Geschäftsbericht

Nüstern im erfrischenden Nebel

Sonja Oetken aus Ahausen hilft kranken Pferden mit Meeresklima aus ihrem mobilen Inhalationsanhänger. Seit rund zwei Jahren verleiht sie die mobile und mit allerlei Technik ausgerüstete Pferde-Box an Kunden.
06.05.2019, 14:25
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Nüstern im erfrischenden Nebel
Von Lars Köppler
Nüstern im erfrischenden Nebel

Dem Lewitzer-Pony Globus ging es schon mal sehr viel schlechter. Doch der Sole-Nebel von Sonja Oetken hat auch ihm geholfen.

Björn Hake

„Meeresklima im Stall“: Was sich anhört wie der Slogan aus einem Prospekt für Ferien auf einem Reiterhof, hat für Sonja Oetken einen sehr viel ernsteren Hintergrund. Seit fast zwei Jahren ist die 40-jährige Ahauserin mit einem mobilen Pferdeanhänger unterwegs, den sie an Pferdebesitzer im Umkreis von bis zu 200 Kilometern verleiht, deren Tiere an Atemwegserkrankungen leiden. Der Clou: Der auffällige orangefarbene Anhänger mit der Aufschrift „SOS“ ist technisch so ausgerüstet, das die stolzen Huftiere ohne Maske ein Gemisch aus Sole und Sauerstoff inhalieren und sich so auf bequeme Art und Weise therapieren lassen können.

Die ausgebildete Rechtsanwalts- und Notarfachangestellte war und ist von diesem Prinzip der Frischzellenkur so überzeugt, dass sie sich den nicht gerade günstigen Anhänger gekauft und im Juli 2017 das Gewerbe angemeldet hat. „Bei der Sole-Verneblung wird durch Überschall aus der hochwertigen angereicherten Solelösung ein mikrofeiner, trockener und tragfähiger Nebel erzeugt. Die sogenannten Aerosole dringen tief in die Atemwege ein“, erklärt Oetken, die die Behandlung mit natürlichem Salz aus dem Toten Meer und ionisiertem Sauerstoff auch bei Pferden mit Allergien, Husten, Ekzemen oder plötzlichem Leistungsabfall für eine sinnvolle und unterstützende Therapie hält. Die Sole hilft dabei, störende Teilchen wieder aus der Pferdelunge zu befördern, denn sie hat eine schleimlösende Wirkung.

„Husten schon ein Spätsymptom“

„Pferde sind unheimlich empfindlich und reagieren sehr auf Staub. Wenn die Tiere husten, ist das schon ein Spätsymptom“, betont Oetken. Auf ihrer Weide in Eversen hält sie das 13 Jahre alte Lewitzer-Pony Globus, das selbst schon eine bewegte Geschichte hinter sich hat. „Er ist Allergiker. Ich hatte mit ihm mehrere Stallwechsel, dann ist der Stoffwechsel eingebrochen“, erinnert sich die Mutter dreier Töchter auch an das starke Übergewicht, das Globus bekam. Die Anwendung in dem Inhalationsanhänger habe sich derweil positiv auf seinen Gesundheitszustand ausgewirkt.

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Sonja Oetken kann also aus eigener Erfahrung den Leidensweg eines Pferdes nachvollziehen. „Bei unzureichender Sauerstoffversorgung durch die erwähnten Krankheiten kommt es beim Pferd zu einer Übersäuerung des Organismus. Ähnlich wie bei einem Muskelkater oder einer Verspannung“, weiß die Expertin zu berichten. Der ionisierte Sauerstoff könne dem entgegenwirken.

Salz aus dem Toten Meer

Vernebelt wird derweil bei ihren Anwendungen das Salz des Toten Meeres, das hauptsächlich aus Magnesiumsalzen besteht, die sich entspannend auf die Atemwege auswirken. „Zusätzlich sind wertvolle Mineralien wie Kalium, Kalzium, Eisen, Brom, Jod und Zink enthalten“, erklärt Oetken. Salz sei bekannt für eine entzündungshemmende, antibakterielle, antiallergische und pilzhemmende Wirkung. Als „Herzstück“ der Technik ihres mobilen Pferde-Inhalationsanhängers bezeichnet Oetken den Sauerstoffkonzentrator mit Ultraschallvernebler. „Es ist ein getrenntes System mit einem hohen hygienischen Standard“, erklärt die 40-Jährige, ohne zu sehr ins technische Detail zu gehen. Wichtig ist Oetken, dass – obwohl sie kein Heilversprechen abgeben kann und darf – die Pferde ihrer Kunden durch die Inhalationen wieder mehr vom Leben haben. Bei Globus habe die Wellnessanwendung ihre Wirkung nicht verfehlt. „Der Stoffwechsel wird angeregt und man merkt, wie die Pferde entschlacken.“

Inzwischen hat Oetken auf ihrer Weide zwei weitere Tiere stehen, die ebenfalls von dem erfrischenden Nebel profitieren. Gummibärchen, so der Name ihres Shetland-Ponys, habe schwer geatmet und gehustet, als sie ihn im Februar 2017 unter ihre Fittiche nahm. Das Pony war letztlich auch die Initialzündung für die Gründung ihres Gewerbes. Von einem Gnadenhof an der Nordsee hatte Oetken zudem im vergangenen Dezember das Welsh-Pony Domino nach Eversen geholt. „Selbst die Nordseeluft hatte ihm keine Linderung gebracht“, beschreibt Oetken den damaligen Zustand des Tieres.

Kooperation mit Tierärzten als Ziel

Ihren Pferde-Inhalationsanhänger vermietet Oetken in der Regel tage- oder wochenweise an Besitzer von kranken Pferden. Die Ahauserin bringt den mobilen Anhänger zu den Kunden, baut ihn auf und verkabelt die Technik. „Wer für eine Woche mietet, bekommt eine Gratisanwendung dazu“, wirbt Oetken für ihre Sache. Dass sie mit ihrer Geschäftsidee den richtigen Weg eingeschlagen hat, merke sie an den bisher vielen positiven Rückmeldungen von Kunden. Ein Ziel hat sich die 40-Jährige für die nahe Zukunft derweil gesetzt. „Für mich ist es wichtig, mit den Tierärzten in Kontakt zu kommen“, weiß sie, dass hier noch Überzeugungsarbeit zu leisten ist, um möglicherweise eine bessere Kooperation mit den Veterinärmedizinern zu erzielen.

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