Heinz Mindermann: 70 Jahre Feuerwehrmann Einst mit Trecker und Anhänger zu den Einsätzen

Heinz Mindermann ist seit 70 Jahren bei der Steinfelder Feuerwehr. Auch wenn der 86-Jährige keine Einsätze mehr fährt, fühlt er sich immer noch rüstig genug, um im Alltag seine Hilfe anzubieten.
21.01.2022, 20:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Christina Klinghagen

Steinfeld. Auf der dunkelblauen Dienstuniform vereinen sich die letzten drei Jahrzehnte, in denen Heinz Mindermann für seine Arbeit bei der Ortsfeuerwehr Steinfeld ausgezeichnet wurde. Doch die drei Medaillen, die er an seine linke Brusttasche gepinnt hat, lassen nur erahnen, was der Landwirt in seinem Ehrenamt seit mittlerweile 70 Jahren leistet. Auch wenn der 86-Jährige nicht mehr im aktiven Dienst zum Einsatz kommt, fühlt sich der Feuerwehrmann immer noch rüstig genug, um im Alltag bei Bedarf seine Hilfe anzubieten.

Voller Stolz legt er seinen roten Feuerwehrdienstausweis, der dem Passbild nach schon einige Einsätze mitgemacht hat, auf den Küchentisch. „Mit 62 Jahren scheidet man aus dem aktiven Dienst aus und geht in die Altersabteilung“, erklärt Mindermann, der darin aber für sich keinen Stillstand sieht. Zur Brandbekämpfung rücke er schon lange nicht mehr aus. Stattdessen übernehme er wie die anderen älteren Kollegen leichte Aufgaben. Nie wäre es ihm in den Sinn gekommen der Feuerwehr den Rücken zuzukehren. „Man tritt nicht aus, man macht weniger“, lautet sein Fazit.

Mit 15 angefangen

Als Mindermann sich 1950 bei der Freiwilligen Feuerwehr zum Dienst meldete, war er gerade einmal 15 Jahre jung. Schon als Kind war für ihn klar, dass er sich ebenso wie sein Vater für das Wohl seiner Mitmenschen einsetzen will. „Man ist da automatisch mit reingewachsen. Das war für mich eine Selbstverständlichkeit“, gibt er zu verstehen. Nach der Grundausbildung sammelte er bei unterschiedlichen Einsätzen seine Erfahrungen und bildete sich stetig fort. „Schließlich musste man im Notfall alles können“, wie Mindermann betont. Unvergesslich sei für ihn ein Großbrand auf dem Nachbarhofgelände gewesen. Dieses Erlebnis habe ihn sehr geprägt und ihn in seinem Dienst als Feuerwehrmann bestärkt. 

Helfen schafft Verbundenheit

Wie Mindermann schildert, seien früher alle jungen Leute der Feuerwehr beigetreten. Die Kameradschaft und das Helfen in Notlagen habe Verbundenheit geschaffen. Auch im Schützenverein Winkeldorf ist Mindermann schon ewig mit dabei, er schätzt das gesellige Miteinander. Um Feuerwehrmann oder Feuerwehrfrau zu werden, sollten aus seiner Sicht folgende Voraussetzungen gegeben sein: „Hilfsbereitschaft und Spaß daran haben, anderen Menschen helfen zu können und zu dürfen. Wer das nicht kann, der ist häufig nicht in der Feuerwehr.“ Sein ältester Sohn Bernd Mindermann, der seit 1984 bei der Feuerwehr Steinfeld ist, verkörpere genau diese Eigenschaften. Erst kürzlich zum Hauptfeuerwehrmann ernannt, packe er mit an, wo seine Hilfe gebraucht wird. „Man läuft eben mit offenen Augen durch die Gegend“, erklärt der 61-Jährige, der im Jahr 2000 den elterlichen Hof übernommen hat. Wenn beispielsweise ein Baum die Straße versperrt, schwinge er sich auf den Trecker, um das Hindernis wegzuräumen. Einen Schwerpunkt bei der Feuerwehr sehen die  Mindermanns für sich im Einsatz von landwirtschaftlichen Geräten, mit denen sie täglich arbeiten. Inspiriert von Opa und Vater, ist Bernd Mindermanns Sohn Lasse ebenfalls mit Begeisterung Feuerwehrmann, er hat sich zum Atemschutzträger qualifiziert. „Man wünscht sich, dass jeder Feuerwehrkamerad gesund wieder nach Hause kommt und die Freiwillige Feuerwehr Steinfeld lange erhalten bleibt“, unterstreicht Heinz Mindermann.

Feuerwehr ist auch Kulturträger

Die Feuerwehr im Dorf ist laut Ortsbrandmeister Rüdiger Hillmer nicht nur zur Brandbekämpfung da, sondern auch Kulturträger und gesellschaftlich verankert. Ebenso wie der Heimatverein ist auch die Feuerwehr an der Organisation von Veranstaltungen beteiligt. Allerdings werden dafür auch jüngere Helfer gebraucht, von denen sich die Feuerwehr Steinfeld noch mehr Zuspruch erhofft. „Es ist erfreulich, dass wir drei Neue bei der letzten Mitglider-Aktion 2019 hinzugewinnen konnten“, berichtet Hillmer. Aktuell gebe es 29 aktive Mitglieder, deren Durchschnittsalter bei 43 Jahren liege.

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Technisches Wissen gefragt

Für die Aufgaben Brandschutz und Hilfeleistung sei auch technisches Wissen bei der Freiwilligen Feuerwehr gefragt. „Das Feuerwehrauto ist vollständig ausgestattet, allerdings noch ohne Wassertank. Wasserführende Fahrzeuge gibt es noch gar nicht so lange“, erklärt Hillmer. Bis 1973 sei man sogar mit Trecker und Anhänger zu den Einsätzen gefahren. Erst danach seien motorisierte Fahrzeuge in Betrieb genommen worden. Ebenso habe es bis in die 1980er-Jahre auf dem Land keine Atemschutzgeräte gegeben. Wenn es heute zu einem Brand kommt, würde die Feuerwehr Wilstedt grundsätzlich dazu alarmiert werden, weil die über ein wasserführendes Fahrzeug verfügt. Laut Hillmer ist in Planung, dass die nächste Generation der Feuerwehrfahrzeuge mit einem Wassertank ausgestattet sein sollen. Der Ortsbrandmeister ist seit 1975 bei der Feuerwehr und hat bereits viele Ehrenamtliche ausgebildet, die heute bei der Berufsfeuerwehr tätig sind. „Wer sich berufen fühlt, bleibt bis zum Schluss dabei. Man tritt freiwillig bei der Feuerwehr ein und hat die Pflicht zur Kameradschaft“, sagt Hillmer.

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