Nach Beschwerden aus Hanstedt Landkreis prüft Rückverlegung der Haltestellen

Wie kam es zur umstrittenen Verlegung der Bushaltestellen in Hanstedt? Auslöser war der Wunsch der Gemeinde Breddorf, die durch den früheren Bürgermeister geäußert wurde, sagt der Landkreis Rotenburg.
14.01.2022, 18:30
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Johannes Heeg

Breddorf. Die Verlegung der Bushaltestellen in Hanstedt, die im Dorf für viel Ärger gesorgt hat, weil Eltern ihre Kinder gefährdet sehen, sie geht tatsächlich auf das Konto des früheren Bürgermeisters Günther Ringen. Das haben weitere Recherchen der WÜMME-ZEITUNG beim Landkreis Rotenburg ergeben. Demnach hat Ringen eigenmächtig, weil ohne Ratsbeschluss, gehandelt. „Es gab dazu keine Ratsentscheidung“, sagt seine Nachfolgerin Susanne Schmiedel, die in den Protokollen der vergangenen Gemeinderatssitzungen nichts gefunden hat. Die Verlegung der Hanstedter Bushaltestellen sei zwar im Bau- und Wegeausschuss besprochen worden, doch habe der Gemeinderat darüber nicht abschließend entschieden. 

Wie kam es, dass in Hanstedt eine neue Haltestelle eingerichtet und dafür eine andere verlegt wurde? Das EVB-Tochterunternehmen Omnibusbetrieb von Ahrentschildt (OvA) habe die Haltestellenänderungen in Hanstedt vorgenommen, so Landkreis-Sprecherin Christine Huchzermeier. Auslöser der Änderungen war der Wunsch der Gemeinde Breddorf, die durch den früheren Bürgermeister geäußert wurde.

Reicht dazu die Willensbekundung des Bürgermeisters oder bedarf es eines Ratsbeschlusses? Nach außen hin reiche eine Willensbekundung des Bürgermeisters aus. Die internen Entscheidungszuständigkeiten seien hingegen innerhalb der Gemeinde zu klären, so der Landkreis.

Was ist der sachliche Grund für die Einrichtung der neuen Haltestelle? Der Grund für die Einrichtung der neuen Haltestelle „Am Eck“ in Hanstedt, heißt es vom Landkreis, sei die bessere Erschließung der Ortschaft Hanstedt gewesen.

Wie kann eine Änderung der Linienführung und Haltestellen erreicht werden? Die Genehmigungen für Fahrplanänderungen – Änderungen der Linienführung, Einrichtung neuer Haltestellen – werden von der Landesnahverkehrsgesellschaft (LNVG) erteilt. Die Änderung wurde vom Landkreis Rotenburg als Aufgabenträger für den ÖPNV veranlasst.

Der Landkreis soll dazu eine Machbarkeitsprüfung veranlasst haben? Es habe eine Ortsbesichtigung mit dem Verkehrsunternehmen OvA gegeben, sagt Huchzermeier. Diese habe ergeben, dass die Änderung machbar sei.

Wurden dabei Kosten und Nutzen abgewogen, der Zustand der Straßen geprüft, das Unfallpotenzial erörtert? Beim Ortstermin sei folgender Nutzen herausgearbeitet worden: Neben einer besseren Erschließung des Ortes bedeute die Haltestellenänderung in Hanstedt auch kürzere Wege für Schülerinnen und Schüler. Die örtliche Begehung habe den Schulweg als sicher eingestuft. Dem gegenüber halte sich die Kostensteigerung in Grenzen: Der Fahrtweg sei circa fünf Kilometer länger und folglich mit einer längeren Fahrtzeit verbunden. Es sei jedoch kein zusätzliches Fahrzeug erforderlich. Der Nutzen für die Ortschaft und die Schulwegsicherheit durch die kürzeren Wege rechtfertige nach Einschätzung des Landkreises die etwas höheren Kosten.

Inwieweit sind die Belange der Anwohner abgefragt worden? Der Landkreis habe die Belange nicht abgefragt, da er davon ausgegangen sei, dass dies durch die Gemeinde erfolgt sei, wenn ein entsprechender Wunsch an ihn herangetragen wird.

Kommt der Landkreis dem Wunsch der Gemeinde Breddorf nach, die Haltestellen wieder in den ursprünglichen Zustand zurückzuführen? Der Wunsch der Gemeinde Breddorf werde wohlwollend geprüft, so der Landkreis.

Wie lange könnte das dauern? Die Bearbeitung werde voraussichtlich bis August dauern. Grund sei zum einen das erneute Genehmigungsverfahren bei der LNVG für die gewünschte Änderung. Daneben seien umfangreiche Prüfungen erforderlich, um die Linienverkehre durch den ursprünglichen Zustand der Haltestellen in Hanstedt wieder aufeinander abzustimmen. Diese Änderung ziehe unter Umständen Änderungen bei anderen Linienverkehren nach sich. Schließlich seien für die konkrete Umsetzung auch noch bauliche Maßnahmen, beispielsweise das Einpflöcken von Pfählen, und verkehrsbehördliche Anordnungen erforderlich.

Lesen Sie auch

Warum geht das nicht schneller? Eine Änderung zum nächsten Schuljahr sei auch deshalb sinnvoll, da erfahrungsgemäß zu dieser Zeit weitere Fahrplanänderungen vorgenommen würden, die dann gleich aufeinander abgestimmt werden könnten. Zudem gewöhnten sich Menschen an Fahrpläne, so Huchzermeier, und zu kurzfristige Änderungen würden auch Verwirrung und Unsicherheit stiften.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+