Bülstedts Bürgermeister Jochen Albinger Dritter Bewerber für den Chefsessel im Tarmstedter Rathaus

Bülstedts Bürgermeister Jochen Albinger (SPD) will nun auch für das Amt des Tarmstedter Samtgemeindebürgermeister kandidieren. Weil es schon einen SPD-Kandidaten gibt, wird Albinger die Partei verlassen müssen.
22.01.2021, 19:00
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Von Johannes Heeg

Tarmstedt. Bei der Wahl des Tarmstedter Samtgemeindebürgermeisters im September will nun auch Jochen Albinger (SPD) antreten. Bekommt Bülstedts ehrenamtlicher Bürgermeister die vorgeschriebenen Unterstützerunterschriften bis Ende Juli zusammen, hätten die Einwohner der Samtgemeinde Tarmstedt die Wahl unter drei Männern. Denn als Kandidaten bereits offiziell nominiert worden sind Markus Schwiering, der für die Gruppe CDU-FDP-Natürlich Samtgemeinde Tarmstedt antretende parteilose Bürgermeister aus Hepstedt, und Bernd Sievert, SPD-Fraktionschef im Gemeinde- und Samtgemeinderat in Tarmstedt.

Warum er in den Ring steigen will, um Nachfolger von Frank Holle (CDU) zu werden, sagt Albinger auch mit Blick auf die beiden Mitbewerber so: „Wenn du willst, dass es besser wird, dann musst du es selber machen.“ Er wolle dazu beitragen, dass das Gemeinschaftsgefühl der Menschen innerhalb der Samtgemeinde gestärkt wird, dass die Mitgliedsgemeinden enger miteinander kooperieren. Als plakatives Beispiel nennt er die Sanierung von Gemeindeverbindungsstraßen, „die nicht am Ortsschild aufhören sollte“. Im Laufe der vergangenen vier Jahre habe er als Bülstedter Bürgermeister die Mitarbeiter der Samtgemeindeverwaltung als sehr qualifiziert und serviceorientiert kennen gelernt: „Das ist ein sehr gut eingespieltes Team, das mit den Bürgern, aber auch mit den Bürgermeistern der Mitgliedsgemeinden ein gutes Miteinander pflegt.“

Diese „gut aufgestellte Verwaltung“ zu führen, traue er sich selbstverständlich zu, zumal er auf reichlich Erfahrung als selbstständiger Handwerksmeister und Bürgermeister zurückblicken könne. Als gute Alternative zu den beiden Mitbewerbern sehe er sich auch aufgrund seiner „Offenheit für neue Ideen und Herangehensweisen“. So sei das neue Baugebiet in Bülstedt dank eines schlanken Verfahrens sehr zügig verwirklicht worden. Und bei den Planungen zur Erweiterung der Kita in Bülstedt hätten Bürgermeister und Gemeinderat sehr kooperativ zusammengearbeitet. „Es gab auch mal Streit, sogar sehr heftigen Streit“, räumt Albinger ein. „Das muss auch mal sein, doch dann muss man sich wieder zusammenraufen.“ Zur Modernisierung der Grundschule Tarmstedt sagt er: „Wir sollten ruhig mal über einen Neubau nachdenken. Ich würde bis auf den Teil aus den 1950er-Jahren alles abreißen und neu bauen.“

Der 55-Jährige will nun über die Dörfer ziehen und Unterschriften von Menschen einsammeln, die seine Kandidatur unterstützen. Etwa 150 braucht er. Ob er die bekommt? „Da bin ich ziemlich sicher“, sagt er, schließlich sei er zu der Kandidatur ermuntert worden und zweitens „überall in der Samtgemeinde bekannt“. Geboren in Emden, hat Albinger seit der ersten Klasse in Tarmstedt die Schule besucht. Danach machte er eine Lehre als Isoliertechniker, legte 1989 die Meisterprüfung ab und gründete 1992 seinen eigenen Betrieb. Mit 18 zog er nach Bülstedt, heiratete, wurde zweimal Vater, wurde geschieden und heiratete ein zweites Mal.

Albingers Kandidatur für den Posten des Verwaltungschefs in Tarmstedt kommt ein wenig überraschend, hatte er doch auf Anfrage bis jetzt stets betont, dass er nicht nach dem Chefsessel im Tarmstedter Rathaus strebe. Stattdessen hatte er bis Weihnachten immer wieder gesagt, er wolle gerne Kreisvorsitzender der SPD werden. Beides zusammen geht nicht, zumal Albinger wohl in Kürze aus der SPD austreten wird, in die er 2016 im Sommer vor der Kommunalwahl eingetreten ist. Die SPD verlassen muss er, weil nach den geltenden Regeln nicht zwei Bewerber aus einer Partei bei einer Wahl antreten dürfen. „Das täte mir zwar leid, weil die SPD meine politische Heimat ist“, sagt Albinger. Doch die Entwicklung der Samtgemeinde sei ihm wichtiger als die Partei. Daher würde er als Einzelkandidat ins Rennen gehen. Mit dem Tarmstedter SPD-Vorstand gesprochen hat er bis Freitagnachmittag noch nicht.

Den amtierenden SPD-Kreisvorsitzenden Klaus Manal hat Albinger hingegen vor Kurzem ins Vertrauen gezogen. „Ohne die Pandemie wäre Jochen schon im Juni 2020 zu meinem Nachfolger gewählt worden“, so Manal auf Anfrage. Dass es nun anders kommt, bedauert er: „Er macht in Bülstedt einen guten Job. Ich hätte ihn gerne als meinen Nachfolger gesehen.“

Parallel zur Samtgemeindebürgermeisterkandidatur will sich Albinger auch um einen Sitz im Bülstedter Rat und im Samtgemeinderat bewerben, sagt er. Sollte es mit dem Tarmstedter Rathaus nichts werden, stünde er weiterhin als Bürgermeister in Bülstedt zur Verfügung.

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