Landkreis Diepholz Gastronomen fürchten generelles Rauchverbot

Landkreis Diepholz. Rauchen ist in vielen Gaststätten und Kneipen in abgetrennten Bereichen möglich. Nun fordern die Bremer Grünen ein generelles Rauchverbot und eine Abschaffung der Raucherräume. Die Gastronomen im Nordkreis fürchten ein generelles Verbot.
17.08.2012, 10:10
Lesedauer: 4 Min
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Von Annika Richter und Kaya Leimann

Landkreis Diepholz. Rauchen ist in vielen Gaststätten und Kneipen in abgetrennten Bereichen möglich. Nun fordern die Bremer Grünen ein generelles Rauchverbot und eine Abschaffung der Raucherräume. Die Gastronomen im Nordkreis fürchten ein generelles Verbot.

Mit seinen beiden Freunden Atay Mehmet und Stefan Bründer sitzt Philipp Meyer im Martini in Barrien. Er ist der einzige Nichtraucher aus der Gruppe – und will es auch bleiben. „Meine beiden Eltern rauchen, deshalb kenne ich das gar nicht anders“, sagt er. „Aber beim Essen stört es mich schon, wenn jemand seine Zigarette ansteckt.“

Im Sommer könne man noch draußen sitzen, im Winter müsse man sich schon zwischen Raucher- und Nichtraucherbereich entscheiden. „Mit Atay und Stefan ist das kein Problem“, sagt Meyer. „Es gibt aber auch andere aus meinem Bekanntenkreis, die es ohne Zigarette beim Essen nicht aushalten würden.“

Um Nichtraucher wie Philipp Meyer noch besser vor dem blauen Dunst der Zigaretten zu schützen, wollen Bremens Grüne das bestehende Nichtraucherschutzgesetz verschärfen. Da das Gesetz in der Hansestadt zum Jahresende ausläuft, wollen die Grünen die Gelegenheit nutzen, um ein generelles Rauchverbot in Gaststätten und Kneipen auszusprechen. Und um die Ausnahmeregelungen abzuschaffen, die Raucherkneipen und abgetrennte Raucherbereiche in Gaststätten ermöglichen.

Bei ihren Parteikollegen im Landkreis Diepholz stoßen die Bremer Grünen mit ihrem Vorschlag auf wenig Gegenliebe. „Ich finde die Idee übertrieben“, sagt Elmar Könemund vom Weyher Ortsverband der Grünen. „Ich denke, dem, was jetzt Gesetzeslage ist, sollte man die Chance geben, sich zu bewähren. Das ist ja auch eine Frage der Akzeptanz“, fügt Könemund hinzu. „Was inzwischen relativ gut akzeptiert wird, sollte jetzt nicht schon wieder verschärft werden.“

Marita Thiel-Wolf von den Syker Grünen könnte sich hingegen in Niedersachsen eine teilweise Verschärfung des Nichtraucherschutzgesetzes vorstellen. „In Gaststätten fände ich ein generelles Rauchverbot und die Aufhebung der Raucherzonen völlig in Ordnung“, sagt sie. „Beim Essen stört das Rauchen einfach. Und die Raucherräume sind nie so von der Nichtraucherzone getrennt, dass es zu keiner Belästigung kommt.“

In Kneipen hingegen solle man es ruhig bei den abgetrennten Raucherbereichen belassen. „Ich kenne wenige Menschen, die noch rauchen“, sagt sie. „Wenn die allein vor die Tür müssen, ist das unglücklich.“ Erst einmal könne man in Niedersachsen ein generelles Rauchverbot in Gaststätten einführen – in Kneipen könne man perspektivisch darüber nachdenken, meint Thiel-Wolf.

Das sieht Heinz Nobel ganz anders. „Was spricht den gegen Raucherräume in Gaststätten?“, fragt der Inhaber des Gasthauses Nobel in Moordeich. „Wenn man die verbietet, stempelt man Raucher als reine Kneipengänger ab. Dabei gibt es genug Raucher, die zu ihrer Zigarette nicht nur gerne etwas Gutes trinken, sondern auch essen.“

Nobel hat in seinem Gasthaus einen abgetrennten Raucherbereich und würde ihn schon aus seinen eigenen Erfahrungen heraus ungern wieder abschaffen. Er rauche selbst gern einmal nach dem Essen eine Zigarre oder einen Zigarillo. „Ich bin ein Genussraucher“, sagt er. „Diese Menschen kommen in der Diskussion um den Nichtraucherschutz zu kurz.“ Toleranz und Rücksichtnahme von beiden Seiten – mehr sei nach Nobels Meinung für ein friedliches Miteinander von Rauchern und Nichtrauchern nicht nötig: „Es muss für beide Seiten die Möglichkeit geben, auszugehen, ohne komisch angesehen zu werden.“

Hinzu käme der finanzielle Aspekt, den eine Gesetzesänderung mit sich bringen würde, meint Armin Khalili, Inhaber der Gaststätte Martini in Barrien. Als das Nichtraucherschutzgesetz in Niedersachsen eingeführt wurde, habe das Martini Probleme bekommen. „Die Gäste sind nach Bremen ausgewichen“, sagt Khalili. „Dadurch hatte ich einen ganz schönen finanziellen Schaden.“ Der Gastronom richtete in seiner Gaststätte einen abgetrennten Raucherraum ein.

„Für die Abtrennung, die Lüftung, die Tür und so weiter musste ich viel Geld investieren“, erzählt er. „Sollten die Raucherbereiche in Gaststätten verboten werden, wäre das für Gastronomen wie mich ein harter Schlag.“ Zumal die Raucher einen beträchtlichen Teil zum Umsatz beitragen würden.

Zwar sei der Anteil der Nichtraucher im Martini höher als der der Raucher, doch letztere konsumierten mehr. „Der Raucherbereich macht bei mir etwa ein Drittel des gesamten Gastraumes aus“, sagt Khalili. „Aber im Vergleich zum Nichtraucherbereich ist der Umsatz derselbe.“ Der Gastronom findet den Vorstoß der Bremer Grünen beängstigend: „Sollte die Gesetzesänderung in Bremen durchkommen, frage ich mich, wie lange es dauert, bis das Gesetz auch in Niedersachsen verschärft wird“, sagt er.

Philipp Meyer, Atay Mehmet und Stefan Bründer unterhalten sich derweil angeregt über das Thema. „Ich fände es schon schade, wenn alle Raucherräume abgeschafft würden. Man sollte einen Unterschied machen, ob man gemütlich essen oder nur etwas trinken geht“, sagt Bründer. Er selbst ist Raucher und meint, dass jeder selbst entscheiden könne, ob er sich in eine Raucherkneipe setzt oder nicht.

„Für jemanden, der auf seine Zigarette besteht, würde ich nicht in den Raucherbereich gehen“, sagt Meyer hingegen. „Dem stelle ich dann schon die Frage, ob er es für das Essen ohne aushält.“ Für Meyer käme es ganz auf die Situation an. Draußen stört ihn der Qualm nicht, im Inneren einer Gaststätte schon. Mehmet kommt aus Australien und ist gerade zu Besuch in Deutschland. „In Australien ist das Rauchen schon seit einiger Zeit ganz verboten. Raucherbereiche kennen wir bei uns überhaupt nicht“, sagt er.

In einem Punkt sind sich die drei dann aber doch einig. Aus Gastronomensicht könne das neue Gesetz schwierig werden. „Da überlegen es sich die Raucher wahrscheinlich dreimal, ob sie in ein Nichtraucher-Restaurant fahren oder sich lieber etwas nach Hause bestellen“, fürchten sie.

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