Der Sparklub Weihnachtsfreude besteht seit 100 Jahren / Alte Unterlagen sollen ins Gemeindearchiv Früher Mark, später D-Mark, heute Euro

Niedrige Zinsen sind der erklärte Feind eines jeden, der sein Geld zur Bank trägt und spart. Zurzeit sind die Zinsen quasi kaum noch messbar, davon lassen sich aber einige Sparer nicht abschrecken, nämlich die 42 Mitglieder des Sparklubs Weihnachtsfreude. Sie sparen einfach weiter, denn es gilt, eine Tradition fortzuführen. In diesem Jahr feiert der Sparclub sein 100-jähriges Bestehen.
08.02.2014, 00:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Früher Mark, später D-Mark, heute Euro
Von Markus Tönnishoff

Niedrige Zinsen sind der erklärte Feind eines jeden, der sein Geld zur Bank trägt und spart. Zurzeit sind die Zinsen quasi kaum noch messbar, davon lassen sich aber einige Sparer nicht abschrecken, nämlich die 42 Mitglieder des Sparklubs Weihnachtsfreude. Sie sparen einfach weiter, denn es gilt, eine Tradition fortzuführen. In diesem Jahr feiert der Sparclub sein 100-jähriges Bestehen.

„Eigentlich geht es nicht in erster Linie um das Geld, sondern um die Geselligkeit“, erklärt Werner Heinken das Tun der Klubmitglieder. Heinken ist seit Dezember 2012 Präsident des Klubs. Und als solcher hat er nun auch die alten Mitglieds- und Protokollbücher in seine Obhut genommen. „Aus Sicherheitsgründen sollte man sie eigentlich nicht zu Hause haben, deshalb will ich sie einscannen und die Originale ins Gemeindearchiv ins Rathaus bringen“, sagt Heinken. Schließlich könnten sie einem Einbruch oder einem Brand zum Opfer fallen.

Gegründet wurde der Klub entweder im Januar oder im März des Jahres 1914, das sei nicht ganz klar, so Heinken. Klar hingegen ist, dass er in der Gaststätte Zur Erholung gegründet wurde – dem heutigen Gasthaus Nobel, wo der Klub immer noch sein Domizil hat. Dort hängt auch der Sparschrank.

In den alten Unterlagen hat Heinken einen historischen Abriss zur Geschichte des Klubs gefunden. Verfasst worden war er zum 70-jährigen Bestehen des Klubs von Eugen de Porre. In den Anfangszeiten, hatte de Porre recherchiert, wurde die Kasse immer sonnabendabends geleert. Und das hatte wohl seinen Grund, damals war der Sonnabend nämlich Zahltag. Und: Vorher konnten die Mitglieder noch ohne „häusliche Ablenkung“ Bier und Korn trinken. Der Erste Weltkrieg riss dann Lücken in die Reihen der Mitglieder, am 28. Dezember 1919 fand jedoch wieder eine Generalversammlung statt.

Doch mit dem Beginn der 1920er-Jahre begann auch die Inflation. Teilweise bekamen die Arbeitnehmer ihr Geld stündlich ausgezahlt, nur um des Abends zu Hause festzustellen, dass man von seinem Tagesverdienst nicht mal ein Brot kaufen konnte. Anfang 1921 kostete ein Fahrschein für die Bremer Straßenbahn noch 15 Pfennig, im Dezember 1923 schlug die Fahrt mit 150 Milliarden Mark zu Buche. Der Klub stellte also das Sparen ein.

Mit dem Jahr 1926 hatte sich die Lage wieder gebessert, und drei Jahre später bekam der Klub weitere Mitglieder. Der Gesangsverein Harmonie hatte seine Übungsabende zu Nobel verlegt, und so traten viele Sänger dem Klub bei. Eugen De Porre vermutete jedoch, dass es dabei einen Hintergedanken bei den Sängern gab, denn wenn sie einen Abend zur Probe und einen anderen Abend zum Klub gingen,dann hatten sie „zwei regierungsfreie“ Abende.

Nach dem Zweiten Weltkrieg lag auch das Klubleben danieder. Bis Anfang 1948 wurden keine Beiträge eingezahlt, doch im Juni 1948 gab es dann die Währungsreform, die D-Mark sorgte dafür, dass das Leben in Deutschland wieder Fahrt aufnahm – natürlich auch bei den Moordeicher Sparern, fortan landeten D-Markstücke im Sparschrank. Das sich dann entwickelnde Wirtschaftswunder nahm auch den Sparklub mit, Feste wurden gefeiert und Fahrten unternommen. Im Jahr 2012 wollte dann der Vorstand nicht mehr amtieren, sagt Heinken. Der Verein stand vor der Auflösung, so Heinken weiter. Doch soll man sich so kurz vor dem 100. Geburtstag aus der Geschichte verabschieden? Nein, dass wollten die Klubmitglieder dann doch nicht, also ging es weiter.

Heutzutage gibt es kaum noch gemeinsame Ausflüge, aber immer zu Nikolaus wird der Klub aktiv. Dann nämlich sorgt er dafür, dass bei einer kleinen Feier bei Nobel auch die Kinder eine bunte Tüte in die Hand gedrückt bekommen. Ansonsten wird das gesparte Geld, das durchaus schon mal einen fünfstelligen Betrag ausmachen kann, anteilig an die Mitglieder ausgeschüttet. „Es gibt keine festen Sparbeträge, jeder tut etwas in sein Sparfach, wenn er da ist und es möchte“, so Heinken, dem dann die Aufgabe obliegt, einmal monatlich das Geld einzusammeln, es zur Bank zu bringen und den jeweiligen Betrag in einer Liste einzutragen, damit klar ist, wer wie viel gespart hat.

Bleibt nur noch die Frage, warum der Klub auf den Namen Weihnachtsfreude hört. Die Antwort ist eigentlich ganz einfach: „Man wollte über das Jahr über Geld sparen, um seiner Familie zu Weihnachten eine Freude machen zu können“, erklärt Heinken.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+