabei stehen“, weiß Johanna Block. Also drehen sich die Windmühlenflügel „nur, wenn jemand Lust hat“, oder wenn Besuch kommt. Denn Gästeführer und Landfrauen schauen gerne mal vorbei. Und jetzt, wo die Wedehorner Windmühle wieder Flügel hat, wahrscheinlich noch lieber.

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