„Nah + gut Poppe“ in Breddorf Supermarkt der kurzen Wege

Noch gibt es in Breddorf einen Supermarkt: Heiko und Ingret Poppe halten an der Ehebrooker Straße ihren Laden „Nah + gut“ am Leben.
16.02.2021, 12:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Johannes Heeg

Breddorf. Wer in Breddorf einen Supermarkt braucht, der muss sich nicht zwingend ins Auto setzen und bis nach Tarmstedt fahren. Mitten im Dorf, neben der Tankstelle in der Ehebrooker Straße, gibt es noch einen. Zwar ziemlich klein für heutige Verhältnisse, aber ein Vollsortimenter, ein Laden, der so ziemlich alles hat, was man fürs tägliche Leben braucht, Getränke und Frischetheke mit Brot und Kuchen, Käse, Fleisch und Wurst inklusive, dazu noch Geschirr und Küchengeräte. „Nah + gut Poppe“ heißt der Markt, den Heiko Poppe und seine Frau Ingret betreiben. Wenn sie gesund bleiben, soll das noch einige Jahre so bleiben.

Vor 26 Jahren hat Heiko Poppe den Laden von seinem Vater übernommen, der ihn seinerseits in den 1970er-Jahren von der Familie Maske gepachtet hatte. Eckhard Maske gründete 1959 einen Tante-Emma-Laden. Von den anderen beiden Lebensmittelläden in Breddorf unterschied er sich dadurch, dass er seinen Kunden die Ware auf Wunsch nach Hause lieferte. Dafür hatte Maske einen gebrauchten VW-Bulli angeschafft. Dieses Fahrzeug verlieh er tagsüber an Leute aus dem Dorf, die damit nach Bremen zur Arbeit fahren wollten. Abends fuhr er seine Ware aus. Die Nachfrage nach Leihwagen stieg, weitere Autos kamen hinzu, und 1970 wurde daraus eine reine Autovermietung.

Den Kaufmannsladen verpachtete Maske 1970 also an Walter Poppe, der bis dahin einen Dorfladen im benachbarten Hanstedt betrieben hatte. „Auf 50 Quadratmetern gab es dort Heringe aus dem Fass, Stacheldraht von der Rolle, Werkzeug und Mehl, Salz und Zucker in Schütten“, erinnert sich Heiko Poppe, der in dem Geschäft groß geworden ist. 1981 zog Walter Poppe in Breddorf an den jetzigen Standort um, einen von Maske gebauten und vermieteten Neubau direkt neben dem alten Geschäft. Nun hieß der Laden Edeka Poppe.

Dass Sohn Heiko die Geschäfte 1996 fortführen würde, war ursprünglich gar nicht dessen Plan. „Ich wollte eigentlich Fotograf werden“, erzählt er. Doch fand er keine Lehrstelle, sodass er erst mal seinen Wehrdienst ableistete und anschließend Kraftfahrzeug-Elektriker lernte. Dann begann er eine kaufmännische Lehre. Mit seinem Bruder spielte Poppe in einer Rockband, zwischendurch wollte er auch ins Geschäft mit Veranstaltungstechnik einsteigen. Doch es kam anders: „Meine Mutter wurde krank und mein Vater ging in Rente.“

Hat er seine Entscheidung bereut? „Manchmal habe ich schon ans Aufhören gedacht“, sagt Heiko Poppe. Der Laden sei mit 400 Quadratmeter Verkaufsfläche klein, längst hätte er modernisieren müssen. Doch dafür werfe das Geschäft zu wenig ab. Immerhin, seit dem ersten Lockdown 2020 habe er einen Aufschwung gespürt: „Die Umsätze sind gestiegen. Wenn das so bliebe, könnten wir investieren“. Der Laden sei wichtig fürs Dorf, das höre er immer öfter, oder auch Sätze wie: „Gut, dass Du hier bist.“ Die Anerkennung tue gut. Seit Corona spüre er mehr Wertschätzung, sagt er.

Beim Sortiment gehe er durchaus mit der Zeit, meint Poppe. Trockenshampoo hat er, und auch Seife in der Pappschachtel. „Weder Plastik bei der Verpackung noch Mikroplastik bei den Inhaltsstoffen“, sagt er. Edeka biete solche Dinge an, und die Kundschaft frage danach. Das gelte auch für Bio-Lebensmittel, die würden immer mehr angenommen. Gerne würde er noch mehr Produkte von Bauern aus der Region anbieten. Kartoffeln zum Beispiel. Doch die müsste er selbst verpacken, was nicht leistbar sei. Immerhin beziehe er einige Lebensmittel aus der Nachbarschaft, etwa Wurst von Simon Lünzmann aus Kirchtimke, Brot und Brötchen von der Bäckerei Sammann in Fischerhude oder Speiseöle aus Zeven.

Wie lange er das noch machen will? In vier Jahren wolle er in Rente gehen, wenn nichts dazwischen komme. Seine Frau und er könnten von dem Geschäft leben, doch bleibe kaum Freizeit. „Ich mache das wirklich gerne, aber Zeit für Hobbys bleibt mir nicht. Und meist hätte ich auch gar keine Energie mehr dafür.“

Und wenn Poppes aufhören, wird dann ein Dorfladen daraus wie in Rhade? „So etwas funktioniert nur, wenn sich Menschen einbringen und vor allem, wenn sie tatsächlich in ihrem Laden einkaufen“, sagt Poppe. Derzeit sehe er noch „niemanden, der so ein Projekt anschieben könnte“.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+