Sondersitzung am 25. März Bülstedter Gemeinderat will Bürgermeister Albinger absetzen

Bülstedts Gemeinderat will Bürgermeister Albinger am 25. März abwählen. Der Bürgermeister-Stellvertreter Stefan Grube kritisiert vor allem die „Alleingänge“ des Amtsinhabers.
12.03.2021, 11:01
Lesedauer: 2 Min
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Von Johannes Heeg

Bülstedt. Bürgermeister Jochen Albinger und sein Gemeinderat, sie werden wohl keine Freunde mehr. Ein halbes Jahr vor der Kommunalwahl wollen die übrigen acht Ratskollegen den Amtsinhaber abberufen, so steht es auf der Tagesordnung der Sondersitzung des Rates, die am Donnerstag, 25. März, ab 20 Uhr, im Dorfgemeinschaftshaus Steinfeld stattfindet. Gleich nach der Abwahl soll ein neuer Bürgermeister gewählt werden.

Wer das sein soll, will Stefan Grube nicht sagen. Der stellvertretende Bürgermeister hat die Ratssitzung einberufen, hält sich bei der Nachfolgefrage aber bedeckt: „Wir haben das geregelt, aber das soll vorher nicht in der Zeitung stehen“, sagte er auf Anfrage. Grube hat Albinger am Freitag voriger Woche über diesen Schritt informiert. Er habe dem Bürgermeister persönlich ein Schreiben überreicht, das von den übrigen acht Ratsmitgliedern unterzeichnet worden sei. „Die Alleingänge des Bürgermeisters haben sich gehäuft“, sagt Grube. Es gehe um Personalfragen und um den Kindergartenanbau, um nicht umgesetzte Beschlüsse. Konkreter will er nicht werden. Tatsache sei jedenfalls, „dass von uns keiner mehr mit Albinger zusammenarbeiten will“.

Der Bürgermeister sieht der geplanten Abberufung „sehr gelassen“ entgegen, sagt er. Die Nachricht sei im Dorf schon rum, und er habe „von keinem gehört, dass er das gut findet, was der Rat da macht“. Von daher gehe er „mit einem guten Gefühl“ in die Zusammenkunft in Steinfeld. Den Vorwurf, dass er angeblich Beschlüsse des Rates nicht umsetzt, könne er nicht nachvollziehen: „Welche Beschlüsse sollen das sein? Es ist alles in Protokollen belegt.“

Albinger glaubt nicht, dass seine Ratskollegen großen Rückhalt in der Bevölkerung haben. Schließlich könne sich seine Bilanz der vergangenen fünf Jahre sehen lassen: Neue Wasserleitungen habe das Dorf bekommen, ein neues Baugebiet, Glasfaseranschlüsse, neue Fußwege, Mitfahrerbänke, die Straßenlampen wurden auf sparsame LED-Technik umgerüstet. Und erst der Kindergarten: Zu Beginn seiner Amtszeit sei das noch ein Spielkreis gewesen, dem die Kinder auszugehen drohten. Jetzt werde ein Anbau für 470.000 Euro hochgezogen, für den die schuldenfreie Gemeinde nicht mal Kredite aufnehmen müsse.

„Diese Aktion meiner Ratskollegen ist schädlich fürs Dorf“, ist Albinger überzeugt. Er hingegen wolle noch einiges bewegen. Dazu gehöre die Gründung eine Bürger-Energiegenossenschaft, die auf dem Dach der Bülstedter Schule eine große Photovoltaikanlage betreiben könnte. Am Friedhof möchte er ein Gerätehaus für die Gemeindearbeiter errichten, und der Jugendtreff im alten Spritzenhaus soll einen Toilettenanbau bekommen, der auch Touristen offenstehen solle.

Für die Ratssitzung am 25. März rechnet Albinger mit derart viel Interesse, dass das Gemeinschaftshaus in Steinfeld dafür zu klein sein könnte. Wegen der Pandemie-Abstandsregeln ist dort „Platz für 20 Familien plus Presse“, sagt Stefan Grube. Albinger würde in die Bülstedter Turnhalle ausweichen. „Das wird hoch hergehen“, glaubt der Bürgermeister. Wer die Ratssitzung besuchen möchte, muss sich per E-Mail an stefan.grube@ewe.net anmelden.

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