Bremervörde: Nachschub für Wasserstoff-Züge

Tankstelle folgt auf Testphase

Ab 2022 werden in Bremervörde insgesamt 14 emissionsfreie Züge mit Wasserstoff betankt. Jetzt erfolgte der Startschuss für den Bau dieser weltweit ersten Wasserstofftankstelle für Personenzüge.
03.08.2020, 17:28
Lesedauer: 3 Min
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Von Johannes Heeg
Tankstelle folgt auf Testphase

Beim symbolischen ersten Spatenstich für die weltweit erste Wasserstofftankstelle für Passagierzüge in Bremervörde (von links): Mathias Kranz (Linde), Jörg Nikutta (Alstom), Thomas Nawrocki und Carmen Schwabl (Landesnahverkehrsgesellschaft), Holger Buse (EVB) und Joachim Heider (Linde).

EVB

Bremervörde. Wasserstoff statt Diesel im Tank: Bei den Eisenbahnen und Verkehrsbetrieben Elbe-Weser GmbH (EVB) sollen ab 2022 insgesamt 14 emissionsfreie Züge zwischen Cuxhaven, Bremerhaven, Bremervörde und Buxtehude verkehren. Der Kraftstoffnachschub soll dann in einer Tankstelle erfolgen, die ab September am Bremervörder Bahnhof errichtet wird. Jetzt ist der symbolische erste Spatenstich für die weltweit erste Wasserstofftankstelle für Passagierzüge erfolgt.

Das weltweit beachtete Mobilitätsprojekt, so EVB-Pressesprecherin Andrea Stein, trete nun in die nächste Phase. Das Gase- und Engineering-Unternehmen Linde werde die Wasserstofftankstelle in der Nähe des Bahnhofs Bremervörde im Auftrag der Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen (LNVG) errichten und betreiben. Weitere Projektpartner sind der Schienenfahrzeugbauer Alstom, das Land Niedersachsen und die Eisenbahnen und Verkehrsbetriebe Elbe-Weser (EVB). Phase eins war eine 18-monatige Testphase für die ersten beiden Wasserstoff-Züge vom Typ Coradia iLint, diese sei Ende Februar erfolgreich abgeschlossen worden, so Stein. Derzeit fahren auf der nicht elektrifizierten Strecke wieder ausschließlich Diesel-Loks.

Nach der Fertigstellung voraussichtlich Mitte 2021 werde die Wasserstofftankstelle die bisherige mobile Betankungslösung ersetzen. Mit einer Kapazität von rund 1600 Kilogramm Wasserstoff pro Tag handele es sich um eine der größten Wasserstofftankstellen der Welt, heißt es in einer Mitteilung. Ab Anfang 2022 würden dann 14 von Alstom gelieferte wasserstoffbetriebene Regionalzüge dort täglich und bei Bedarf rund um die Uhr betankt. Dank einer Reichweite von 1000 Kilometern könnten die Triebzüge mit nur einer Tankfüllung den ganzen Tag lang emissionsfrei im Netz der EVB fahren. Dieser Zug ist geräuscharm und gibt lediglich Wasserdampf und Kondenswasser ab.

Erweiterungsflächen an der Tankstelle ermöglichten eine spätere Wasserstofferzeugung vor Ort mittels Elektrolyse und regenerativ erzeugtem Strom. „Am Anfang wird dort noch kein komplett grüner Wasserstoff zur Verfügung stehen“, sagte Thomas Nawrocki von der Landesnahverkehrsgesellschaft auf Anfrage. Der Wasserstoff entstehe zum Teil als Abfallprodukt in der chemischen Industrie in Stade und Hamburg und werde per Lkw angeliefert. Perspektivisch vorgesehen sei allerdings die Wasserstofferzeugung mithilfe von Windstrom aus der Region in Bremervörde direkt. „Das Projekt ist Teil einer zukunftsweisenden Wasserstoff-Strategie“, so Nawrocki.

Der Spatenstich für diese Wasserstofftankstelle für Personenzüge sei ein bedeutender Schritt für ein Vorzeigeprojekt aus Niedersachsen, sagte Carmen Schwabl, Geschäftsführerin der LNVG. Die Initiative, das Gas als Treibstoff im Schienenpersonennahverkehr zu erproben, sei von der LNVG ausgegangen. "Wir freuen uns, eine Schlüsselrolle in diesem innovativen Projekt zu spielen", sagte Mathias Kranz vom Gase-Hersteller Linde. Dieser setze bereits seit langem auf Wasserstoff, der einen erheblichen Beitrag zur Dekarbonisierung leisten könne. "Die Einführung von Wasserstoff als Kraftstoff für Züge wird die Umwelt spürbar entlasten, da ein Kilogramm Wasserstoff ungefähr 4,5 Liter Dieselkraftstoff ersetzt“, so Kranz.

„Mit dem Bau der Wasserstofftankstelle in Bremervörde wird die Grundlage für den Serienbetrieb unserer emissionsfreien Wasserstoffzüge im Weser-Elbe-Netz geschaffen„, so Jörg Nikutta, Geschäftsführer Deutschland und Österreich der Alstom Transport Deutschland GmbH. Sein Unternehmen sei “stolz, dass wir das erste Eisenbahnunternehmen weltweit waren, das Brennstoffzellenzüge im Weser-Elbe-Netz zum Einsatz bringen durfte„. Die Fahrgäste seien von Beginn an sehr neugierig auf die Züge mit der neuen Antriebstechnologie gewesen. Neben der sehr geringen Geräuschbelastung punkte der Wasserstoffzug in Zeiten des Klimawandels mit seiner Emissionsfreiheit. Und EVB-Prokurist Andreas Wagner sagt: “Für unsere Lokführer stellte der Betrieb der Waserstoffzüge eine ganz besondere Motivation dar.“

Das Projekt wird im Rahmen des Nationalen Innovationsprogramms Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie durch das Bundesverkehrsministerium gefördert.

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