ADAC-Vizepräsident Burkhardt Referent beim kleinen Verkehrsgerichtstag der Verkehrswacht Grafschaft Hoya Fragezeichen in Sachen Elektromobilität

Stuhr·Landkreis Diepholz (fr). Erreichen wir mit dem Umstieg von 'Benzinkutschen' auf Elektroautos wirklich die erhoffte Entlastung unserer Umwelt? Ist die volkstümlich Idiotentest genannte MPU (Medizinisch psychologische Untersuchung) verfassungswidrig? Und: Welche rechtlichen Probleme gibt es, wenn die Begleitperson eines Teilnehmers an Projekt 'Führerschein mit 17' sich falsch verhält? Das waren die Themen des kleinen Verkehrsgerichtstages 2010 der Verkehrswacht Grafschaft Hoya, der jetzt im Hotel Bremer Tor in Brinkum stattgefunden hat.
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von FR FR

Stuhr·Landkreis Diepholz (fr). Erreichen wir mit dem Umstieg von 'Benzinkutschen' auf Elektroautos wirklich die erhoffte Entlastung unserer Umwelt? Ist die volkstümlich Idiotentest genannte MPU (Medizinisch psychologische Untersuchung) verfassungswidrig? Und: Welche rechtlichen Probleme gibt es, wenn die Begleitperson eines Teilnehmers an Projekt 'Führerschein mit 17' sich falsch verhält? Das waren die Themen des kleinen Verkehrsgerichtstages 2010 der Verkehrswacht Grafschaft Hoya, der jetzt im Hotel Bremer Tor in Brinkum stattgefunden hat.

Rund 60 Staatsanwälte, Richter, Rechtsanwälte und leitende Polizeibeamte aus Bremen und dem Niedersächsischen Umland sowie die Vertreter anderer mit Fragen rund um die Verkehrssicherheit befasster Organisationen nahmen an der Veranstaltung teil. Alle zwei Jahre lädt die Verkehrswacht Grafschaft Hoya zu dem Seminar ein. Bei der nunmehr 21. Auflage konnte Vorsitzender Wolfgang Rathke eine für die Bundesrepublik besondere Premiere vorweisen: Mit dem im großen Automobilclub für den Bereich Technik zuständigen Thomas Burkhard war ein ADAC-Vizepräsident als Referent zum Thema 'Elektromobilität und Verkehrssicherheit/Herausforderung für die Rettungsdienste/Reale Ökobilanz' gewonnen worden.

Die Idee ist nicht neu

Der zeigte anhand von bis zu über 110 Jahre alten Beispielen auf, dass die Automobilindustrie viel früher als heute bekannt ist, batteriebetriebene Fahrzeuge nicht nur für spezielle gewerbliche Zwecke, sondern auch für den Individualverkehr gebaut und verkauft habe. In den ersten Jahrzehnten des vorigen Jahrhunderts seien mehr als die Hälfte aller Motorfahrzeuge in den USA E-Mobile gewesen - in Mitteleuropa rund 30 Prozent.

Mit den gestiegenen Ansprüchen der Menschen an Leistung, Reichweite und Komfort des Autos sei das E-Mobil nicht mehr konkurrenzfähig gewesen. Wenn heute die E-Mobilität neu entdeckt werde, dann stehe die Industrie vor der schwierigen Aufgabe, die Fahrzeuge den bestehenden Bedürfnissen anzupassen sowie Batteriesätze mit ausreichender Kapazität und Lebensdauer zu vertretbaren Preisen anzubieten. Selbst wer dazu in der Lage und bereit sei, für die Beruhigung des Öko-Gewissens ein paar Tausender mehr auszugeben, könne vor einem Kleinwagen mit sehr mäßigen Fahrleistungen und maximal 200 Kilometer Reichweite für 68000 Euro und einer sehr begrenzten Lebensdauer der über 10 000 Euro teuren Batterie zurückzucken. Ob dann das Chauffeursgewissen wirklich ökologisch rein sein darf, hänge noch von zwei weiteren Faktoren ab: Wird zur Aufladung Windenergie genutzt oder kommt der Strom aus einem Kohlekraftwerk? Und wie sehr belastet einen potenziellen Käufer die Frage nach Gewinnung und

Wiederverwertung der benötigten Rohstoffe und der Ausbau des Stromnetzes?

Die häufig von Gegnern der E-Mobilität ins Feld geführte besondere Gefährlichkeit der Batterien bei Havarien sieht Burkhardt als nicht gegeben an. Eine Gefährdung der Rettungsdienste könne aber von den Hochvoltbereichen des Fahrzeuges ausgehen. Als wichtiges Hilfsmittel für die Helferschulung empfahl Burkhardt deshalb die vom ADAC entwickelten Rettungskarten.

Vorangegangen war dem Vortrag des ADAC-Vizepräsidenten zunächst ein Referat des Oldenburger Rechtsanwaltes Frank-Roland Hillmann. Dieser trat dafür ein, rechtliche Widerspruchsmöglichkeiten gegen Anordnung und Ergebnis einer Medizinisch Psychologischen Untersuchung ('Idiotentest') zu schaffen. Die gegenwärtige Praxis, die nach seinen Erfahrungen und seiner Meinung willkürliche Verletzungen der Grundrechte betroffener Personen erlaubt, sei verfassungswidrig. 95 Prozent aller Anordnungen einer MPU und 95 Prozent der Ergebnisse gingen zwar sachlich-fachlich in Ordnung, doch gebe es krasse Fehlentscheidungen - laut Hillmann insbesondere von Psychologen -, die nicht nur in Einzelfällen zur Vernichtung von Existenzen unbescholtener und rechtlich wehrloser Bürger geführt hätten.

Führerschein mit 17

Dritter Referent war Rechtsanwalt Oliver Brock aus Brilon mit dem Thema 'Rechtliche Probleme beim begleiteten Fahren mit 17'. Dabei interessierte das Publikum besonders die Frage nach der Belangbarkeit der eingetragenen Begleitperson, wenn diese einen Fehler des jungen Fahrers veranlasst habe. Hierbei war man sich einig, dass der Gesetzgeber noch diverse 'handwerkliche' Fehler im Regelwerk auszubügeln hat.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+