Strafandrohung für Totholz Kommentar: Bitte mal ins Gesetzbuch schauen

Totholz gehört nicht in den Wald, sagt der Landkreis Rotenburg, und droht einem Breddorfer mit Strafe. Johannes Heeg hält in seinem Kommentar dagegen.
18.11.2022, 18:30
Lesedauer: 1 Min
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Von Johannes Heeg

Oha, denkt man, wenn man die Naturschutzrechtliche Anordnung des Landkreises Rotenburg anfängt zu lesen: Da hat die Naturschutzbehörde wohl einen gewaltigen Umweltskandal aufgedeckt. Abfälle seien unverzüglich zu entfernen, die weitere Ablagerung von Abfällen wird untersagt, ein Zwangsgeld wird angedroht. Es geht um nichts Geringeres als um die „Wiederherstellung rechtmäßiger Zustände“.

Haben die amtlichen Naturschützer etwa auslaufende Ölfässer entdeckt, sind sie einer wilden Müllkippe auf der Spur? Mitnichten. Es sind schlicht ein paar Äste, die den Behördenvertretern missfallen. Äste, die aus dem Wald stammen, in dem ein Naturliebhaber sie zu Haufen gestapelt hat. Längst ist das Grünzeug ein Habitat für allerlei Tiere geworden.

Nicht nur der Mann, dem das friedliche Fleckchen Erde gehört, in dem alles mögliche an Getier kreucht und fleucht, fragt sich: Warum wird hier mit Kanonen auf Spatzen geschossen? Warum dieser Popanz, diese Drohgebärden einer Verwaltungsabteilung, die doch froh sein könnte, dass Menschen sich für die Natur einsetzen?

Der Eifer der Naturschutzbehörde in allen Ehren, aber er geht offensichtlich in die falsche Richtung. Denn wie heißt es im Bundesnaturschutzgesetz: „Jeder soll nach seinen Möglichkeiten zur Verwirklichung der Ziele des Naturschutzes und der Landschaftspflege beitragen.“ Ganz klar heißt es in Paragraf 39: „Es ist verboten, Lebensstätten wild lebender Tiere und Pflanzen ohne vernünftigen Grund zu beeinträchtigen oder zu zerstören.“ Es klingt echt wie Satire, wenn der Umweltschutzverband BUND den Landkreis fragen muss: „Gibt es in diesem Fall wirklich zwingende Gründe, die wichtiger sind als die Beachtung des Bundesnaturschutzgesetzes und der Schutz der Natur?“

Totholzhaufen hätten in einem Wald nichts zu suchen, behaupten sie im Kreishaus – auch das klingt wie ein schlechter Witz. Da hat sich eine Behörde, der es wahrlich nicht an Arbeit mangelt, wohl offensichtlich verrannt und arbeitet sich an einem Fall ab, der keiner ist. Daher hier ein gut gemeinter Ratschlag: Rückzieher machen und die hochtrabende Anordnung samt Gebührenbescheid in die Tonne treten.

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