Dorfgemeinschaft Dipshorn Für den Zusammenhalt im Ort

Damit der Zusammenhalt im Dorf bestehen bleibt, wurde vor gut zehn Jahren die Dorfgemeinschaft Dipshorn gegründet. Hans-Werner Meyer ist der Vorsitzende.
15.03.2021, 09:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Undine Mader

Verglichen mit anderen Dorfgemeinschaften ist die Dipshorner noch jung. Am 15. Oktober 2010 wurde sie gegründet. Seitdem ist Hans-Werner Meyer ihr Vorsitzender. Die Feuerwehr gab es nicht mehr, sie hatte sich aufgelöst, damals der einzige Kulturträger im Ort, sagt Meyer. Damit es im Dorf dennoch lebendig bleibt, fanden sich die Frauen und Männer um Hans-Werner Meyer zu der Dorfgemeinschaft zusammen. Sie kaufte für die jungen Leute im Ort einen Erntewagen. Sie zeichnet verantwortlich für feste Programmpunkte im Jahreskalender: für das Rahmenprogramm des Osterfeuers, für Radtour und das Laternelaufen. Ihr jüngstes Projekt, eine überdachte Terrasse am Dorfgemeinschaftshaus, wartet nur darauf, dass die Menschen wieder zusammenkommen können.

Rund 230 Menschen leben in Dipshorn, das in der Samtgemeinde Tarmstedt liegt. Für Hans-Werner Meyer bedeutet das Dorf Heimatgefühl. „Es ist übersichtlich, und man kennt eigentlich jeden“, sagt er. Weil er ein Alteingesessener ist, hieß es bei der Gründung der Dorfgemeinschaft, er solle mal den Vorsitz machen. So ist es geblieben.

Vom Kleinkind bis zum Senior

Die Dorfgemeinschaft zählt momentan etwa 75 Mitglieder. Die Altersspanne reicht vom Kleinkind bis zu Senioren. Fünf der Mitglieder bilden den Vorstand. Der folgt dem Selbstverständnis: „Man muss immer sehen, dass man was anschiebt.“ Dabei orientieren sie sich an dem, „was an Wünschen aus dem Dorf herangetragen wird“.

Manchmal läuft etwas gut, manchmal nicht, sagt Meyer. Gut komme der Dorf-Move-Wagen an. Den Erntewagen hatte die Dorfgemeinschaft gebraucht erstanden, damit die jungen Leute beim Vorwerker Ernteumzug teilnehmen können. Das Angebot soll sie zudem motivieren, sich für die Dorfgemeinschaft zu engagieren.

Leseabend, Tagesausflüge mit dem Bus zum Wattenmeer oder zu Museen, Filmabende im Dorfgemeinschaftshaus, Public Viewing zur Fußball-Weltmeisterschaft und ein Gymnastikkursus wurden schon organisiert. Dabei geben Meyer und sein Vorstandsteam die Umsetzung gerne auch in andere Hände, damit sich die Arbeit etwas verteilt. Gemeinsam solle das Dorfleben vorangebracht werden - „da ist noch Luft nach oben“, findet Meyer.

Ein anderes Projekt ist das Dorfgemeinschaftshaus, Baujahr 1978. Es war in die Jahre gekommen, in Abstimmung mit der Gemeinde packte die Dorfgemeinschaft an. „Einen großen Teil haben wir selber gemacht“, berichtet Meyer. Drinnen und draußen, fertig geworden mit Beginn des ersten Lockdown im vergangenen Jahr. Seitdem wartet die neue überdachte Terrasse auf ihre Bestimmung: „Wir wollen uns im Sommer einmal im Monat nach Feierabend zum Dorfschnack treffen“, so Meyer. Jeder, der Lust dazu habe, sei eingeladen. Vielleicht entstünden dort auch neue Ideen und die Dorfgemeinschaft erfahre, was im Ort gewünscht sei. Das schafft Gemeinschaftsgefühl.

So weiß der Vorsitzende auch schon, wie es nach Corona weitergehen soll: Die Neubürger, die während der Pandemie nach Dipshorn gezogen sind, sollen einbezogen werden - „sie müssen natürlich auch wollen“. Aber das Angebot wolle die Dorfgemeinschaft unterbreiten, damit es in Dipshorn nicht so anonym werde wie im städtischen Bereich. Meyer spricht von „ein bisschen mehr Verantwortungsgefühl den Nachbarn gegenüber“. Dies zu fördern sieht er auch als ein Ziel der Dorfgemeinschaft an, die trotz der Pandemie nicht ganz tatenlos bleibt. Weihnachten verteilte der Vorstand selbst gebackene Plätzchen im Dorf, Ende März steht das Müllsammeln an den Straßen an. Dafür hat sich der Vorstand gerade ausgesprochen. Mittlerweile ist Meyer 60 Jahre alt. Er hofft, dass irgendwann ein Jüngerer den Vorsitz übernimmt. An Lust mangelt es ihm nicht, sagt er. Aber: „Es soll ja kein Opa-Verein sein.“ Vielmehr hofft er, dass mit jüngeren Leuten die Generationenfolge weiter geht. Gerne könne auch jemand in den 20ern als Beisitzer in die Vorstandsarbeit hineinwachsen.

Zur Sache:

In Lilienthal hat die Dorfgemeinschaft Klostermoor kürzlich ihre Auflösung bekannt gegeben. Der Verein war 1965 gegründet worden, um das dörfliche Brauchtum zu pflegen und zu fördern. Das Interesse habe nachgelassen, begründete die Vorsitzende Gudrun Apel das Aus, außerdem sei dem Dorf das Dörfliche abhandengekommen. „Lilienthal verändert sich natürlich“, bestätigt Bürgermeister Kristian Tangermann. Nicht mehr in allen Bereichen sei es Dorf, aber die überschaubare Größe lasse zu, dass man sich noch kennt. Dorfgemeinschaften spielen daher auch in Lilienthal eine Rolle, insbesondere in St. Jürgen, Seebergen, Heidberg und Worphausen. Tangermann lebt in Seebergen, deshalb weiß er: „Wenn man mitmachen möchte und rausgeht, findet man schnell Anschluss.“ "Dorfgemeinschaften und Heimatvereine sind bei uns wichtige Einrichtungen“, sagt Worpswedes Bürgermeister Stefan Schwenke. Ihr Wirken fördere den Zusammenhalt im Dorf. Aber: „Wenn nicht ein paar bereit sind zu organisieren, stirbt das Ganze oder kommt gar nicht in Gang.“ In Worpswede seien die Dorfgemeinschaften kein Auslaufmodell, sie müssten sich möglicherweise nur anpassen. „Die Dorfgemeinschaften sind wirklich stark“, betont der Allgemeine Vertreter der Grasberger Bürgermeisterin, Stefan Ritthaler. In der Hälfte der Vorstände sei der Generationswechsel schon vollzogen.

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