Naturschutzbehörde sieht Kinder gefährdet

Amtliche Bedenken gegen Breddorfer Kita-Pläne

Die Naturschutzbehörde des Landkreises Rotenburg hat Bedenken gegen die geplante Erweiterung des Breddorfer Kindergartens. Sie sieht Kinder und Personal durch Windwurf gefährdet.
24.09.2021, 20:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Johannes Heeg

Breddorf. Beim Breddorfer Kindergartenanbau läuft es einfach nicht rund. Nicht nur mit erheblichen Kostensteigerungen haben die Gemeindeverantwortlichen zu tun (wir berichteten). Nun gibt es zusätzlich auch noch Probleme mit der Baugenehmigung. Ein Schreiben des Landkreises Rotenburg sorgt für Aufregung im Dorf: Die untere Naturschutzbehörde hat erhebliche Bedenken gegen die Pläne zur Erweiterung des kommunalen Kindergartens geäußert, teilt das Amt für Bauaufsicht und Bauleitplanung der Gemeinde mit.

Wörtlich heißt es in dem Brief: "Aus naturschutzrechtlicher und waldrechtlicher Sicht ist die Überschreitung der Baugrenze nach Westen und Süden nicht möglich." Angrenzend befinde sich ein sehr großer Waldbestand, der etwa 35 Hektar umfasse. Nach heutigen  Sicherheitsvorstellungen sei der Pufferbereich zwischen Baugrenze und Wald mit drei Metern bereits viel zu klein, "es müsste das Zehnfache sein", so die Behörde. "Es wäre unverantwortlich, das Leben der Kinder und Mitarbeiter durch Windwurf zu riskieren. Die Befreiung von 2008 hätte aus meiner Sicht nicht erteilt werden dürfen", heißt es aus der Naturschutzabteilung.

Eine Baugenehmigung wäre nur möglich, wenn ein Stück des Waldes entfernt würde, da die Gebäudekante des Anbaus direkt auf der Grenze des Bebauungsplans liegen würde. Das ist für die Behörde aber keine Option, denn "das Aufreißen des Waldrandes würde die Windwurfgefahr noch erheblich verstärken, und auch das Waldbrandrisiko würde erheblich steigen", schreiben die Fachleute aus der Kreisverwaltung. Der Waldbestand dürfe daher nicht angetastet werden, auch wenn er der Gemeinde gehöre. Vielmehr müsse der Wald fachkundig bewirtschaftet werden. Auch gärtnerische Nutzung sei nicht gestattet.

Der geplante "Anbau" - das Wort ist im Behördenschreiben in Anführungszeichen gesetzt - sei mindestens genauso groß wie das bisherige Gebäude, "gegebenenfalls sogar schon größer". Möglicherweise ließe sich das Gebäude aber innerhalb der Baugrenze realisieren, wenn es anders angeordnet würde als bisher geplant, schlägt die Behörde vor. "Eine große Gefahr besteht trotzdem."

Bürgermeister Günther Ringen will gar nicht viel dazu sagen. Auf Anfrage verweist er auf einen Behördentermin kommenden Dienstagvormittag, bei dem die Differenzen an Ort und Stelle "in Ruhe" besprochen werden sollen. Wie lange die Gemeinde wohl noch auf die Baugenehmigung wird warten müssen? "Ich bin kein Hellseher", meint Ringen, er sei aber zuversichtlich, dass sich das Problem lösen lasse. Die Ratsfrau Heike Stöver ist ebenfalls guter Dinge: "Wir gehen davon aus, dass der Anbau bald genehmigt wird."

Ende Juli war bekannt geworden, dass der Anbau am Breddorfer Kindergarten die Gemeinde erheblich teurer kommt als noch im Frühjahr erwartet. Im April hatte Bürgermeister Ringen von 530.000 Euro gesprochen, einschließlich der Kosten für die Container, die die Gemeinde für die Bauzeit anmieten will, um alle angemeldeten Kinder aus Breddorf bis zur Inbetriebnahme des Anbaus betreuen zu können. Zuletzt rechnete man im Kita-Bauausschuss allerdings mit Gesamtkosten von 850.000 Euro.

Alleine die Übergangslösung mit den Containern könnte bis zu 100.000 Euro kosten. Darin enthalten sind die Miete für zwölf bis 15 Monate, die Streifenfundamente und ihr späterer Rückbau, die Anschlüsse für die Ver- und Entsorgung und die Baugenehmigung. Die Module sind komplett mit Fußboden, Heizung und Küche ausgestattet. Seit Ende der Betriebsferien werden in den Containern die Drei- bis Sechsjährigen betreut, im Altbau die Krippenkinder.

Zusätzlich verteuert wird das Projekt, weil der Anbau größer werden soll als ursprünglich geplant. Vorgesehen ist jetzt noch ein Reserveraum, in dem bei Bedarf weitere zehn Kinder betreut werden können. Das ist nachträglich beschlossen worden, denn der Zuwachs an Kindern in der jüngsten Zeit hat die Gemeinde völlig überrascht. Durch Zuzüge junger Familien in kurzer Zeit sind so viele Kinder dazu gekommen, dass die Gemeinde unter Zugzwang geraten ist.

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